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Helangår "Anderssein Ist Ein Kostbarer Schatz"
Ein monumentales und zutiefst faszinierendes Album wie "Schlafes Bruder" schreit regelrecht danach, die Band und die Hintergründe dieses Werkes genauer zu durchleuchten. Florian Fuss, zuständig für Bass und Grim Vocals, stand meinen nicht wenigen Fragen Rede und Antwort....
Weitere Infos zu Helangår:
REVIEWS:
Helangår Schlafes Bruder
Helangår [kwin´tes Sens]
INTERVIEWS:
Helangår - Anderssein Ist Ein Kostbarer Schatz
Helangår - Ausbrüche Aus Dem Hamsterrad Der Zeit

Hallo Florian! Wie geht's ? Ein ganz großes Kompliment für Euer neues Werk...
Servus Lex, vielen Dank auch für die großartige Besprechung. Ich bin zwar gerade etwas im Stress, weil an der Uni bald die Klausurenphase beginnt, aber ansonsten geht’s recht gut! So ein Interview ist da mal ne nette Abwechslung beim Lernen.

Wie waren bislang die Reaktionen auf das Album?
Sehr gut! Sie haben unsere Erwartungen und die schon sehr guten Besprechungen des Vorgängeralbums weit übertroffen.

Wann und wie ist die Idee zu „Schlafes Bruder“ entstanden?
Die Idee entstand natürlich recht frühzeitig beim Komponieren der ersten paar Songs, wobei zwei Stücke schon komplett fertig waren und diese dann nochmals geändert wurden.
Für die Geschichte haben wir uns entschieden, weil sie uns alle sehr fasziniert und bewegt hat und weil es mehr als bloß ein Buch über einen verkannten Musiker im 18. Jahrhundert ist. Es regt viel mehr zum Nachdenken über die unterschiedlichsten Lebensbereiche, gerade auch in der heutigen Zeit an:
Wir haben alle eine hervorragende musikalische Ausbildung an der Musikschule schon seit frühster Kindheit bekommen. Unsere Eltern, die Schule und unser Umfeld haben uns immer in dem, was wir gemacht haben unterstützt und haben uns geholfen unsere Talente zu entwickeln, wofür wir natürlich auch sehr dankbar sind. Aber es gibt eben nicht nur im Jahr 1803, sondern auch noch heute genügend Jugendliche, die ihren Eltern am Arsch vorbeigehen und die von der Gesellschaft keine Chance kriegen, obwohl sie auch Talente hätten, die sie gerne entwickeln würden. Diesen Jugendlichen wollen wir mit unserer Musik Mut machen.
Johannes Elias Alder wird trotz all dieser widrigen Umstände Musiker und sein Scheitern ist nicht auf die Musik, sondern sein liebloses Elternhaus zurückzuführen. Und auch das ist aktueller denn je, denn wie viel Jugendliche verwahrlosen heutzutage, fühlen sich von ihren Eltern nicht geliebt, wissen nicht, wie sie ihren Platz in der Welt finden sollen und sind unfähig mit anderen Menschen soziale Kontakte aufzubauen. Diese gesellschaftliche Schande wollen wir thematisieren und für Verständnis werben für alle, die anders sind. Denn gerade dieses Anderssein, ist ein kostbarer Schatz, wessen sich unsere Gesellschaft aber immer noch nicht wirklich bewusst ist! Wovon sollen denn Anstöße und Veränderungen ausgehen, wenn nicht von denjenigen, die quer zum Mainstream denken und handeln?

Ihr habt Eueren Fokus auf Johannes Elias Alder gesetzt. Es ist der einzige Name, der in eueren Lyrics auftaucht. Gibt es dafür einen besonderen Grund, das die übrigen, entscheidenden Charaktere des Romans bei Euch nur andeutet, aber nie mit Namen genannt werden?
Er ist einfach die Hauptfigur und Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Es war keine bewusste Entscheidung keine anderen Namen zu nennen. Es hätte aber einfach den Rahmen vollkommen gesprengt, wenn wir noch mehr Figuren eingeführt hätten. Wir wollten das Ganze ja überschaubar lassen!
Das Stück „Am wilden Bach“ erzählt ja das Ende von Elias aus Sicht des Peter um nur ein Beispiel zu nennen. Von dem her sind die restlichen Charaktere ja nicht entfernt worden, sondern stehen einfach etwas hinter dem Protagonisten Elias.

Neben dem Elias steht vor allem seine Gefühlswelt im Vordergrund. Wie schwer ist es für Euch gewesen anhand der Vorlage die Gefühlswelt des JEA zu erschaffen?
Auf Grund der unheimlichen Tiefe der Vorlage war das nicht wirklich schwer. Wenn man sich derart in ein Buch versenken kann, empfindet man ja fast schon die Gefühle, die beschrieben werden selbst. Es war also fast ein reines zu Papier bringen gefühlter Emotion, nicht viel anders, als wenn wir über unsre eigene Gefühlswelt geschrieben hätten.

Beschreibt doch einmal die Reaktionen des Robert Schneider, angefangen bei Euerer ersten Anfrage bis hin zum fertigen Ergebnis?
Er war von Anfang an sehr offen für unser Anliegen. Wir haben ihm etwas über uns und unsere Vorstellungen der Vertonung geschrieben und ihn damit wohl überzeugt, dass wir keinen Unfug mit seinem Werk betreiben werden ;)
Als er das fertige Album dann in Händen hielt, gefiel es ihm offensichtlich auch recht gut, wie man an der Reaktion ja ablesen kann, worüber wir natürlich sehr froh sind.

Hat Robert Schneider denn in irgendeiner Form bei der Ausarbeitung der Texte zur Hilfe gestanden? Gab es denn auf seinen Wunsch hin Korrekturen oder Änderungen?
Nein, er hat uns völlig freie Hand gelassen.

Gab es Stellen im Buch, die ihr gerne vertont hättet, jedoch – aus welchen Gründen auch immer – nicht umsetzten konntet oder wolltet?
Ja, die gab es natürlich, wir wollten ja keine reine Nacherzählung, sondern auch eine eigene Interpretation oder Sichtweise des Ganzen schaffen. Als Beispiel wäre der Orgelwettbewerb zu erwähnen.

Lässt sich Euere Vertonung in irgendeiner Weise mit dem Soundtrack von Hubert von Goisern vergleichen? Wie stark hat der Soundtrack Euere Musik beeinflusst?
Gar nicht. Ich habe bis zum heutigen Tag den Soundtrack lediglich zweimal gehört. Das erste mal direkt nach der Verfilmung im Kino und dann vor gut einem Monat als der Film im Fernsehen gezeigt wurde.

Hubert von Goisern sah sich vor der Aufgabe „göttliche Musik“ komponieren zu müssen, um die Leistung des Elias musikalisch zu unterstreichen. Welchen Anspruch habt Ihr an Euch gehabt?
Sicher nicht den Anspruch „göttliche Musik“ zu komponieren ;) Wir konzentrieren uns mit dem Album ja auf den Menschen nicht so sehr den Musiker Elias. Wir wollten ein Album schaffen, das die Menschen berührt, bewegt und vielleicht auch zum Nachdenken anregt.

Wie lange habt Ihr an den Lyrics gearbeitet. Mich beeindruckt es ja unglaublich, dass die Texte Szenen aus dem Buch so detailgenau beschreiben....
Das war natürlich keine leicht Aufgabe, vor allem weil du mit der deutschen Sprache ja viel mehr Möglichkeiten hast als im Englischen. Wir haben das parallel zum Komponieren der Stücke gemacht. Es gab immer eine erste Ausarbeitung von einem von uns und das war dann die Basis von der aus wir das Ganze noch mal gemeinsam überarbeitet haben.

Bitte kommentiert folgende Zitate (losgelöst vom Album – also rein inhaltlich):
Grundsätzlich finde ich so was kritisch, da man somit dem Hörer die Möglichkeit nimmt, das Stück für sich zu interpretieren, ich werde also bloß ein paar Gedanken dazu andeuten.

„Wer schläft, der liebt nicht!“
Die Idee, der das ganze Buch zu Grunde liegt, von einem Wanderprediger verkündet, lässt sie den Protagonisten nicht mehr los.
Die Idee dahinter beruht auf alten Gleichnissen in denen der Schlaf als Bruder des Todes angesehen wird. Es gibt eine Cantate von Bach (BWV 56), die auch im Buch eine Rolle spielt mit dem Titel, „Komm, oh Tod, du Schlafes Bruder“.

„Du bist kein liebender Gott, du hast den Hass und das Böse gezeugt“
Eine sehr eindrucksvolle Stelle im Buch. Elias betritt bei Mitternacht die Dorfkirche und sagt sich in seiner Verzweiflung von Gott los.

„Im Lieben liegt des Menschen Pflicht“
Ein Ansatz wäre ja z.B. das Liebe etwas ist, dass wir uns nicht aussuchen können, sondern das uns mehr widerfährt, sozusagen eine Pflicht die wir erfüllen müssen ob wir wollen oder nicht.

„Geburt, Tod, dazwischen nur ein schmaler Weg“
Elias kommt tot zur Welt und wird durch das von der Hebamme gesungene „Te deum“ wieder ins Leben geholt. (Bei uns kommt an dieser Stelle das „Dies Irae“ – der Teil der Messe, der erklingt, als der letzte Eschbacher nach dem dritten großen Brand stirbt, und erst bei seinem Tod, das verfremdete „Te deum“)

Warum kann man Eure Musik nur verstehen, wenn man das Buch von Robert Schneider gelesen hat?
Man kann unsere Musik natürlich auch verstehen, wenn man das Buch nicht gelesen hat. Wirklich nahe kommt man ihr aber nur, wenn man das Buch kennt, einfach aus dem Grund, weil man nur dann die ganzen (musikalischen) Anspielungen erkennt.

Wie beschreibt Ihr Euere Musik selbst? Fühlt Ihr Euch in irgendeiner Szene verwurzelt oder besonders verbunden?
Wir beschreiben unsre Musik gar nicht, es ist viel lustiger bei jeder Rezession in einer andren Schublade zu landen ;)
Ich würde es - wie von Anfang an - immer noch als Epic Metal bezeichnen, aber nicht aus musikalischen, sondern inhaltlichen Aspekten. Wir erzählen mit unsrer Musik Geschichten, ob wir das dann im Gewand des Power, Gothic, Viking, Progressive oder was weiß ich was Metal, Alternative oder Rock tun ist eher nebensächlich. Die Musik ordnet sich dem Gesamtkonzept unter. Und da diese bisher sehr vielschichtig waren, war es die Musik auch. Uns ist es wichtig, dass wir den interessierten Hörer losgelöst von Schubladendenken und Klischees emotional bewegen.

Glaubt Ihr, dass durch Euere CD die Hörer vielleicht ermutigt werden, sich das Buch zuzulegen?
Das tut sie definitiv, wie wir aus mehreren Reaktionen wissen. Wir können es jedem auch nur wärmstens empfehlen.

Robert Schneider meinte am Rande der Verfilmung „.Ein Film macht Motive des gleichnamigen Romans“. Wie würde er diesen Satz nun bei der Beurteilung Eueres Album weiterführen?
Ich weiß nicht ob man den Satz überhaupt weiterführen kann. Ich denke nicht, dass man den Film und die CD vergleichen kann. Sie haben beide die selbe Vorlage, betrachten sie aber aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

Kann man das Konzept des Albums auf der Bühne umsetzten?
Wenn du das auf unsere Konzerte beziehst, so versuchen wir da einfach den Spaß den wir auf der Bühne haben an das Publikum weiterzugeben. Allerdings hab ich mir auch schon überlegt das Ganze als moderne Theaterinszenierung zu zelebrieren. Das scheitert jedoch einfach daran, dass ich es immer noch nicht geschafft hab, die Stunden eines Tages zu verdoppeln ;).




Habt Ihr nicht auch ein wenig Angst, dass durch die sehr komplexe Musik und den harten inhaltlichen Stoff, den ihr verarbeitet, potentielle Hörer abgeschreckt werden?
Eigentlich nicht! Sicher schreckt es auf der einen Seite manche ab, aber im gleiche Zug werden dadurch ja andere gerade erst angezogen.

Was soll Euer Cover ausdrücken? Welche Stelle stellt es dar?
Das Ganze ist ein surreales Bild (Öl auf Leinwand, 3x1 Meter), dass unser zweiter Gitarrist, der gerade für unbestimmte Zeit ne Auszeit in Afrika nimmt gemalt hat. Es beinhaltet die unterschiedlichsten Fragmente der Geschichte und fügt sie zu einem neuen Bild zusammen. Das Cover selber ist ja bloß ein Drittel des ganzen Motivs, mit dem wir einen gewissen Aha-Effekt beim Öffnen der CD erzeugen wollten. Das etwas kitschig anmutende Bild wirkt dann plötzlich völlig anders. So wie die Rahmenhandlung der Geschichte auf den ersten Blick auch, wenn man sich jedoch näher damit auseinander setzt und hinter den Vorhang blickt...

Wie entgegnet Ihr der Kritik an Lisas Gesang?
Das bin ich nun schon öfters gefragt worden und immer von Leuten, die keine Kritik am Gesang üben, sondern ihn loben. Ich kann also nicht wirklich damit umgehen, weil es eigentlich so gut wie keine gibt ;)
Natürlich ist eine Stimme, wie Musik im Allgemeinen, Geschmackssache, solange aber keine konkretere Kritik vorliegt, sondern sie eigentlich nur gelobt wird, kann ich auch nicht mehr dazu sagen.

Ein kurzer Blick zurück: Wie kam es denn zur Kehrtwende von Wikingerthemen zu deutscher Literatur-Vertonung?
Es war von Anfang an klar, dass wir nicht noch ein Wikinger Album machen. Die Ragnaroek-Saga ist vertont, das Thema haben wir somit für uns abgehakt. Uns reizt das Neue und wir hatten die unterschiedlichsten Ideen, letztendlich gefiel uns die des Buches aber einfach am Besten.

Schon Pläne / Konzepte für das nächste Album?
Dazu ist es noch zu früh. Ein stressiges Jahr steht vor uns. Abitur, Staatsexamen und diverse andere Verpflichtungen, die die Liveaktivität entsprechend einschränken, deshalb wollen wir die verbleibende Zeit nutzen und auftreten so oft es geht. Bei Interesse einfach ne kurze Mail schicken ;).
Gerade aber weil wir das nicht die ganze Zeit können, setzt sich natürlich jeder schon für sich mit neuen Ideen auseinander, die werden wir sicherlich, wenn sie ausgereifter sind, auch zusammentragen. Da wir aber eh erst gegen Ende des Jahres wieder aktiv ins Songwriting einsteigen werden hat das noch etwas Zeit.

Welchen Wunsch würdet Ihr Euch als Band gerne erfüllen?
Unser Wunsch ist es möglichst viele Menschen mit unsrer Musik glücklich zu machen, und daran arbeiten wir hart ;)

Florian, ich danke Dir für die Antworten und freue mich, Euch bald wieder auf der Bühne zu sehen.
Vielen Dank für das Interview, hat Spaß gemacht!








geführt am 26.01.2006   von Nameless
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