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Scream Silence "Flucht, Neid Und Seelische Katatonie!"
Für die einen sind die Berliner ein sog. “Alter Hase“ im Gothic Rock Geschäft, doch ich muss leider zugeben, dass ich erst mit der letzten VÖ “Aphelia” an diese Combo gestoßen bin; wie sich herausstellte: zum Glück (siehe Review)! Nun hatte ich auch das Vergnügen mit Hardy und Robert ein paar Fragen zu klären. Dass dabei nicht nur über das neue Werk geredet wurde, dürfte wohl klar sein.
Weitere Infos zu Scream Silence:
REVIEWS:
Scream Silence Elegy
Scream Silence Aphelia
Scream Silence Apathology
INTERVIEWS:
Scream Silence - Flucht, Neid Und Seelische Katatonie!
Scream Silence - Mehr Hymnen!
LIVE-BERICHTE:
Scream Silence vom 02.04.2009

Moin! Scream Silence, meinen Glückwunsch zum neuen Album, ich muss wirklich zugeben, es ist sehr unterhaltsam, ansprechend und emotional geworden. Ohrwürmer am laufendem Band. Es ist für mich persönlich zwar unerklärlich, dass ich euch erst mit diesem Album kennen lerne, aber dafür könnt ihr natürlich auch nix! :- ). Wie sind die bisherigen Reaktionen auf das Album, hat es eure Erwatungen übertroffen oder gibt es etwas was man noch verfeinern könnte....?
Hardy: Erst mal vielen Dank für die Blumen. Und irgendwie können wir ja schon etwas dafür, denn wenn wir vor ein paar Jahren den Deal mit einer Major Company angenommen hätten, wärst Du mit Sicherheit schneller auf uns gestoßen. :- ) Aber zurück zu Deiner Frage. Wir sind ja mit „Aphelia“ einen für uns relativ neuen Weg gegangen, und daraus ist ein für uns perfektes Album geworden, welches den derzeitigen Stand der Messlatte sowohl in musikalischer als auch technischer Hinsicht widerspiegelt. Und die Reaktionen sind bisher sowohl von Medien als auch den Fans geradezu überwältigend. Und dass die Fangemeinde wächst, sieht man auf den Verkaufszahlen deutlich an. Natürlich werden wir uns auch mit dem nächsten Album wieder weiter entwickeln aber rückblickend, auch wenn das so kurz nach dem Release ein wenig verfrüht ist, hat „Aphelia“ alle Erwartungen übertroffen.

Des Weiteren muss ich (leider erneut) zugeben, dass ich wohl zu den Wenigen gehöre, die erst jetzt Scream Silence kennen lernen. Doch, lieber später als nie, nicht wahr?! Da ich mich auch informiert habe, dass „Aphelia“ euer sechstes Werk ist, müsst ihr euch also eine Zeitlang in der Gothic Rock Welt bewegen. Vielleicht könnt ihr ein wenig von euch ausplaudern, was die Bio angeht?!
Robert: Angefangen hat das Ganze bereits 1998 als Hardy und der damalige Bassist Rene Schulze Scream Silence ins Leben riefen. 1999 kam Wolfi unser Drummer in die Band und auch das Debüt Album „To Die For“ erschien noch im selben Jahr und bekam jede Menge Anerkennung in der Gothic Szene (u.a. Album des Monats). Nach dem zweiten Album stieg der damalige Gitarrist Jörg Rennewald aus und ich (Robert) übernahm ab 2002 den Sechssaitenjob. Noch bevor wir die Arbeiten am dritten Album „Seven Tears“ fertig gestellt hatten, gab es noch eine Umbesetzung: Rene verließ aus beruflichen Gründen die Band und wurde durch Cornel Otto ersetzt. Trotz dieser Widrigkeiten, die auch die Veröffentlichung verzögerte, erschien das Album 2003 und wurde ein Riesenerfolg für uns, was uns neben Gastauftritten namhafter Musiker wie z.B. Adam von den Sisters of Mercy dann auch das oben schon erwähnte Major-Angebot ins Haus flattern ließ. Wir entschieden uns jedoch gegen den ganz großen Ruhm und für unsere eigenen kreativen Freiräume. Wir gründeten stattdessen im Jahre 2004 unser eigenes Label Plainsong Records. Außerdem kam 2004 Hagen für Cornel am Bass in die Band. Noch im gleichen Jahr erschien dann „Elegy“ und wurde unter anderem von Wayne Hussey zum Album des Jahres gekürt. Von diesem Erfolg geradezu überwältigt beschlossen wir eine Art Seelentrilogie zu veröffentlichen, dessen erster Teil „Elegy“ war, und arbeiteten wir das ganze Jahr 2005 intensiv am nächsten Longplayer „Saviourine“, der dann auch schon 15 Monate später erschien. Genau so hielten wir es mit „Aphelia“ und auch dieses Album wurde nach exakt 15 Monaten fertig gestellt.

Habt ihr so viel zu erzählen und so viele Ideen (in der kurzen Zeit) oder wie kommt es, dass es erneut ein frisches Album gibt, nachdem ihr 2006 „Saviourine“ veröffentlicht habt?
Hardy: Ja irgendwie scheinen uns seit einiger Zeit die Ideen nicht auszugehen. Wir haben jetzt nach einigen Umbesetzungen endlich das richtige Kreativteam gefunden und jeder von uns kann es kaum erwarten wieder am nächsten Album zu arbeiten. Und wir machen auch gern mal die Nächte durch, wenn es richtig zur Sache geht und die Ideen sprudeln. Aus diesem Grund haben wir auch in den letzten Jahren nahezu acht Monate des Jahres ausschließlich im Studio verbracht, was uns dank unseres labeleigenem professionellen Studio unter dem Dach des Berliner K17 Clubs möglich ist.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den letzten beiden Alben und wie habt ihr es in den Sessions/Aufnahmen gemerkt, dass einiges sich wiederholt bzw. etwas völlig anderes vorhanden ist und somit kreiert wurde?
Robert: Uns ist die Weiterentwicklung und auch die Perfektionierung unseres eigenen Sounds ungemein wichtig. Nichts ist schlimmer als kreativer Stillstand. Aus diesem Grund denken wir auch nicht lange über das was wir jetzt machen möchten nach, sondern laufen einfach los und der Rest fällt uns unterwegs ein. Was ich damit sagen möchte ist, dass vieles in unserer Musik sehr spontan entsteht. In den letzten Jahren haben wir Einflüssen aus der Progressive oder Alternative Szene unserem Bandsound hinzugefügt, was auf „Saviourine“ bereits hörbar und auf „Aphelia“ noch weiter und intensiver ausgebaut wurde. Ich denke, es ist eine Richtung erkennbar in die wir uns musikalisch bewegen. Und trotzdem sind nun mal hoffnungslose Romantiker mit dem Sinn für gutes Songwriting und deshalb werden die eingängigen und melodiösen Songs wohl immer erhalten bleiben.

Wie persönlich ist das Album für euch, aus lyrischer Sicht? In diesem Zusammenhang kannst vielleicht auch direkt zu einzelnen Texten etwas loswerden, vor allem zu „Harvest“, „The Vitriol“, “My Eyes” und „Aphelia“?!
Hardy: In den Songs von „Aphelia“ geht es um unendliche Einsamkeit, dem Gefühl nicht hierher zu gehören. Vieles von dem was ich dort erzähle, habe ich selbst erlebt, erfahren und auch ertragen, andere Songs basieren auf Erfahrungen oder Erlebnissen, die man überall im Alltag finden kann. In „Harvest“ geht es um jemanden, dessen unendliche Bemühungen letztlich immer nur ins Nichts führen. Alles was anfasst scheint ihm durch die Finger zu rinnen. In „The Vitriol“ geht es um das Gefühl, ständig auf der Flucht zu sein, auf der Flucht vor dem Neid seiner eigenen Mitmenschen. Und je weiter man sich von Ihnen entfernt, um so weniger wird man von Ihnen akzeptiert, ein ewiger Kreislauf der irgendwann zum Stillstand , zur seelischen Katatonie führt, ein Zustand der in „My Eyes“ dann lyrisch beschrieben wird und mit „Aphelia“ in einer Art Hymne der Hoffnungslosigkeit endet. Wir wollten mit den letzten 3 Alben die Fragilität der menschlichen Seele in Bilder fassen, in denen sich viele wieder finden können.

Stört es dich wenn man in euren Sound den Vergleich mit den Berliner Kollegen (?) Zeraphine/Dreadful Shadows (R.I.P.) heranwagt? Ich finde nämlich, dass es keineswegs einen negativen Touch besitzt, wie stehst du dazu?
Hardy: Nein gar nicht, beide Bands haben ja die gleichen musikalischen Wurzel. Ich war übrigens bei den Shadows damals lange Zeit als Tontechniker dabei, vielleicht erklärt das die Nähe. Aber ich denke im Laufe der Jahre haben sich sowohl Zeraphine als auch Scream Silence musikalisch weiterentwickelt und ich würde meinen, dass sich beide Bands in deutlich unterschiedliche Richtungen bewegen und spätestens mit den jeweils letzten Alben nicht mehr all zu viel gemeinsam haben, vom Fankreis mal ganz abgesehen. Andere vergleichen uns mittlerweile gern auch mal mit Amorphis , Anathema oder Paradise Lost. Zu letzteren fühle ich mich zumindest musikalisch eher verbunden.

Wie kam es zu dieser Covergestaltung? Was wollt ihr damit aussagen und wer war dafür verantwortlich?
Robert: „Aphelia“ bedeutet „Sonnenferne“, ein Ort, unwirklich, dunkel und kalt. Die perfekte Metapher für alles was wir auf diesem Album ausdrücken wollten. Hardy hatte irgendwann die Idee, eben jenen Begriff in Gestalt eines kleinen Mädchens als Sinnbild für die Zerbrechlichkeit der menschlichen Seele darzustellen. Sie wandelt im Cover durch unwirkliche Welten, scheint nirgendwo dazuzugehören und findet letztlich ihr Zuhause nur am kältesten und dunkelsten aller Orte, tief in sich selbst. Josefine Becker, die bereits seit 2003 die Scream Silence Cover gestaltet, hat diese Idee meiner Meinung nach grandios in Bilder umgesetzt. Sie hat nahezu genauso lang am Album gearbeitet wie wir, alles selbst gezeichnet, und sich dabei selbst übertroffen. Danke dafür Jo!

Ich finde, dass die meisten eurer Songs sehr enorme Livetauglichkeit besitzen; sowohl zum Mitsingen, als auch zum „Tanzen“. Welche sind eure Favoriten, um diese auch live vorzustellen? Wird es trotzdem genügend Stoff für die Fans der ersten Stunde geben, wenn ihr mal tourt, was die Setlist angeht?
Hardy: Nun ja, bei über 60 Songs – erwähnte ich das schon? J - wird’s langsam immer schwieriger, einerseits genug neue Sachen zu spielen ohne jedoch die wirklich guten alten Songs zu vernachlässigen. Es kommt mittlerweile schon vor dass wir keinen einzigen Song einer Platte spielen können, weil es später einfach genug besseres Material gab. Meine persönlichen Top Favourites für ein gutes Live Konzert sind von den alten Sachen „Immortal“, „Consolation“ oder auch der ewige letzte Song „To Die For“. Bei den ganz neuen Sachen spielen wir jetzt schon sehr gern „Harvest“ „Kerosene“ und vor allem „My Eyes“. Live tauglich sind eigentlich alle Songs wenn die Leute sie gern hören wollen. Sogar „Nothingness“ haben wir auf der Record Release Show schon gespielt, da nimmt Robert auch gern mal die Akustik Gitarre in die Hand.

Wenn wir schon dabei sind, gibt es irgendwelche Pläne, was eine Tour oder Clubgigs, Promotour, Festivals angeht?
Robert: Wir spielen im Sommer ein paar Festivalshows und werden im November nach langer Zeit wieder auf eine komplette Tour gehen, bei der neben einigen deutschen auch Shows in Österreich, der Schweiz, Benelux und erstmalig auch Italien geplant sind. Nach diesem Recording Marathon der letzten Jahre denken wir, es ist an der Zeit wieder mehr live zu spielen.

...und sonstige Pläne? Maxiauskopplung, Videoclip, DVD? Alles neue bringt der Mai, also raus mit der Sprache, was es von euch bald geben kann, wird?
Hardy: Wir haben bereits mehrere Shows mitgeschnitten, diese werden sicher Anfang nächsten Jahres als 10 Jahres-Jubiläums DVD erscheinen. Dazu werden wir noch einige unveröffentlichte Songs veröffentlichen, da über die Jahre einfach zu viele wirklich gute Songs entstanden sind die damals einfach nicht zum Konzept passten. Das Ganze wird dann streng limitiert zu haben sein. Also wirklich was für echte Fans.

Und nun die berühmten last words zur Eigenwerbung o.ä.?!
Robert: Eigenwerbung? Nö…. Nur: Macht weiter so. Und kauft die Platten eurer Lieblingsbands, sie brauchen das Geld für die nächste Scheibe. So einfach ist das. :-)
geführt am 22.05.2007   von Arturek
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