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The Vision Bleak "Wolfsmenschen"
Wie bereits im Livereview zum Vision Bleak-Konzert vom 29.01.08 versprochen, folgt hier nun eine Abschrift des kleinen Plauschs, den ich an diesem Abend mit Schwadorf führen durfte. Lest selbst, was der kreative Kopf zu den Touraktivitäten und dem aktuellen Album der Band zu sagen hat, woran er so unter der Dusche denkt, ob ihm das Thema „Empyrium“ inzwischen zum Hals raushängt und was er von Paris Hilton und Slayer hält…
Weitere Infos zu The Vision Bleak:
REVIEWS:
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The Vision Bleak The Wolves Go Hunt Their Prey
The Vision Bleak Set Sail To Mystery
INTERVIEWS:
The Vision Bleak - Wolfsmenschen
The Vision Bleak - Metalglory-abc Mit Ulf Theodor Schwadorf!!!
The Vision Bleak - Die Neuen, Alten Vision Bleak


Direkt vor Konzertbeginn, kurz bevor Farsot den Reigen an diesem Abend eröffnen, sitze ich mit Schwadorf, seines Zeichens 50% der musikalischen und kreativen Einheit The Vision Bleak, in der nur schwach erleuchteten Lounge des Tourbusses und darf den guten Mann mit Fragen löchern.
Entspannt und gesprächig erzählt Schwadorf zunächst von ihrer vorherigen Tour, auf der sie zwar nur Vorgruppe waren, die sie aber an der Seite Therions quer durch Europa führte: „Obwohl wir auf der Tour sehr gut behandelt worden sind, mussten wir natürlich durch die harte Schule der Supportband gehen und hatten jeden Abend recht früh und nur eine halbe Stunde lang Soundcheck. Andererseits hatten wir durch diesen zeitlichen Ablauf gute Gelegenheiten, uns die entsprechenden Städte anzuschauen und viel zu sehen. In Osteuropa sind wir bisher nicht sehr viel unterwegs gewesen und so war es interessant, zum Beispiel Belgrad und Zagreb mal etwas näher kennenzulernen.“ Auch der Unterschied zu den mit Liveauftritten oft übersättigten deutschen Fans macht sich dort schnell bemerkbar: „Wir können uns natürlich nicht beklagen, wenn wir in Deutschland auf Tour sind, da unsere Fans eigentlich immer gut mitgehen. Ein gewisser Unterschied macht sich aber schon bemerkbar, da die Osteuropäer einfach nicht so viele Konzerte geboten bekommen und folglich über jede Band, die bei ihnen spielt, froh sind. Das hat sich daran gezeigt, dass sogar wir, die wir nur Support waren, immens abgefeiert wurden. Die Leute sind einfach etwas enthusiastischer.“ Der Promotionaspekt bleibt bei solch einer Tour natürlich nicht aus. So durften die Mannen jeden Abend vor einem Publikum von 800 – 1000 Leuten auftreten und in Ländern spielen, die sie wohl sonst nicht so schnell hätten bereisen könnten – unnötig zu erwähnen, dass da vermutlich nicht nur ein paar neue Fans gewonnen wurden!

Ein paar mehr neue Fans konnte man sich wahrscheinlich aber auch mit den letztjährigen Festivalauftritten auf dem Wacken und dem With Full Force erspielen, oder? „Ein Festivalauftritt ist immer eine zwiespältige Sache: Einerseits ist der Ablauf aufgrund der schnellen Umbauphase wesentlich streßiger und eine intime Clubatmosphäre wie auf unserer aktuellen Tour ist natürlich nicht zu erreichen. Andererseits bekommt man zwar aufgrund der räumlichen Distanz nicht dieselbe Energie vom Publikum entgegen geschleudert, allerdings war der Auftritt in dem prall gefüllten Zelt in Wacken zum Beispiel wahnsinnig gut. Auf dem With Full Force hatten wir leider das Problem, dass wir ja sehr kurzfristig für Crematory eingesprungen sind und viele Leute einfach nicht wussten, dass wir spielen. Full Force war insgesamt zwar ok, aber Wacken war wirklich unglaublich gut.“

Auch wenn das Marx fast ausverkauft ist, findet das Ganze heute jedoch in etwas kleineren Dimensionen statt. Dafür sind The Vision Bleak auf der „Carpathian Wolves“ Tour aber Headliner und haben mit Farsot und Negura Bunget starke Unterstützung dabei. Besonders die Rumänen haben es Schwadorf offensichtlich angetan: „Ich finde Negura Bunget wirklich sehr gut! Vor zehn Jahren wären sie vielleicht sogar einer meiner musikalischen Favoriten gewesen, da sie verdammt interessante und atmosphärische Musik machen, aber inzwischen ist diese Richtung nicht mehr das, was ich mir in meinem täglichen Leben zu Gemüte führe. Nichtsdestotrotz handelt es sich hier um eine klasse Band.“

Um ein klasse Album handelt es sich hingegen bei dem aktuellen Werk der Düstermetaller namens „The Wolves Go Hunt Their Prey“. Bereits im Vorfeld kamen im Internet Diskussionen auf, was das denn für ein unmöglicher Titel sei und ob es sich hier überhaupt um korrektes Englisch handle. Schwadorf zeigt sich davon unbeeindruckt: „Der Titel ist meines Erachtens sehr kraftvoll und trotzdem auch poetisch. Auch wenn er für manche vielleicht ungewohnt klingt, ist er hundertprozentig korrekt und die Leute, die sich ihre Kommentare dazu nicht verkneifen konnten, sollten vielleicht mal ihr eigenes Englisch überprüfen.“ Viel interessanter ist bezüglich des Albums, ob solch ein „alter Hase“ wie Schwadorf, der unglaublich viel Musik macht und produziert bei Studioaufnahmen noch unter Druck steht oder sich quasi alles von allein erledigt. „Über die Jahre hat das Ganze schon eine gewisse Routine bekommen, doch besonders beim Entstehen neuer Songs ist auch immer wieder Nervenkitzel mit im Spiel. Wenn wir uns zusammensetzen und aus den Fragmenten, die ich im Vorfeld aufgenommen habe neue Songs erschaffen, wenn ein Song sein Gefühl bekommt, diese Momente sind wirklich sehr kreativ. Doch auch die Routine hat ihre Vorteile, denn man lernt über die Zeit einfach, sein „Handwerkszeug“ besser zu beherrschen, als noch vor zehn Jahren. Heute kann ich Handwerk und Emotion unter einen Hut bekommen, während früher das Handwerk noch nicht so saß und die Musik von ihrer reinen Emotionalität lebte. Heute möchte und könnte ich das gar nicht mehr so machen.“ Eine klare Absage also an alle Nostalgiker, die immer noch hoffen, dass Schwadorf irgendwann doch noch zu den Wurzeln seines musikalischen Schaffens zurückkehren wird – in der einstigen Art und Weise wird dies wohl definitiv nicht mehr geschehen!

Was ebenfalls nicht geschehen wird, ist eine personelle Erweiterung der „Studioband“ The Vision Bleak. „Obwohl wir live ja zusätzliche Musiker dabei haben, ist das Verhältnis ganz klar, dass The Vision Bleak im Studio lediglich aus mir und Konstanz besteht, wir also auch für sämtliches Songwriting zuständig sind, während das Lineup live eben erweitert wird. Da werden sich auch keine Änderungen vollziehen!“, stellt der Mann von der Mosel unmissverständlich klar.

Ein großer Vorteil für das Duo und ihre Studioarbeit ist weiterhin, dass die „Klangschmiede Studio E“ - Tatort der Aufnahmen zu „The Wolves Go Hunt Their Prey“ - Schwadorf selbst gehört und somit zeitlicher und finanzieller Druck eher relativer Natur ist. „Wir waren zum Glück nicht wirklich fünf Monate lang jeden Tag acht Stunden im Studio. Das ist das Schöne an einem eigenen Studio: Wenn man Tage dabei hat, an denen man merkt, dass nichts geht und keine Energie da ist, lässt man es einfach mal sein. Wenn man ein Studio stattdessen für drei Wochen anmietet, kann man sich das nicht erlauben, denn dann muss man jeden Tag kreativ sein. Kreativität kann man meiner Meinung nach aber nicht erzwingen. Es ist einfach nicht schön, eine Platte mit dem Bewusstsein einzuspielen, dass man sich dabei nicht wirklich gut gefühlt und nicht das Beste herausgeholt hat. Dieses Problem können wir durch die Klangschmiede natürlich umgehen. Auf der anderen Seite ist die Gefahr da, dass man sich oft in Details verliert und nicht mehr aufhören kann, an einem Album zu arbeiten. Das wäre uns mit „The Wolves Go Hunt Their Prey“ beinahe – jedoch nicht im negativen Sinne – passiert, doch wir haben gerade noch so die Kurve gekriegt.“

Während sich die musikalischen Einflüsse auf dem aktuellen Silberling etwas mehr geweitet haben – des Öfteren finden knallharte Death oder Thrash Metal Riffs ihrem Einzug in die Songs -, sind The Vision Bleak ihrem textlichen Konzept auch diesmal wieder treu geblieben und es dreht sich alles weitestgehend um klassische Schauerliteratur und Phantastik, auch wenn diesmal kein Konzept im Hintergrund steht: „Im Gegensatz zur ‚Carpathia’, wo von Anfang an klar war, dass wir ein Konzeptalbum aufnehmen werden, stand diesmal kein eindeutiges Thema vor den Aufnahmen fest“, erinnert sich Schwadorf. „Die Texte für die meisten Songs entwickelten sich aus der Stimmung eben jener, während lediglich für die ‚Black Pharaoh Trilogy’ bereits vorher Texte standen. Hier bildet wieder H.P. Lovecraft die Basis, doch der schwarze Pharao Nephren-Ka wird von ihm lediglich am Rande erwähnt. Aus den vorhandenen Fragmenten erbauten wir dann die auf dem Album zu hörende Trilogie. Allein der Klang des Namens ‚Nephren-Ka’ weckte in mir sofort Bilder und Assoziationen, die eine Linie vorgaben, wie diese Geschichte zu entwickeln sei.“

Gewisse Assoziationen soll auch das für „The Wolves Go Hunt Their Prey“ ausgewählte Coverbild wecken, das dereinst von Schwadorf via eBay ersteigert wurde und bei ihm zu Hause an der Wand hängt: „ Eigentlich ist das eine ganz profane Geschichte, wie wir auf die Auswahl des Covers gekommen sind: Ich stand unter der Dusche und dachte über einen möglichen Plattentitel nach, als mir schließlich die Zeile ‚The wolves go hunt their prey’ aus ‚Carpathia’ in den Sinn kam und mir bewusst wurde, was für ein passender Titel dies für das kommende Album wäre, da es in gewisser Weise auch eine Kampfansage ist. ‚The Wolves’ könnte man mit uns gleichsetzen, während ‚their prey’ dann zum Beispiel unser Publikum wäre. Relativ zeitgleich kam mir dann das Bild in meinem Wohnzimmer in den Kopf, auf dem zwei Wölfe und das Rotkäppchen abgebildet sind. Hier kann man ebenfalls wieder interpretieren, dass wir die zwei Wölfe auf der Jagd sind – auch wenn der eine Wolf eigentlich ein Weibchen ist, aber so haarspalterisch wollen wir mal nicht sein“, führt der vermeintliche Wolf in Menschengestalt lachend aus.

Ein Thema über das Schwadorf nicht mehr wirklich lachen kann, ist für ihn sein ehemaliges musikalisches Projekt „Empyrium“ geworden. Immer wieder wird er sowohl von Fans als auch Journalisten auf dieses Kapitel seines Lebens angesprochen und noch immer fordert eine große Menge von Musikliebhabern eine Fortsetzung des romantisch-folkloristischen Schaffens. Angesichts der vor etwas mehr als einem Jahr erschienenen „A Retrospective“, quasi einer „Best of Empyrium“, komme auch ich leider nicht drum herum, Schwadorf zu fragen, ob er mit dieser Veröffentlichung zufrieden ist. „Ich bin damit sehr zufrieden! Lustigerweise kamen dem Stefan, der die zugehörige Biographie geschrieben hat, und mir fast zeitgleich die Idee zu solch einer Veröffentlichung, die einfach den Hintergrund der Band beleuchten und eigentlich auch einen Schlußstrich unter das Thema setzen sollte“, erklärt Schwadorf lachend. „Ich dachte, dass solch ein Offenlegen all die Fragen, die noch im Raum standen vielleicht beantworten würde. Stattdessen wurden die Spekulationen und Diskussionen aber nur wieder neu entfacht.“ Mit solch einer Erklärung und dem betonten „Schlußstrich“ dürfte Schwadorf in Zukunft hoffentlich etwas mehr Ruhe zum Thema „Empyrium“ bekommen.

Als leichte Auflockerung und zum Ausklang des Gesprächs folgte schließlich noch das beliebte Stichwort-Assoziations-Spielchen, das ich zum Schluß einfach unkommentiert wiedergeben möchte:
Wald: „Entspannung… und Pilze sammeln!“ Na, was denn für Pilze? „Essbare natürlich!“ (lacht)
Wolf: „Archetyp. Das Tier im Menschen.“
Vision: „Vision? Schlechte Musikzeitschrift.“ (lacht)
Prophecy: „Ein sehr gutes Plattenlabel.“
Slayer: „Die finsterste Metalband der Welt. Ich habe noch nie eine finsterere Band gehört.“ Auch die beste? „Nein, ach so etwas ist eigentlich gar nicht zu bestimmen, weil das so subjektiv ist. Wie will man so etwas festmachen? Ich will und kann mich da nicht festlegen.“
Paris Hilton: „Paris Hilton? Was fällt einem zu der ein? Vielleicht ‚Schabracke’.“ (lacht)
Tattoos: „Erinnerung.“ Hast Du schon mal eine Tätowierung bereut? „Nein, überhaupt nicht, weil alles Sinn macht, was ich mir tätowieren lasse. Alles was ich an Tattoos habe, bedeutet mir etwas und hat zumindest in der entsprechenden Zeit absolut gepasst.“


Nach diesem entspannten Ausklang wurde es auch schon Zeit für mich, in die Halle zurückzueilen, denn Farsot sollten jeden Moment mit ihrem Auftritt beginnen.
Mein bester Dank geht hier noch einmal an Schwadorf für das interessante Gespräch und Arturek, der im Vorfeld des Interviews nicht wenige Fragen hinzusteuerte.




geführt am 13.02.2008   von Gorlokk
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