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Scapegoat "Die Besseren Megadeth?!"
In den 80ern mischte Tosse schon mit der Band POISON ASP in der deutschen Metal-Szene mit. Nach einer längeren Pause kehrt er nun mit seiner neuen Formation SCAPEGOAT besser als je zuvor zurück.
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Scapegoat - Die Besseren Megadeth?!

Ihr habt für eine Underground Band eine sehr lange und bewegte Geschichte, an die Jünglinge wie Dimmu Borgir gar nicht mal denken können. Wann habt Ihr angefangen und wieso?
Unsere ersten Bands hatten wir so um ’82/’83 da war ich 16 Jahre alt. Als wir das erste mal diese Sounds hörten, spürten, was diese Musik in uns auslöst, für was die Musiker einstanden und wie sie auftraten und lebten, waren wir so um die zehn Jahre alt ungefähr. Wir wollten raus, raus aus dem normalen, gutbürgerlichen, biederen und oft verlogenen, scheinheiligen, mit Doppelmoral verkleisterten Leben, wie wir es vorgeschrieben und vorgelebt bekamen. Die Musik kam genau richtig, sie gab uns die Möglichkeit, Wut, Schmerz und Hass auszudrücken, die dieses Leben in uns verursachte und lieferte gleichzeitig die ersehnte Fahrkarte mit, um dort herauszukommen.
 
Ihr seid zusammen mit Bands des Kalibers DESTRUCTION, SODOM, RAGE, DEATHROW, also der Spitze der deutschen METAL Szene, aufgetreten. Was waren die Gründe, daß Ihr es nicht „geschafft“ habt?
Grundsätzlich würde ich rückblickend sagen:“ Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort“. Ich meine, man darf nicht vergessen, wir kommen aus einem beschaulichen Städtchen, da gibt es diese geballte Szene nicht wie z.B. in Hamburg, Hannover oder so, mit ortsansässigen Plattenfirmen, Managern, Clubs, Pressemagazinen und, und, und... wo fast jeder, der mit Metal oder überhaupt Musik ‘was zu tun hat, mit dem einen oder anderen schon mal ein-zwei Bier zusammen gezischt hat. Und wie man weiß, ist Vitamin B das beste Mittel, um voran zu kommen. Zudem kommt, daß wir nicht nur nicht an die richtigen Leute herankamen, sondern auch noch die falschen kennenlernten und zwei Plattenfirmen während unserer Laufbahn schon in Konkurs gingen, bevor unsere Scheiben überhaupt auf den Markt kamen. Und wir selbst waren damals diesbezüglich sehr unerfahren und unfähig. Wir saßen 4-5 mal die Woche im Proberaum, hörten auf zu arbeiten, schrieben unsere Songs, tranken Bier, machten Konzerte, gaben einfach alles und haben uns ums Business einen Scheiß gekümmert. Gut, wir haben uns heute nichts vorzuwerfen, aber wir waren sehr naiv, wir dachten, wenn die Leute unsere Message verstehen, auf unsere Musik abfahren und wir gut sind wird schon einer kommen und uns „entdecken...“
 
Wie würdet Ihr Euere Musik selbst beschreiben und wo liegen Eure Einflüsse? Ich erkenne da eine Menge MEGADETH Parallelen und denke, daß JEDER Fan dieser Band Euern Silberling haben muss!
Ja, ja, natürlich und das schmeichelt uns zugegebenermaßen, obwohl es aber eher mich persönlich betrifft, als die gesamte Band und unseren Sound, der dann bei näherem hinsehen doch zu SCAPEGOAT- charakteristisch ist und zuviel andere Einflüsse in sich vereint, um nur als Kopie von MEGADETH durchzugehen. Ich bin Sänger und Gitarist, man könnte auch zu James Hetfield parallelen ziehen..., aber halt, nein, der Vergleich mit Dave Mustaine passt da einfach besser, er hat immer sehr ausgetüftelte, komplexe Riffs gespielt und darüber gesungen! Er stand seinen Leadgitaristen beim abfiedeln in nichts nach, zudem kam noch seine verbissene Art aus frühen Tagen, die ihn beim Singen manchmal die Zähne knirschen ließ. Er war eben immer eher der Underdog. Es gibt in den ’80ern keinen vergleichbaren Musiker, der diesen Job ebenso gemacht hat wie Dave. Für den Vergleich mit mir ist deshalb auch nur schwerlich ein anderer zu finden, weil meine musikalischen Qualitäten sehr ähnlich gelagert sind und somit die Parallelen zu MEGADETH sehr nahe liegen. Natürlich schwingt in unserer Musik, zwar nicht immer direkt hörbar, aber irgendwie vorhanden, auch viel des ’80er Jahre Metals mit, insbesondere durch die Beeinflussung von Bands wie Iron Maiden, Motörhead, Slayer, AC/DC, Priest usw. und auch ein bisschen von den ’70ern, ich denke da z.B. an Led Zepplin & Konsorten.
 
Eine platte Frage: Der Sound auf Eurer CD ist vom feinsten! Wo habt Ihr aufgenommen?
Wir waren im Commusication-Studio beim Szeneproduzenten Gerhard“Gerassi“ Magin, wir kennen ihn schon seit Gründung seines Studios vor 10 Jahren, als wir Aufnahmen damals noch für POISON ASP machten. Er nimmt Bands u.a. von Nuclear Blast und Massacre Records auf, darunter auch CREMATORY, THEATRE of TRADGEDY, MYSTIC CIRCLE usw. Er macht einfach eine gute Arbeit und hat eine deutliche Handschrift, insbesondere beim Schlagzeugsound, die mir besonders gut gefällt.
 
Mir gefällt „Until You Turn To Dust“ besser als fast alles, was die deutsche Szene (die ganz Grossen mitgerechnet!) in den letzten 5 Jahren verzapft hat. Wie reagierten Labels und Magazine auf Eure Scheibe?
Oh, yeahh...vielen Dank für die Blumen! Was Labels und Management anbelangt sagen sie zwar meistens, es sei wohl richtig gutes Material und so, aber...und dann kommt heraus, daß ihnen der Stoff zu heiß ist, weil sie nicht genau wüßten wie da die Zielgruppe aussähe usw., wie man das Zeug marktechnisch am besten verkaufen könnte usw. Da gehen die lieber auf Nummer Sicher. Das Problem ist, glaube ich ,daß man uns nicht einfach in irgendeine Schublade stecken kann. Es ist nicht rein progressiv oder einfach nur „dirty“ und dazu noch mit Widerhaken und Fußangeln versehen, nicht ganz leicht zu verdauen eben, aber das hat uns wenigstens ein bisschen Aufmerksamkeit und gute Kritiken bei den Magazinen beschert.
 
Wie sind die Reaktionen der Fans und was waren die einprägsamsten Erlebnisse auf Euren Gigs?
Wir haben schon jahrelang ein paar treue Fans, die ganz speziell an unserem Stil einen Narren gefressen haben, aber seit Daniel (unser Bassist) und ich uns mehr um die Promo kümmern, werden es stündlich mehr. Zu Erlebnissen und Gigs könnte ich dir einige Anekdoten erzählen, aber vielleicht das zum besten, wir spielten, ich glaub’ es war im Sommer ’96 , auf dem Dark and Death Metal Festival in Erfurt, unter anderen mit GOREFEST und DESTRUCTION. Das fing mittags schon an und es war mächtig was los da und irgendwann haben wohl so ziemlich alle gecheckt, daß ich der einzige Sänger war von 10 Bands, der „richtig“ gesungen hat. Ich meine, wir kamen sehr gut an und wurden gefeiert und das machte das ganze erst richtig zur Gaudi als sich dann irgendwann einer den Spaß machte und „...der singt die Sau!!“ lauthals herumgrunzte, sich dann einige einstimmten und uns als vermeintliche „Verräter“ entlarvten. Da ging die Party erst richtig los und wir hatten noch einen Heidenspaß zusammen in jener Nacht.
 
Die Zeit prägt sowohl die Menschen, als auch die Musik. Welche Änderungen kennzeichnen Dich und Deine Musik?
Wir sind irgendwie gelassener geworden, uns kann nicht irgendwer einen Bockmist erzählen, wir haben unser Lehrgeld bezahlt und können auf unsere Erfahrungen zurückgreifen. Musikalisch hat sich das kaum ausgewirkt, nur das Gefühl niemandem unbedingt gefallen zu müssen hat sich noch mehr bestätigt. Manchmal denken wir darüber nach, was wohl passiert wäre, wenn wir das Wissen von heute schon vor 15 Jahren gehabt hätten.
 
Ich denke, daß auch Du mit einer Träne im Auge auf die „alten“ Zeiten zurück blickst. Wie kommst Du mit der heutigen METAL Szene klar. Ist wirklich alles schlechter, oder kannst Du der heutigen Zeit auch positive Aspekte abgewinnen?
Mir ist aufgefallen, daß sich besonders im Death, Black und Gothikmetalbereich u.a. viel getan hat. Diese Gruppen haben sich einen ernstzunehmenden Platz in der Musikwelt geschaffen, früher waren sie eher noch eine Randerscheinung. Da gibt es auch einige Bands die mir gut gefallen.
 
Wie sieht die Metal-Szene in Eure Region aus, gibt es andere erwähnenswerte Bands und wie haltet Ihr zusammen ?
Wir haben hier die Metalbands in unserem Alter AXON und PALLACE, mit denen wir vor Jahren noch zusammen was machten, aber das hat sich verlaufen, da wurschtelt jeder nur noch so vor sich hin. Mit den etwas jüngeren NEUTRONIC haben wir kürzlich gespielt und es war mal wieder richtig gut. Die waren für die Nachwuchsband CRAWLING DEATH, die ich sehr schätze und die leider wegen Krankheit ausgefallen war, eingesprungen. Ich möchte vor allem versuchen, soweit wie wir können, die Jüngeren zu unterstützen und mitzuziehen.
 
Was fällt Euch in ein paar Worten zu diesen Begriffen ein? (das ist unsere Standardfrage)
SLAYER: Götter, außer Konkurrenz, einfach geil! METALLICA: Respekt! Aber für mich bis auf ein paar wenige Songs nur bis zur zweiten LP „Ride the Lightnig“ interessant BIER: Ist Kult! Keine Probe ohne! FRAUEN: Nur wohl dosiert! Gleichberechtigung, ja, Emanzipation auch, aber bitte nicht wider der Natur, jeder sollte wissen wo er hingehört (gilt übrigens auch für Männer) METALSTORM (nun METALGLORY): Geile Sache!
 
Was hältst Du vom Internet (und Interviews fürs Internet)? Wie wird dieses Medium für das Leben eines Durchschnittbürgers werden? Bleibt das Persönliche auf der Strecke?
Das Internet ist eine feine Sache und absolut Zeitgemäß eben. Es wird in der Zukunft nicht mehr wegzudenken sein. Ansonsten ist es jedermanns persönliche Sache wie er damit umgeht, wie viel Raum das in seinem Leben einnimmt. Nicht anders wie bei Alkohol, Sex oder sonst irgendetwas, alles eine Frage der Dosierung, in angemessenen Mengen anregend oder berauschend, überdosiert bringt es den Exitus.
 
Wie sehen Eure Zukunftspläne aus?
Wir sind schon wieder dabei die neuen Songs für den nächsten Silberling zu schreiben und haben bei „Gerrassi“ Magin schon einen Studiotermin im April 2001 gebucht. CRAWLING DEATH werden auch dort im Januar 2001 ihren zweiten Silberling einspielen und in der zweiten Hälfte des Jahres 2001 werden wir zusammen eine regionale Clubtour mit ca. 15 Terminen starten.
 
Das war es auch schon... Du kannst noch ein wenig Werbung machen, oder etwas philosophisches als Abschluss sagen (das hat dem Interview noch gefehlt).
O.K. ich sage nur, folgt dem Weg eures Herzens, egal was um euch geschieht und was man euch reindrücken will, dann werdet ihr später nichts zu bereuen haben.
 
geführt am 25.11.2000   von Tomektor
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