METALGLORY Archiv

zur neuen METALGLORY Webseite
 
Interviews () alphabetisch:         0..9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Exotoxin "Be Like Water!"
Das hier war eigentlich gar nicht geplant. Am 20.11. besuchte ich die Hannoversche Metal Konzert Reihe „United Metal Forces“, um ein Interview mit den drei Veranstaltern zu führen. Ein Programmpunkt des Abends war das Ein Mann Thrash Metal Projekt Exotoxin. Da lag ein weiteres Gespräch natürlich nahe. Denn jemand, der genügend Arsch in der Hose hat, sich allein mit seinen Songs einer wilden Metal Meute zu stellen, hat bestimmt so einiges zu erzählen. Und so war es schließlich auch. Unter vier Augen mit dem sehr sympatischen Metal Maniac Reinhold – viel Spaß bei der Lektüre.
Weitere Infos zu Exotoxin:
REVIEWS:
Exotoxin Dance Of The Elements
INTERVIEWS:
Exotoxin - Be Like Water!

Hallo Reinhold. Viele unserer Leser kennen dich sicher noch nicht. Erzähl doch einfach mal ein wenig über dich und deine Band.
Ja, also, mein Name ist Reinhold Schmidt und ich bin die Band Exotoxin, eine One Man Thrash Metal Band aus Passau. Ich glaube, ich bin sogar Deutschlands erste Band dieser Art, denn es gibt mich in dieser Form bereits seit 1996. Entstanden ist die ganze Geschichte aus einer Notsituation heraus. Ich habe früher in einer ganz normalen Band mit fünf Leuten gespielt. Irgendwann hatte ich einen ziemlich schweren Unfall. Ich musste zwei Wochen ins Krankenhaus und war ein halbes Jahr krank geschrieben. In dieser Zeit haben mich die Kumpels von der Band ganz schön hängen gelassen. Für mich ist eine Band wie eine Familie, in der es einfach einen großen Zusammenhalt geben muss. Der war an dieser Stelle nicht mehr gegeben und so beschloss ich, andere Wege zu gehen. Ein Bekannter von mir, der als Alleinunterhalter arbeitet, brachte mich dann auf die Idee zu Exotoxin. So habe ich mir einen Drumcomputer gekauft und losgelegt. Anfangs war das alles ganz schön schwierig, schließlich musste ich auf einmal alles allein machen. Ein anderer Bekannter hat mich dann ohne mein Wissen bei einem Konzert angemeldet. Ich bin einfach hingefahren, weil ich dachte, wenn ich jetzt kneife, wird es nie etwas. Ich bin mit nur vier Songs vor 1600 Leuten aufgetreten und konnte viel Lob und Zuspruch einstreichen. Das hat mich darin bekräftigt, erst einmal allein weiter zu machen, zumindest bis ich Leute finde, die dasselbe Herzblut in die Musik stecken wie ich. In der Musik bin ich sehr genau. In zwei Jahren habe ich über 18 Leute angetestet, darunter zwei Schlagzeuger, die sich bei mir die Füße wund gespielt haben. Keiner war dabei, mit dem ich mir eine längere Zusammenarbeit vorstellen könnte. Privat bin ich ein lockerer Typ, musikmäßig muss aber alles auf den Ton genau passen. Außerdem lege ich dabei sehr viel Wert auf Disziplin. Ich habe einfach keinen Bock mehr, stundenlang im Proberaum auf Leute zu warten, die zu spät kommen und sich dann nicht mehr an den letzten Song erinnern können. Zudem gibt es bei uns unten in Passau beispielsweise nicht viele gute Drummer. Die guten sind meist schon in Bands beschäftigt, und selbst wenn mal einer frei wird möchte der dann keinen Thrash Metal spielen. Im Black Metal ist angeblich besser Kohle zu verdienen. Leute mit dieser Einstellung können mir gestohlen bleiben, denn ich spiele nicht wegen des Geldes, sondern weil es Spaß macht.
Zumal auch eine Black Metal Band ziemlich groß werden muss, um etwas Geld zu sehen. Wenn du schon seit 1996 als Exotoxin unterwegs bist, hast du doch sicher schon ein Demo vorzuweisen, gell?
Zunächst habe ich die Mini CD “ Silhouettes of Death“ aufgenommen, die drei Stücke enthält. Sie ist inzwischen ausverkauft. Sie hat übrigens eine Spielzeit von 9 Minuten und 11 Sekunden. Dadurch habe ich einige Verrisse einstecken müssen, weil die Leute meinten, ich würde auf den 11. September und die Anschläge in New York anspielen, was natürlich völliger Blödsinn ist. Unglaublich, worüber sich manche Schreiber so Gedanken machen. Größtenteils waren die Reaktionen aber sehr positiv. Ich habe das Teil nach Holland, Polen, Italien usw. verschickt und es danach erst mal etwas ruhiger angehen lassen. Nach ein paar Auftritten habe ich dann mein aktuelles Album „Dance of the elements“ eingespielt, auf dem neun Nummern zu hören sind. Auch hier sind die Resonanzen super. Ich werde immer wieder verglichen mit Exodus, Death, den alten Slayer usw. Der Metal District hat sogar behauptet, ich würde das Erbe von Chuck Schuldiner fortführen. Aber das ist wohl doch etwas weit hergeholt. Trotzdem sind diese Vergleiche der Wahnsinn, denn genau diese Bands sind seit jeher meine Vorbilder und der Grund, warum ich Musik mache.
Wo hast Du das Album aufgenommen?
Für die Aufnahmen bin ich in das Warhead Studio in Passau gegangen. Das gehört einem Bekannten von mir. Produziert habe ich selbst und innerhalb von drei Wochen war alles im Kasten. Auch das Booklet habe ich selbst entworfen. Beim ersten Gig mit dem Demo im Gepäck habe ich gleich fünfzehn Stück verkauft. Die Nachfrage war noch größer, doch leider hatte ich nicht mehr dabei. Aber vielleicht gehen heute Abend noch ein paar weg. Wäre ganz gut, denn ich könnte noch ein wenig Kohle für die Heimfahrt gebrauchen, ha, ha.
Wie gehst Du beim Songwriting vor?
Zuerst schreibe ich die Gitarre, was eigentlich auch am längsten dauert. Ich nehme mir wirklich Zeit für die Songs, damit alles gut zusammen passt. Jeder Akkord muss sitzen, das ist mir sehr wichtig, denn sonst habe ich keinen Spaß am Spielen. So gehen schon einmal zwei Monate über einen Song ins Land. Den Text schreibe ich mehr oder weniger nebenbei. Schließlich programmiere ich die Drums, was auch noch mal ein oder zwei Wochen dauern kann. Danach spiele ich das Ganze probehalber meinen Kumpels vor. Auf deren Urteil lege ich sehr viel wert und bin dafür auch sehr dankbar.
Auf welchem Equipment spielst Du?
Ich habe eine Lag Gitarre, ein Marshall Topteil und eine Marshall Box.
Bei einem Ein Mann Projekt ist es sicher schwierig, Showelemente bei den Auftritten zu berücksichtigen. Wie kann man sich das bei dir vorstellen? Sitzt du wie Reinhard Mey auf einem Hocker?
Nee, das natürlich nicht. Klar ist es schwer, allein eine gute Show zu bieten. Aber gemosht wird selbstverständlich schon. Schließlich spiele ich Metal. Manchmal habe ich einen kleinen Fünf Liter Eimer mit Bier dabei, in den ich ein paar Strohhalme stecke und so dem Publikum was gutes tue. Der wird natürlich schnell leer, und ich bin froh, wenn ich selbst noch einen Schluck erwische.
Du hast vorhin das Thema „Texte“ angesprochen. Über was schreibst du so?
Texte sind mir sehr wichtig. „Dance of the elements“ handelt von den Naturkatastrophen, die derzeit in der Welt überall stattfinden. Die Menschheit hat die Welt ruiniert und alles kaputt gemacht, was einmal schön gewesen ist. Nun entfacht ihr Schöpfer das Chaos und lässt es über die Welt hereinbrechen. Das ist aber nicht mein Hauptmotiv. Bei mir geht es zum Beispiel auch um seelische Abgründe, die sich in einem Menschen auftun, wenn er mit sich selbst nicht zufrieden ist oder wenn er Druck von außen bekommt. Themen aus dem realen Leben eben. Es ist nicht mein Ding, mir irgendetwas auszudenken. „Simplicity of some souls“ handelt von Menschen, die einfach froh sind, wenn sie in Ruhe für sich leben können und mit anderen Leuten keinen Stress haben. „We suffocate in pain“ wiederum erzählt von den Ängsten, die in einem Menschen wohnen und ihn am Leben hindern. Der Titelsong des aktuellen Albums behandelt diverse Schattierungen des Todes.
Wohin kann man sich wenden, wenn man dich buchen will?
Kontaktieren kann man mich beispielsweise über meine Homepage http://www.exotoxin.de unter Kontakte gibt es meine email Adresse. Mittlerweile biete ich eine dreiviertelstundenlange Show, Tendenz steigend. Für zwölf Euro plus Versand kann man dort auch das Album bestellen.
Und was machst Du, wenn Du nicht in Sachen Musik unterwegs bist?
Dann sitze ich vor dem Computer und versuche, mich ein wenig weiter zu bilden. Oder bin mit meiner Freundin unterwegs.
Welche neuen CDs haben dir in letzter Zeit gefallen?
Da wäre zum einen die Twisted Sister, auch wenn keine neuen Songs enthalten sind. Dann natürlich die neue Exodus.
Und Live Shows? Irgendwas besonders erwähnenswert?
Das letzte große Konzert für mich waren Metallica in Wien. Das war genial, auch wenn ich mit den Sachen seit der „Load“ nichts mehr anfangen kann. In Wien haben sie aber lauter alte Kracher gespielt und da habe ich wieder gewusst, warum ich eigentlich Metallica Fan bin.
Mir ging es ganz genau so, als die vier hier in Hannover waren. Wie ist es denn in deiner Heimatstadt mit dem Underground bestellt? Irgendwas nennenswertes aus Passau zu vermelden?
Es gibt einige gute Bands. Lowdown und Zodiac Ass zum Beispiel. UGF kann ich auch empfehlen. Die haben zwar jetzt eine kleine Pause, sind aber live wirklich super.
Es gibt also auch einige Läden, wo man am Wochenende hingehen kann. Rockkneipen und so?
Ja, gibt es ein oder zwei. Und es gibt das Zeughaus Passau (http://www.zeughaus-passau.de), wo ich die Metal Konzerte organisiere. Wir hatten da in jüngster Zeit monatlich ein Konzert. Momentan mache ich eine kleine Pause, um selbst mal wieder ein Stückchen voran zu kommen. Und so viele interessanten Anfragen waren auch nicht da. Aber ab nächstes Jahr März geht es wieder los. Wenn sich Bands melden wollen: einfach über die Homepage.
Was steht bei Exotoxin in nächster Zeit an?
Ich hatte in letzter Zeit ein paar Angebote, die ich leider ablehnen musste, damit ich an neuen Songs arbeiten konnte. Im April bin ich zwei Tage mit Pungent Stench unterwegs und bis dahin soll das neue Material fertig sein. Im Sommer ist eine kleine Tour geplant, wo aber noch nichts spruchreif ist. Ich kümmere mich gerade darum.
Prima. Was willst du noch loswerden?
Be like water!

Sprach’s, enterte die Bühne und legte los. Das Konzert war wirklich ein Erlebnis. Mr. Exotoxin bestach mit herausragenden Fähigkeiten an der Gitarre und einer guten gesanglichen Performance. Und ich fand die im Interview angesprochenen Vergleiche mit Herrn Schuldiner (R.I.P.) auf einmal gar nicht so weit hergeholt. Die Art und Weise, wie sich Reinhold auf der Bühne gibt, seine Gitarre hält, ins Mikro schreit und dabei scheinbar beiläufig ausgefeilte und äußerst niveauvolle Riffs ins Publikum schmettert, erinnert schon ein wenig an den leider viel zu früh verstorbenen König des Death Metal. Ich kann jedem von Euch diese „Band“ nur wärmstens empfehlen. CD Review von „Dance of the elements“ demnächst hier.

geführt am 05.12.2004   von Christian
(NEU!!!!)Über den Artikel diskutieren:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:

musikalischer Background des Verfassers
Maiden, Epic Viking Metal, Doom Metal, True Metal, Heavy Metal, Power Metal, Old School US Metal, 80ies Thrash
X   Aktuelle Top6
1. Darkest Era "The Last Caress Of Light"
2. Doomsword "The Eternal Battle"
3. Volbeat "Beyond Hell / Above Heaven"
4. While Heaven Wept "Fear Of Infinity"
5. Alestorm "Back Through Time"
6. Mael Mordha "Manannán"
X   Alltime-Klassix Top6
1. Manowar "Into glory ride"
2. Doomsword "Let battle commence"
3. Slayer "Reign in blood"
4. Iron Maiden "7th Son Of A 7th Son"
5. Black Sabbath "Mob Rules"
6. Volbeat "Guitar Gangsters & Cadillac Blood"

[ Seit dem 05.12.04 wurde der Artikel 5166 mal gelesen ]
 
Die neuesten Reviews:
Neue Webseite endlich online
Turbobier Das neue Festament
Foreign Diplomats Princess Flash
Deaf Havana All These Countless Nights
Chrome Molly Hoodoo Voodoo
Sunterra Reborn -EP
Dethrashion Assault Bombardment
Tschaika 21/16 Tante Crystal uff Crack am Reck
The Shiver The Darkest Hour
Yiek The Drive
Die neuesten Interviews:
J.B.O. - 03.01.2017
Running Wild - 05.10.2016
Lacrimas Profundere - 01.10.2016
Vicious Rumors - 08.07.2016
My Jerusalem - 28.06.2016
Die neuesten Artikel:
PURE STEEL RECORDS und KARTHAGO RECORDS haben fusioniert! - 03.01.2011
PURE STEEL RECORDS und KARTHAGO RECORDS haben fusioniert! - 03.01.2011
Metalforum Osthessen e.V. sucht Bands für Konzerte - 26.10.2010
Verlosung - 26.10.2010
KONZERTERLEBNISSE - 12.08.2010
Peter Steele - ein Rückblick auf sein musikalisches Vermächtnis - 21.04.2010
Die neuesten Live-Berichte:
Caliban, Suicide Silence, Any Given Day, To the Rats and Wolves - 22.12.2016
LIEDFETT, kAPEllE PEtra, elfmorgen - 2016 - 20.12.2016
Ruhrpott Metal Meeting 2016 - 15.12.2016
Die neuesten Live-Vorberichte:
Vorbericht: Svbway to Sally - Ekustik-Projekt NEON 2017 - 11.01.2017
Vorbericht: Night Of The Progfestival 2017 - 09.01.2017
Vorbericht: FAUN – MIDGART - Tour 2017 - 09.01.2017
Die neuesten Galerien:
Open Air Festival M´era Luna vom 10. bis 11.08.2013 in Hildesheim - 14.08.2013
With Full Force 2013 - 28.07.2013
Darkmoon-Festival 2013 - 24.07.2013
Die neuesten Links:
Second Roses Online Shop Frankfurt
Morgzine - An Independent Brutal Death/grind Fanzi
Deadwebzine - Extreme Metal Guide And Metal Web Pr
All Metal Lyrics
All Metal Videos

© 2018 Metalglory.de - Alle Rechte vorbehalten   |   Datenschutz   |   Kontakt   |   Impressum