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Mael Mórdha "Irre Iren Und Gealic Doom Metal"
Doom Metal ist schon seit geraumer Zeit nicht mehr stark präsent in der Metalszene. Dass sich nichtsdestotrotz noch großartige Doom-Bands ihren Weg aus dem Underground zu Anerkennung und Öffentlichkeit erkämpfen können, beweisen nicht zuletzt MAEL MÓRDHA mit ihrem aktuellen Album „Gealtacht Mael Mórdha“. Die Herren von der grünen Insel bringen dabei einen lebhaften und frischen Wind in das immer noch zu sehr an vergangenen Szenegrößen hängende Genre. Der sympathische Sänger Rob beantwortete bereitwillig und ausführlich einige Fragen zur neuen Scheibe, der gälischen Sprache und Kultur und diversen irischen Untrieben…
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REVIEWS:
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INTERVIEWS:
Mael Mórdha - Irre Iren Und Gealic Doom Metal

Rob, wenn dieses Interview veröffentlicht wird, kann man euer neues Album schon seit einiger Zeit kaufen. Wie sind deine allgemeinen Gefühle bezüglich „Gealtacht Mael Mórdha“? Seid ihr absolut zufrieden und ist, wie bei vielen anderen Bands auch, bei euch das neue Album das „beste Mael Mórdha Album überhaupt“? Seid ihr beim Songwriting oder Aufnehmen auf Probleme gestoßen?

Ich denke, ich sollte jetzt betonen, dass obwohl wir uns gerade einen Ruf als Partylöwen erarbeiten, wenn wir auf Tour unterwegs sind, wir eigentlich ein ziemlich erbärmlicher Haufen sind, dessen Hauptbeschäftigung es in der Vergangenheit war, die eigene Musik in Stücke zu reißen. „Gealtacht“ macht da keine Ausnahme. Wir haben in der Vergangenheit bei den Aufnahmen unserer EPs und von „Cluain Tarbh“ so einige Fehler gemacht, die wir bei jeder Rückkehr ins Studio beheben wollen. Seit den Aufnahmen zu „Gealtacht“ haben wir einen ganzen Stapel neuer Fehler ausgemacht, die wir beim nächsten Mal ausbügeln wollen. Wir alle sind der Meinung, dass wir die Band auflösen sollten, wenn wir jemals ein Album aufnehmen, mit dem wir hundertprozentig zufrieden sind. Es besteht allerdings nicht die Gefahr, dass eins von beidem geschehen wird.
Aus einer zurückblickenden Perspektive war „Gealtacht Mael Mórdha“ jedoch in gewissem Maße ein Aufholprozess. Wir hatten noch immer Songs, die wir live seit vielen Jahren spielten und von denen wir der Meinung waren, dass sie ordentlich aufgenommen und auf eine Veröffentlichung gehörten, zu dem jeder unserer Fans Zugang hätte. Einer dieser Songs (‚Atlas of Sorrow’) ist sogar älter als die Band selbst, aber bis heute eins der besten Beispiele für „Gaelic Doom Metal“. Die Arrangements zu den Songs waren nicht schwer, da die Band sie in- und auswendig kennt, doch die restlichen Songs waren anders. Nach den Aufnahmen zu „Cluain Tarbh“ holten wir Anthony in die Band und mussten deshalb unser Zusammenspiel und Songwriting neu arrangieren. Dies erwies sich als schwierig, aber durch seinen Einfluss bekamen die Stücke neues Leben eingehaucht und als Ergebnis verbesserten sich sowohl Band als auch Songs.
Bezüglich der Aufnahmen war wohl das größte Problem (schon wieder) meine Stimme. Ich glaube ich habe mir bei den Aufnahmen zu „Cluain Tarbh“ irgendeine Krankheit zugezogen, die sich entschloss, mich mitten in den Aufnahmen zu „Gealtacht“ wieder heimzusuchen.

Da ich leider euer letztes Album „Cluain Tarbh“ nicht kenne, wäre es nett, einen Vergleich der beiden Alben aus deiner Perspektive zu bekommen. Welche Schwächen (falls vorhanden) wurden ausgemerzt und welche Elemente eurer Musik wurden beibehalten oder ausgebaut? Hat der Labelwechsel zu grau euren Arbeitsprozess oder eure kreativen Möglichkeiten beeinflusst?

Obwohl es sehr schwierig ist, einen brauchbaren Kommentar zu einer Sache abzugeben, wenn man so eng mit ihr verbunden ist, waren aus meiner Sicht der Dinge die Aufnahmen der Instrumente, wie auch das Spiel der Band besser als auf „Cluain Tarbh“. Einige der Melodien auf „Cluain Tarbh“ wurden ein bisschen zu schnell gespielt, was auf einen Fehler bei den anfänglichen Aufnahmen der Hauptspuren zurückzuführen war. (Wir benutzen keine Klick-Spuren – Wir sind doch keine verdammten Maschinen!) Wir haben uns bei „Gealtacht“ darauf konzentriert, diese Hauptspuren richtig hinzukriegen, was uns im Großen und Ganzen auch gelungen ist. Mein Gesang ist auf beiden Alben so ziemlich derselbe, „Cluain Tarbh“ verfügt aber über wesentlich mehr Orchestrierung als „Gealtacht“, da die Songs auf diesem Album älter und pianozentrierter sind, während die neuen Songs gitarrenlastiger ausfallen. Ich hatte nicht das Bedürfnis, die Gitarren mit anderer Instrumentierung zu ersäufen, da wir nun zwei Gitarristen haben und auf der „Cluain Tarbh“ nur Gerry mitwirkte.
Bezüglich des Labelwechsels werde ich davon Abstand nehmen, etwas anderes über ein so genanntes Label zu sagen, als dass der Support von Karmageddon Media, sagen wir, etwas dürftig war. Grau sind großartig! Die Promotion und das Verhalten sind bis jetzt wundervoll gewesen. Es ist eine wahre Freude mit Tom und den anderen zusammenzuarbeiten und ich schätze, dass dieser Labelwechsel unseren Arbeitsprozess insofern beeinflusst hat, dass wir eigentlich nicht geplant hatten, so schnell nach „Cluain Tarbh“ ein neues Album zu veröffentlichen, nun aber das Gefühl hatten, Grau beweisen zu müssen, dass wir es ernst meinen und eine hart arbeitende Band sind. Das hat uns jetzt angespornt, bereits Ideen für das „difficult, third album“ (um den Albumtitel der irischen Folk-Rock-Urgesteine „Doctor Strangely Strange“ zu zitieren) zu sammeln. Wenn Grau uns nicht unter Vertrag genommen hätte, würden wir wahrscheinlich immer noch einfach so viele Konzerte wie möglich spielen und ganz langsam Songs schreiben. Das Label hat nicht unsere kreative Richtung, sondern vielmehr unsere kreative Aktivität beeinflusst.

Ich habe in eurer Diskographie gelesen, dass „Gealtacht Mael Mórdha“ erst euer zweites Full Length Album in neun Jahren Bandgeschichte ist. Wie kommt das? Seid ihr beinharte Perfektionisten, die so lange brauchen, um mit ihren Songs zufrieden zu sein oder bevorzugt ihr kleine Veröffentlichungen mit nur ein paar Songs? Oder halten euch etwa so triviale Angelegenheiten wie Jobs oder ähnliches vom Songwriting ab?

Hättest Du mir diese Frage in 2004 gestellt, hätte die Aussage sein müssen: „Ich sehe, dass ihr keine Full Length Veröffentlichungen habt“! Die ersten fünf Jahre in der Existenz der Band waren ziemlich schwierig. Im Jahre 1998 Leute in Irland zu finden, die Doom Metal mochten, war nahezu unmöglich. Leute zu finden, die traditionelle, irische Musik und Heavy Metal mochten, war komplett unmöglich. Verbinde das mit dem fehlenden Glauben an Erfolg und du bekommst mehr Besetzungswechsel als Spinal Tap und Deep Purple zusammen! Es ist sehr schwierig eine Band zum Aufnehmen zu kriegen, wenn nachdem man gerade wieder jemanden in die Band eingearbeitet hat, jemand anders die Band verlässt und wieder jemand neues gefunden werden muß, der dann erst die Songs neu lernt und der Rest der Band sich auf den Neuen einstellen muß. Das ist verdammt zeitaufwendig kann ich dir sagen!
Wir sind definitiv keine Perfektionisten. Wir sind Musiker und sind Darsteller und dazwischen gibt es einen großen Unterschied. Jeder der schon einmal auf einem unserer Konzerte war kann das bestätigen. Seit die Besetzung stabil geworden ist, machen wir endlich das, was wir die ganze Zeit schon hätten machen sollen: Spielen und Schreiben und eine Band sein, anstatt um die Existenz der Band zu kämpfen. Leider kommen uns jetzt, da wir endlich „eine Band sind“, unsere Jobs in die Quere, was unsere musikalische Arbeit behindert. Hoffentlich brauchen wir uns eines Tages (bald) keine Sorgen mehr um Jobs zu machen und können uns auf das konzentrieren, was wir am meisten lieben - unsere Musik.

In meinen Ohren ist eure Musik eine lebhafte Mixtur aus der Schwere und Melancholie des guten, alten Doom Metal und der Dynamik (und manchmal Instrumentierung) des Folk Metal. Kannst du mit dieser Beschreibung leben oder ist sie zu allgemein? Gibt es irgendwelche Bands aus diesen Genres die einen musikalischen oder spirituellen Einfluss auf euch ausgeübt haben? Steht ihr in Kontakt zu irgendwelchen der alten britischen Doom Bands und wie siehst du ihre Entwicklung über die Jahre (z.B. Anathema, My Dying Bride, Paradise Lost)?

Gott segne deine Ohren! Ich denke, dass deine Beschreibung recht gut ist und wesentlich treffender als einige der Vergleiche, die wir in der Vergangenheit bekommen haben. Wir haben uns schon vor dem Bandnamen Mael Mórdha als Gaelic Doom Metal bezeichnet, denn die Ansichten wie auch die Musik unserer Vorväter sind durchaus in unseren Songs eingebettet. Unser gälisches Erbe ist eins der grauenvollsten und traurigsten, an beinahe deprimierende Geschichten angrenzend und ist der perfekte Hintergrund für eine Doom Band. Die erwähnten englischen Doom Bands übten einen massiven Einfluss auf die Anfangstage der Band aus. Wir sind mal als Mischung aus dem Braveheart Soundtrack und „Turn Loose the Swans“ beschrieben worden und tatsächlich würde es Mael Mórdha nicht geben, wenn ich letzteres nie gehört hätte.
Wir haben das Vergnügen gehabt, vor einigen Jahren mit My Dying Bride in Dublin zu spielen und haben sie letzten September beim Bloodstock Festival wiedergetroffen. Duncan Patterson hat ein paar Jahre in Irland gelebt, daher kennen wir ihn alle recht gut (es war sogar sein Verdienst, dass wir überhaupt bei Grau untergekommen sind). Die Jungs von Paradise Lost habe ich damals auf ihrer Draconian Times Tour getroffen, als ich noch ein leicht zu beeindruckender junger Bursche war, was ein einschneidendes Erlebnis war, da mit dort klar wurde, dass sie Menschen wie jeder von uns waren und wenn sie in einer Band spielen konnten, dann konnten wir das auch!
Ich kaufe noch immer My Dying Bride und Anathema Alben habe aber irgendwann den Bezug zu Paradise Lost verloren. Ich würde sagen, dass die letzten beiden kein Doom spielen und dass My Dying Bride inzwischen mehr in die Goth-Richtung gehen, aber andererseits würden einige Leute bestimmt sagen, dass wir auch keine Verbindung zum Doom haben. Wer im Glashaus sitzt, sollte besser nicht mit Steinen werfen!
Bezüglich der Folk Metal Einflüsse muß ich sagen, dass es keine Band gibt, die uns beeinflusst hat, da ich bis vor ein paar Jahren nicht einmal wusste, dass eine solche Szene überhaupt existiert. Obwohl Folk Metal Bands mit allen mögliche Namen versehen werden, scheint es im Moment relativ unmöglich festzulegen zu sein, was eine Folk Metal Band überhaupt ist. Wenn man uns als Folk Doom Metal kategorisieren möchte, ist das nicht vollkommen daneben, denke ich.

Wo wir gerade bei Kontakten sind: Was macht die irische Metalszene? Seid ihr an einer „Szene“ interessiert oder haltet ihr euch fern davon? Gibt es irgendwelche Bands mit denen ihr befreundet seid und gerne mal ein paar Pints am Wochenende (oder auch in der Woche, hehe) hebt?

Der irischen Metalszene geht es verdammt gut zurzeit! Wenn dieses Land das gleiche Interesse an der Szene gezeigt hätte, wie es die Szene in Norwegen vor zehn Jahren getan hat, würdest du mir diese Frage nicht stellen, weil du die Antwort bereits wüsstest. Es gibt hier sehr viele gute Bands, die weit besser sind als viele dieser so genannten erfolgreichen Bands, die momentan mit ihren Waren hausieren gehen. Ich würde mir wünschen, dass wenn wir es hinkriegen die Metal-Leiter nach oben zu klettern, eins der Ergebnisse wäre, ein besseres Licht auf die irische Metalszene zu werfen. Soweit es die Szene hier betrifft, befindet sich die ganze Band in Dublin, nur ich wohne ca. eine Stunde nördlich der Stadt und bin daher relativ isoliert von dem ganzen Wahnsinn der bei den restlichen Jungs los ist. Das Mael Mórdha Wochenende beginnt am Montagmorgen und endet Sonntagnacht. In der Gegend von Dublin kann man Zeuge des Wahnsinns werden, der sich zwischen Bandmitgliedern von Mael Mórdha und Mourning Beloveth oder Primordial und Mass Extinction oder wem auch immer vor Ort abspielt.
Wir hoffen, dass wir im Herbst eine kleine Irland-Tour mit den sehr netten Jungs der schwedischen Folk-Doom-Metal-Band Faith, die wir auf dem Doom Shall Rise in Deutschland kennengelernt haben, auf die Beine gestellt bekommen.

Leider enthält meine Promo-CD zu „Gealtacht Mael Mórdha“ keine Texte, aber es erschien mir recht offensichtlich, dass ihr euch mit keltischen Mythen und Legenden beschäftigt. Was an dieser Thematik erregt euer Interesse besonders? Seht ihr die Mythologie als spirituelles Erbe, das euch eine Verbindung zu eurem Heimatland und euren Vorfahren ermöglicht oder hegt ihr ein rein historisches Interesse? Benutzt ihr sie vielleicht auch nur als Metaphern?

Eigentlich beschäftigen wir uns gar nicht mit Mythen und Legenden, sondern mit Geschichte! Mael Mórdha war eine historische Persönlichkeit, nämlich ein König der östlichen Provinzen Irlands, der „Laighin“. „Cluain Tarbh“ war das Schlachtfeld, auf dem er den damaligen Hochkönig Irlands Brían Bóroimhe Mac Cennéide bekämpfte und auf dem sie beide starben. Diese Zeit wird in Irland größtenteils falsch dargestellt: Erst einmal gibt es den Mythos, dass die Nordmänner in unser Land einfielen und das Land plünderten – genetische Beweise zeigen etwas anderes. Natürlich geschah es in einem gewissen Rahmen, aber nicht zu solchen Ausmaßen, wie es die Historiker später gerne darstellten. Auch das Christentum in Irland war zu dieser Zeit nicht annähernd wie heute: Es wird angenommen, dass die alten Religionen mit dem Christentum koexistierten und sich sogar miteinander vermischten. Dies veränderte sich nach 1169, als die Normannen auf Geheiß des Papstes einfielen, um Irland in den Schoß der römischen Kirche zu führen.
Die alten Mythen und Legenden unseres Landes wurden oft von unseren Filí (Dichtern) und Barden zitiert und genau so machen wir es auch. Sie sind sosehr Teil unseres Erbes, wie es auch Musik und Geschichte, Gesetz, Kultur und Sprache sind. Wenn wir uns endlich genügen würden, aus ihnen und mehr über sie zu lernen, könnten wir endlich die Verbindung zwischen uns und unserem Land - und damit auch Zufriedenheit - finden. Das Land ist genauso wichtig wie die Verbindung zwischen uns und unseren Toten.
Ich benutze manchmal Bilder aus der Natur oder der Geschichte in meinen Texten als Metaphern, dies muß aber nicht immer der Fall sein. Viele der Themen mit denen ich mich beschäftige sind alltägliche Probleme des Verstandes und des Geistes, der Liebe und des Hasses, des Lebens und des Todes.

Da ihr euch ja schon recht lange mit diesen Themen beschäftigt: Was haltet ihr von der momentan boomenden Pagan- und Folk-Metal-Szene? Fühlt ihr euch diesem Genre zugehörig?

Wie ich ja schon gesagt habe, beschäftigen wir uns nicht wirklich mit vorchristlichen Mythen, daher fühlen wir uns auch keiner heidnischen Szene zugehörig. Das Wort „Pagan“ ist eine abschätzige Bezeichnung, das von Angehörigen der judeo-christlichen Religion gegenüber Angehörigen anderer Religionen benutzt wurde. Die „Pagan Szene“ ist ein zusammengewürfelter Haufen, der für mich keinen wirklichen Sinn ergibt, denn die einzige Verbindung, die ich zwischen den Bands erkennen kann, ist die vermeintliche Ablehnung des judeo-christlich-islamischen Gottes. Vor fünfzehn Jahren wurde das Ganze Satanismus genannt und die damit verbundene Musikrichtung war der Black Metal. Black Metal konnte (grob gesehen) als Mischung aus schnellen, surrenden Gitarren, gekreischten Vocals und sehr schnellem Drumming mit vielen Blastbeats beschrieben werden. Wie aber beschreibt man Pagan Metal? Ein bestimmter Musikstil definiert sich durch die Musik und nicht durch die Texte.
Folk Metal scheint sich aus dem Folk Rock entwickelt zu haben, wovon wir in den 60ern und 70ern hier in Irland eine ganze Menge Bands hatten. Folk Rock war ein Mix aus Rock Musik und Folk Musik. So einfach war das. Sie konnten über Jesus oder Dope singen, über die Apokalypse oder darüber einen Baum zu umarmen oder aber auch darüber, die Welt mit einer Atombombe in die Luft zu jagen – das alles änderte nichts daran, dass sie Folk Rock spielten. Ich denke, dass es heute das Gleiche ist: Folk Metal ist der Mix aus Metal und der Folk Musik eines bestimmten Landes. Wir sind diesbezüglich ganz sicher schuldig im Sinne der Anklage, aber wir mischen noch eine ganz bestimmte Art des Folks (gälisch-irisch) mit einer bestimmten Art des Metals (Doom Metal).

Wie seid ihr bezüglich der lyrischen Seite Mael Mórdhas auf eure ganze eigene musikalische Ausdrucksweise gekommen? Warum vermischt ihr (mehr oder weniger) depressiven Metal mit traditionellen Folk-Elementen, um eure Texte über keltisch-irische Geschichte zu präsentieren und zu unterstützen?

Die Geschichte unserer gälischen Kultur ist bedrückend. Unsere langsamen alten Lieder sind die traurigsten, die ich jemals gehört habe und Doom Metal ist die tristeste Metal-Richtung die ich kenne. Nun, Gleich und Gleich gesellt sich gern. Wenn ich nicht über Geschichte schreibe, dann über meine eigenen Gedanken und Gefühle, die – richtig geraten – ebenfalls deprimierend sind. Die gälische Musik und auch der Doom Metal passen daher perfekt zu den Texten und erschaffen so eine einsame und magische Stimmung.

Was inspiriert euch zu neuen Songs und Texten? Geht ihr vielleicht raus in die Natur oder trefft ihr euch einfach im Proberaum und fangt an zu arbeiten? Verarbeitest du in gewisser Weise auch persönliche Erfahrungen in deinen Texten?

Zurzeit versuchen wir zusammen im Proberaum neue Songs zu erarbeiten. Was meine Texte angeht so werde ich von meinen persönlichen Gefühlen, aber auch von unserer Geschichte, Dichtkunst, Mythologie und der ländlichen Landschaft, in der ich aufgewachsen bin beeinflusst. Man kann viele meiner persönlichen Erfahrungen in den Texten wiederfinden – manchmal versteckt, manchmal etwas offensichtlicher. Meiner Meinung nach bedeuten die Texte eines Songs jeder Person etwas anderes. Es kann schon etwas merkwürdig, aber zugleich auch wundervoll sein, wenn jemand etwas aus Texten ziehen kann, was ihm vielleicht durch harte Zeiten hilft – auch wenn der Text ursprünglich ganz anders gemeint war.

Kommen wir noch einmal zu „Gealtacht Mael Mórdha“ zurück: Seid ihr zufrieden mit eurem Coverbild und was zeigt es überhaupt? Hat es irgendeine Verbindung zu dem textlichen Konzept des Albums? Als ich es das erste Mal sah, war ich schon etwas überrascht, da es zwar sehr gut gezeichnet ist, mich aber sehr stark an eine Comic-Zeichnung erinnerte…

Das Bild wurde von einem griechischen Künstler namens Vasilis Zicos gemalt. Er hat schon auf unserem ersten Album alle Zeichnungen im Booklet, inklusive des irischen Minotaurus angefertigt. Das Kerlchen wurde als unser Maskottchen adoptiert und als das zweite Album rauskommen sollte, beschlossen wir ihn auf unser Cover zu befördern, um dort die letzten Szenen der Schlacht von Cluian Tarbh nachzustellen. Wir mögen das Bild wirklich sehr gerne, genau wie viele unserer Fans und die meisten Journalisten.

Du benutzt die alte gälische Sprache so einige Male in deinen Texten. Wie wichtig ist dir diese Sprache und beherrscht sie jemand von euch perfekt? Warum benutzt ihr das Gälische nur ein paar Mal und nicht auf dem gesamten Album? Ich finde, dass das eine nette Idee wäre, da die Sprache einen wundervollen Klang und Rhythmus hat. Zum besseren Verständnis könntet ihr ja englische Erläuterungen im Booklet anführen…

Irisch (Gaeilge) ist sehr wichtig für jeden, der unsere Geschichte, Landschaft, Mythen, Religion (die christliche und die vor-christliche) und uns als Volk verstehen will.
Die Tatsache, dass es heutzutage eine Minderheitensprache in Irland ist, erscheint passend, da der Großteil der Menschen den Bezug zu dem oben Genannten verloren hat. Wenn wir jemals wieder zu unseren Wurzeln und den Wurzeln dieses Landes vordringen wollen, kann das nur geschehen, indem unsere eigene Sprache wieder zur Muttersprache wird. Keiner von uns spricht das Gälische als Erstsprache, aber wir alle verstehen sie (die einen besser, die anderen schlechter). Indem wir diese Texte in die englischen Texte einarbeiten, wollen wir den Menschen zeigen, dass es keine veraltete Sprache ist, sondern dass man sie auch im Alltagsleben gebrauchen kann. Ich mache manchmal Ansagen auf Gälisch und dem Publikum gefällt es sehr gut. Wenn sich jemand aufgrund eines Mael Mórdha Auftritts dazu entscheiden sollte, Gälisch zu lernen, wäre ich verdammt glücklich.
Ein ganzes Album auf Gälisch aufzunehmen wäre interessant, würde uns aber nicht viele Fans bescheren, da Englisch momentan nun mal (ob es uns gefällt oder nicht) die Weltsprache ist. Einzelne Zeilen einfließen zu lassen dürfte die Hörer nicht so schnell langweilen und sie auch ein bisschen bilden, ohne dass sie das Gefühl haben, in der Schule zu sitzen. Ich würde es sehr gerne wie Enslaved machen und im Booklet die Texte in beiden Sprachen abdrucken. Vielleicht in der Zukunft einmal…

Wie ist denn die allgemeine Situation für die gälische Sprache in Irland? Ich weiß zufällig, dass in es in Schottland zum Beispiel seit geraumer Zeit Ambitionen gibt, die Sprache wieder attraktiver zu machen, damit sie nicht ausstirbt…

Meine Freundin ist Griechin, daher bin ca. dreimal im Jahr in Griechenland. Mit jedem meiner Besuche sehe ich dort mehr und mehr englische Ladennamen und höre mehr und mehr englische Wörter in der alltäglichen Sprache. Wenn ein Land, das nicht mal das römische Alphabet benutzt, so viel Englisch verwendet, kannst du dir vorstellen, wie stark der Druck hier bei uns ist - vor allem da wir eine starke Verbindung zu England und den USA haben. Auch die „gute Arbeit“ der Engländer in den letzten vier Jahrhunderten Irlands, den irischen Lebensstil zu verdammen, hat in den Köpfen der Iren definitiv Wurzeln gefasst, die heutzutage so viel wie noch nie zuvor tun, um ihre eigene Sprache lächerlich zu machen.
Wir haben unseren eigenen irischen Fernsehsender, sowie irische Radiosender und Zeitungen und das Irische ist eine offizielle EU-Sprache, insofern sind die Aussichten schon mal besser als vor zwanzig Jahren. Solange sich allerdings an dem Denken der Leute nichts Grundlegendes ändert, wird die Sprache nicht wieder so zur Geltung kommen wie zuletzt vor der großen Hungersnot in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als über 8 Millionen Iren das Gälische sprachen – die meisten davon als ihre Muttersprache. Die schottische Wiederbelebung des Gälischen wird etwas aufgebauscht, so wurde mir erzählt. Wenn du das erfolgreiche Wachstum einer Sprache sehen möchtest, dann schau dir nur die Waliser an!

Am Ende die typische letzte Interviewfrage: Gibt es schon Tourpläne, um das neue Album zu präsentieren? Ihr habt ja erst vor ein paar Monaten in Deutschland gespielt; Wie waren die Reaktionen auf euren Auftritt und was für einen Eindruck haben die deutschen Metalfans auf euch gemacht?

Im Moment versuchen wir alles an Auftritten außerhalb Irlands zu ergattern. Wir sind recht bekannt in der irischen Metalszene und ziehen in den großen Städten eine gute Menge an Zuschauern an, aber wenn wir bekannter werden wollen, müssen wir mehr auf dem Festland, besonders in Deutschland spielen. Wir haben letztens auf dem Doom Shall Rise gespielt, welches großartig für uns lief. Wir haben unser erstes Festival letzten September beim Bloodstock in England gespielt und im Januar waren wir auf dem Heathen Crusade in den USA. Bei beiden Festivals erhielten wir ebenfalls sehr gute Resonanzen. Wenn es bei unseren zukünftigen Konzerten so weitergeht wie bisher, dürften wir uns so langsam wirklich eine ansehnliche Fanschar aufbauen.
Unser nächstes Festival ist das Day Of Darkness im Juli, bis dahin spielen wir einige Shows in Irland. Nach dem DOD haben wir ein paar weitere Festivals auf dem Programm und im Oktober eine weitere Tour in Irland. Dazwischen wollen wir irgendwie noch versuchen, ein neues Album zu schreiben, also ist in nächster Zeit viel Beschäftigung angesagt!

Das wär’s dann auch schon! Vielen Dank für das geduldige Beantworten der Fragen und ich wünsche euch und eurem neuen Album viel Erfolg! Die letzten Worte sind deine, Rob!

Danke für das wirklich interessante Interview und macht weiter so!
Slán agus Beannacht (Gesundheit und Segen)





geführt am 11.07.2007   von Gorlokk
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