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Bodai "Gegen Grenzen Und Fanatismus: 23.09.2006 Live In Fulda"
Heute Abend geht es wirklich Schlag auf Schlag. Stefan von ARMISTICE ist noch nicht halb zur Türe raus, da steht mir schon Eini von BODAI gegenüber. Bisher kennen wir uns nur vom Telefon. Ein kurzes Shake-Hands, schnell noch die Cassette gewechselt und frische Getränke geholt, dann kann's weitergehen...
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Bodai
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Bodai - Gegen Grenzen Und Fanatismus: 23.09.2006 Live In Fulda

Stelle den Lesern eure Band doch bitte mal vor.

Ja, BODAI gibt es seit zwei Jahren. Die Gründung erfolgte im Herbst 2004 in Wien. Unser Motto ist "Volle Kraft voraus", d.h. wir versuchen zeit- und gesellschaftskritische Texte auf Deutsch mit der Metalmusik so zu verpacken, daß sie vom Stil unserem Motto gerecht werden. BODAI richtet sich radikal gegen jede Form von politischem und religiösem Fanatismus, d.h. BODAI befindet sich in einem verbalen Kriegszustand im Kampf gegen Imperialismus. Alles was wir tun hat den Beigeschmack, daß wir den Glauben immer noch nicht verloren haben, wir könnten die Welt verbessern. Dazu wählen wir den Weg, daß wir die Leute plakativ vor den Kopf stoßen.

Ihr habt seit kurzem eine CD draußen, was kannst du uns darüber erzählen?

Unsere CD ist im Juli erschienen. Die Resonanzen sind relativ unterschiedlich, wobei ich sagen muß, daß die meisten den Sinn verstanden haben. Wir haben den Schwerpunkt der CD auf die Lieder gelegt, die Rockelemente haben. Die Lieder, die wir nachher spielen sind wesentlich thrashiger, weisen also nicht diese Hardrockeinflüsse auf. Wir wollten bei der CD versuchen, daß wir als BODAI mit dem verbalen Hintergrund den Leuten im Wohnzimmer näherkommen. Das ist eine ganz andere Begegnung, als wenn uns die Leute auf der Bühne sehen. Daher haben wir die eher ruhigeren Lieder auf die CD gebracht, weil wir denken, daß das die Leute eher anspricht, die Musik zu Hause zu hören, als wenn wir diese Knüppelwand hinstellen, die wir live bringen.

Kannst du den Lesern mal das Konzept erklären, das hinter BODAI steckt?

Das Konzept habe ich vor drei Jahren begonnen auszuarbeiten. Ich habe ewig lange gebraucht, bis das Logo gepaßt hat, diese Einheit, also diese rote Faust in der Mitte. Das ist eine linke Faust, die soll den Linksschlag symbolisieren, die gleichzeitig das Hakenkreuz auf der rechten Seite und auf der linken Seite Hammer und Sichel zerschlägt. Diese Vorgabe wurde dann nach und nach in den Texten ausgearbeitet. Das war schwierig, denn wir wollten nicht stumpf werden und einfach sagen "Wir machen jetzt was gegen die Kommunisten oder gegen die Nazis". Nazis definieren wir als Menschen, die mit dem Dritten Rech zu tun hatten, also nicht diese Neo-Faschisten, die es heute gibt. Das wäre zu stumpf für unser BODAI-Konzept, denn wir umschreiben die Dinge. Wenn wir etwas gegen Rechtsradikale sagen, dann verpacken wir das mit "Braunen Horden" oder "Deutsche Heimaterde", was so zwischen den Zeilen ausdrücken soll, was Sache ist. Auch "Der Staatsfeind" ist nicht irgendwie so pro Terror, es ist mehr der Zweifel an einer Existenz, die sich Demokratie nennt. Das zieht sich durch unser ganzes Konzept, daß wir versuchen, im minimalistischen Stil mit einzelnen Worten unsere Botschaft rüberzubringen. Bei "Blut für die Welt" singe ich "Schreckensherrschaft, Massengrab, Machtmißbrauch, Vergeltungsschlag", damit gebe ich dem Zuhörer die Möglichkeit, das für ihn Passende herauszuhören. Ich schlage den Leuten verbal vor den Kopf, um sie zum Denken zu animieren, was jedem Einzelnen dann selbst überlassen ist. Wir gehen nicht her wie Volksverhetzer und legen den Leuten Parolen in den Mund, wie zum Beispiel BÖHSE ONKELZ. Bei uns muß man denken, und wer nicht denkt, der versteht uns nicht.



Wirken die anderen beim Songwriting mit oder machst du das alleine?

Ich brauche ungefähr zwei Monate, bis ich einen Text soweit fertig habe, daß ich mit wenigen plakativen Worten all das ausdrücken kann, was ich sagen will, ohne gleich einen ganzen Roman herunter zu beten wie EISREGEN. Ich versuche, mit wenigen Worten auf den Punkt zu kommen ohne dabei zu vernachlässigen, daß wir für das Gute stehen. Das funktioniert in der heutigen Zeit nur, wenn man plakativ ist. Ich störe mich heute auch ganz gewaltig an den Medien. Wir haben immer wieder Themen in den Liedern, in denen dieser Massenbetrug der Medien erwähnt wird, diese politische Hetze. Wenn du heute den Fernseher einschaltest, dann hörst du nur "Terror, Terror, Terror", und wenn du das selbst einmal hinterfragst, dann stößt du ab und zu auf Freiheitskampf, was für mich kein Terrorismus ist. Das geht mehr in die Richtung bewaffnete Bürgerwehr und ist von Land zu Land verschieden. Aber wir haben auch so Themen wie bei "Blut für die Welt", die wir einfach umschreiben, wir gehen her und sagen "Blut für Öl, Blut für Geld, Blut für Wasser, Blut für die Welt", was ja das Gegenteil dessen ist, was ein Demonstrant sagen würde. Der würde sagen "Kein Blut für Öl". Diese Aussage bezieht sich natürlich auf den Irak-Konflikt, den Völkermord der USA. "Blut für Wasser" ist dieser Israel-Westjordan-Konflikt, während die einen verdursten, bewässern die anderen intensiv ihre Grünanlagen. Es ist natürlich schwierig, sich in deutscher Sprache zu äußern, auch zu der Situation, daß Israel im Krieg ist. Wir versuchen, diese Tabuthemen vorsichtig zu ertasten, ohne dabei die Intelligenz zu vergessen. Auf der einen Seite müssen wir darauf achten, daß unsere Aussagen nicht zu stumpf herüberkommen, daß wir dann evtl. Skinheads auf unseren Konzerten haben, auf der anderen Seite müssen wir aber deutlich machen, daß es nicht okay ist, daß wir eine selbsternannte Weltpolizei haben. Es ist nicht okay, daß die Krone des Bösen generell auf Menschen mit Turban und langen Bärten abgewälzt wird, während die wahren Verbrecher im Weißen Haus sitzen. Diese Themen werden wir immer aufgreifen, weil wir den Zeitgeist erreichen wollen. Etwas passiert auf der Welt, ich kriege das mit, und dann setzt sich etwas in mir in Bewegung. Wir haben viele Freunde, die in anderen Institutionen tätig sind, die eine linke Partei haben, einer Bürgerbewegung angehören, mit denen treffen wir uns dann und reden darüber. In Wien gibt es viele besetzte Häuser, die immer wieder von der Polizei geräumt werden. Wir stellen uns nicht auf die Seite der Hausbesetzer und sagen "Das ist gut, was ihr da macht", sondern wir überlegen uns, was in den Menschen vorgeht, daß sie sich mit dem Gesetz anlegen, obwohl sie wissen, daß der Staat sowieso am längeren Hebel sitzt. Wir lehnen Gewalt komplett ab, die einzige Gewalt, die wir akzeptieren, ist die verbale Gewalt. Wir distanzieren uns von Terroristen, Attentätern und Schlägern, weil man damit Konflikte nur noch schlimmer macht. Es sollte doch möglich sein, die Welt als Eines zu sehen und nicht irgendwelche Grenzen, die Irgendjemand auf die Landkarte gemalt hat. Wir sind von Wien über Bayern hier nach Fulda gefahren und von der Landschaft her habe ich keine Grenzen gesehen. Das ist alles ein Planet, unser Planet, und ich denke, es liegt an uns, wie wir das besser machen wollen, auch wenn alle so tun, als wenn es uns in 100 Jahren nicht mehr geben würde. Jeder macht seinen Kram ohne an später zu denken, seien es die Castor-Transporte, sei es das Abholzen des Regenwaldes. Das habe ich zum ersten Mal als kleiner Bub gehört, bis heute hat sich nichts geändert. Wir nehmen das nicht so hin, wir kritisieren das und schneiden dort hinein, wo es wehtut. Trotzdem lege ich den Leuten nicht die Worte in den Mund, sondern sage "Hey, denk' selber. Ich weise dir nur die Richtung, aber was es bedeutet, mußt du selbst erkennen".

Welche Bands mögt ihr so?

Im Prinzip hören wir eigentlich alles, wir stehen sehr auf Rock'n'Roll Sachen wie MOTÖRHEAD. Was uns immer wieder stark beeinflußt hat sind Bands wie PRO-PAIN. So wie die rüberkommen, das ist sehr straight, sehr massiv. Wir mögen auch Death-, Speed- und Thrash-Metal, wollen aber nicht versuchen SLAYER, SEPULTURA oder PANTERA zu kopieren. Ich schreibe zuerst den Text und dann gehe ich damit zu den anderen in den Proberaum. Nun fragen wir uns, wie wir diese Thematik umsetzen. Wir haben auf unseren Shirts einen Panzer abgebildet, weil das ein sehr treffendes Symbol für unsere Musik ist. Ein Panzer ist geerdet, er ist unheimlich schwer und walzt massiv durch die Gegend. Genau wie unsere Musik. Ein Panzer muß nicht ausweichen, er macht sich seinen Weg frei. Dieses Kriegsgerät spiegelt unseren verbalen Kriegszustand wider, der bodenständig ist, vielleicht auch männlich, weil nur Jungs in Band sind. Insgesamt beschreibt dieses Symbol sehr gut, was wir umsetzen wollen.



Homepage: www.bodai.org
geführt am 27.09.2006   von Armin
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musikalischer Background des Verfassers
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2. Metallica "Master Of Puppets"
3. Slayer "Hell Awaits"
4. Anthrax "Among The Living"
5. Overkill "Taking Over"
6. Metallica "Ride The Lightning"

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