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Dark Fortress "Was Ist Schon Normal?"
"Seance" beweist, dass "Stab Wounds" kein Glückstreffer war: Dark Fortress begeistern erneut durch emotionalen, aufwühlenden und genialen Black Metal, der in Sachen transzendenter und okkulter Aura ohne Zweifel zum Intensivsten gehört, was der deutsche Black Metal in den letzten Jahren hervor gebracht hat. Gitarrist V Santura widmete sich ausführlich unseren Fragen.
Weitere Infos zu Dark Fortress:
REVIEWS:
Dark Fortress Seance
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INTERVIEWS:
Dark Fortress - Der Deutsche Underground Brennt!
Dark Fortress - Was Ist Schon Normal?

Erstmal Glückwunsch zu „Seance“ – das Werk ist einfach großartig geworden! Wie geht man nach einem solchen Erfolg wie „Stab Wounds“ an die Arbeiten an neue Stücke heran?

Zwischen den Songwritingphasen zu einem neuen Album vergehen bei uns immer einige Monate, da wir ein Album normalerweise komplett abschließen und auch keine Songs „auf Halde“ schreiben. Das Songwriting zu „Stab Wounds“ war irgendwann im Herbst 2003 abgeschlossen, dann kam erst mal die Studiophase usw. und erst etwa ein dreiviertel Jahr später, also irgendwann im Sommer 2004, haben die ersten Songideen für „Séance“ konkrete Formen angenommen. Somit ist es normal, dass unsere Alben nicht gleich klingen, da sie immer in verschiedenen Phasen entstehen. Unsere Musik ist sehr emotional und hängt natürlich auch immer von der momentanen Stimmung des oder der Songwriter(s) ab. Normalerweise gehen wir so vor, dass wir erst mal unsere Köpfe freibekommen müssen und gute Ideen heranreifen müssen, dann entstehen die ersten zwei oder drei Songs, und man bekommt ein Gefühl dafür, wie sich das Album entwickeln wird. Wir achten sehr auf das Gesamtwerk und gehen schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt vor unserem geistigen Ohr mögliche Positionen auf dem Album für die einzelnen Songs durch.
Als wir mit der Musik zu „Séance“ angefangen haben, stand das textliche Konzept schon weitestgehend und auch einige Texte waren bereits komplett geschrieben.
Die Texte waren teilweise eine maßgebliche Inspiration für die Musik. Jeder Text vermittelt ein bestimmtes Gefühl oder Flair, das wir in der Musik wiedergeben möchten.


Abermals fasziniert „Seance“ mit viel genrefremden Einflüssen. Elektronische Elemente, Loops, Samples. Woher bezieht ihr Inspiration für diese stilfremden Elemente?


Niemand von uns ist ausschließlich auf einen Musikstil fixiert und die meisten Mitglieder in der Band haben mittlerweile einen relativ breit gefächerten Musikgeschmack. Unser Konsens ist es aber, düsteren und emotional extremen Black Metal zu kreieren. Genrefremde Elemente nehmen wir ganz bestimmt nicht zum Selbstzweck her, sondern wir machen musikalisch einfach das, was das Album unserer Meinung nach noch intensiver gestaltet. Unsere Musik basiert nicht auf komischen oder abgefahrenen, unkonventionellen Elementen, sie dienen lediglich als Gewürz. Samples gibt es übrigens nur in einem einzigen Song an einer ganz kurzen Stelle (bei „To Harvest...“), alle anderen ungewöhnlichen Stimmen oder Choräle, Unter- und Obertongesänge sind selbstgemacht. Auch viele der vermeintlich elektronischen Spielereien sind echte Instrumente, teilweise von einem Freund von uns entworfen.


Wie fügt ihr sie homogen in den Sound ein?

In dem wir eben nie etwas zum Selbstzweck machen, sondern nur, wenn wir damit ein bestimmtes Ziel verfolgen. Bei „Insomnia“ z.B. war im 2. Drittel des Songs ein ruhiger Part mit einem Basssolo geplant. Letztendlich hatte unser Drummer die Idee einen Mitstudenten, der Kontrabass studiert, zu fragen, ob er das Solo einspielen möchte, einfach deshalb da der Sound dieses Instruments noch viel besser zu der Stelle passte. Es ist natürlich ungewöhnlich in einem relativ straighten Black Metal Song ein jazziges Kontrabass Solo zu verwenden, aber es passt perfekt zur Atmosphäre und bereichert den Song, obwohl der Song auch mit einem „normalem“ Basssolo funktionieren würde.

Nach wie vor zweifellos Black Metal, geht „Seance“ jedoch weit über die üblichen konventionellen Black Metal-Maßstäbe hinaus. War das euer selbsterklärtes Ziel?


Ich denke, es war einfach eine natürliche Entwicklung. „Stab Wounds“ war noch in einem wesentlich engeren Rahmen. Wenn wir versucht hätten „Stab Wounds 2“ zu machen, hätten wir sicherlich nicht mehr dasselbe intensive Feeling erschaffen, da wir uns einfach wiederholt hätten. Mittlerweile wagen wir es einfach auch Elemente zu verwenden, die wir uns früher vielleicht gar nicht getraut hätten zu benutzen. Der Punkt ist, dass man auf seine Gefühle hören sollte, und man sich nicht von irgendwelchen Szenekonventionen einschränken lassen sollte, denn dadurch kann man eigenständige, originelle Musik erschaffen, ohne deshalb seine Wurzeln verleugnen zu müssen.


Wie muss Black Metal klingen, wenn er nicht von euch gemacht wird?


Kühl und dunkel. Die Musik muss eine intensive Atmosphäre kreieren.


Worin seht ihr eure größten Einflüsse? Man könnte meinen, dass Bands wie Satyricon und Gorgoroth dabei nicht ganz unwichtig waren.


Es gibt keine bewussten Einflüsse, natürlich hat insbesondere Musik, auf die man selbst abfährt, immer einen unbewussten Einfluss, und das sind (oder waren) bei mir im Black Metal hauptsächlich Bands wie Satyricon, Thorns oder Emperor.


Schon mit der Katatonia-Coverversion auf der LP eures letzten Albums habt ihr bewiesen, alles andere als eine normale Black Metal-Band zu sein. Inwiefern fühlt ihr euch der Szene zugehörig?

Wir machen halt unser eigenes Ding und haben ansonsten mit einigen anderen Bands Kontakt. Im Prinzip kocht ja sowieso fast jeder sein eigenes Süppchen, ist ja auch in Ordnung. Wir fühlen uns mit ein paar anderen Bands sehr verbunden, aber sobald man sich einer Szene unterwirft und sich ihren „Gesetzen“ beugen muss, verliert man seine Identität. Die BM Szene propagiert großenteils Individualismus, geistig Freiheit, bla bla bla. Dennoch gibt es wie in jeder Szene ein paar Ikonen, denen der Rest folgt. Einerseits auf die Herdenmenschen schimpfen und sich dann seiner eigenen Herde unterwerfen… ja, man kommt als Mensch halt doch nicht aus seiner Haut raus...
Wir sind sicherlich keine „normale Black Metal Band“, aber wer kann schon sagen, was normal ist?


Was ist das Kernthema auf „Seance“?
Gibt es eine Art konzeptionellen Faden, der sich durch die Stücke schlängelt?


Séance ist im Prinzip ein Konzeptalbum, da sich sämtliche Texte (und somit auch die Musik) um einen Themenkreis drehen: Es geht um das Paranormale, um das Dunkle und Verborgene.
Jeder Text ist aus der Ich-Perspektive eines bestimmten Geistwesens, einer verstorbenen Person, deren Seele keine Ruhe findet, geschrieben, die ihre Erfahrungen, Gedanken, Gefühle oder Taten schildert. Azathoth wurde bei seinen Texten dabei maßgeblich von eigenen spirituellen Erfahrungen inspiriert, und er verarbeitet Gefühle und Vorstellungen von der anderen Seite.


Müsstest du die lyrische Essenz des neuen Werkes auf ein Wort beschränken – welches wäre das?

Das Album hat nicht umsonst einen Ein-Wort-Titel, der alles perfekt zusammenfasst.

„Seance“ hat einen sehr okkulten Touch. Inwiefern interessiert ihr euch für okkulte Dinge oder Schriften?


Das ist bei jedem sehr individuell und kann nicht pauschal beantwortet werden. „Séance“ hat definitiv einen sehr okkulten Touch, schon aufgrund der Lyrics. Aber wie gesagt, es geht in den Lyrics zu einem großen Teil um individuelle Erfahrungen, unabhängig von irgendwelchen Schriften, und nicht jeder ist sensibel für die „andere“ Seite und diese Gabe kann ein großer Fluch sein.


Wie kam es zu dem (glücklichen) Wechsel von Black Attakk zu Century Media? Ist ja ein ganz schön großer Sprung…

Wir waren aus diversen Gründen nicht zufrieden bei Black Attakk, weshalb wir versucht haben aus dem Vertrag mit ihnen rauszukommen. Wir haben uns daraufhin nach einem neuen Label umgesehen, und sind letztendlich über Philipp von Imperium Records (hat „Stab Wounds“ als Doppel-LP veröffentlicht), der hauptberuflich für Century Media arbeitet, mit den Dortmundern in Kontakt gekommen. Außerdem haben einige Leute, deren Wort in der Szene Gewicht hat, gute Worte bei CM für uns eingelegt, weshalb wir bzw. Philipp die Chefetage von CM schließlich breitschlagen konnte, uns die (hoffentlich verdiente) Chance zu gewähren.

Wieder einmal begeistert das großartige Artwork – ist Travis Smith jetzt euer Stammzeichner?

Wir sind auch begeistert und es könnte gut sein, dass er unser Stammzeichner werden wird, da er einfach auch die Stimmungen der Musik und der Texte großartig einfangen kann und somit das Album zu einem Gesamtkunstwerk macht.

Was steht als nächstes bei Dark Fortress an?

Mal sehen, eigentlich steht für April eine zweiwöchige Tour mit Lord Belial an, aber solange die Dates noch nicht alle gebucht sind, ist leider noch nichts spruchreif.

geführt am 22.02.2006   von Björn Springorum
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musikalischer Background des Verfassers
Ganz klar aus dem frostig-kalten Black Metal kommend, jedoch ist eine starke Tendenz zu elektronischen Klängen harscher Natur und folkigen Klängen überaus sanfter Natur zu erkennen...fügt man nun noch eine Prise Yann Tiersen dazu...voila!
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[ Seit dem 22.02.06 wurde der Artikel 6649 mal gelesen ]
 
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