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Stuck Mojo "Die Welt Ist Nicht Schwarz-weiß"
Hier findet ihr nun endlich das bereits angekündigte Interview mit Rich Ward von STUCK MOJO, das wir im Umfeld ihres Auftritts in Hamburg führten und trotz der immer noch enormen Länge bereits gekürzt werden musste. Für meinen Teil, habe ich selten solch sympathische, bodenständige und offene Musiker getroffen wie die fünf Jungs von STUCK MOJO. Lest aber einfach selbst, was Mr. Ward über die aktuelle Metalszene denkt, was er so für interessante Infos über Plattenverträge verriet, was seine Einstellungen zu Politik, Religion und Umwelt sind und warum die Herren auch ab und zu mal eine Todesdrohung erhalten...
Weitere Infos zu Stuck Mojo:
REVIEWS:
Stuck Mojo Southern Born Killers
Stuck Mojo The Great Revival
INTERVIEWS:
Stuck Mojo - Die Welt Ist Nicht Schwarz-weiß
Stuck Mojo - The Great Revival - Rich Ward Zum Kommenden Album

Also Rich, du hast uns eben schon erzählt, dass ihr fit und guter Dinge seid. Wie bekommt ihr das hin, obwohl ihr seit bereits 3 Wochen ohne einen einzigen Day-Off auf Tour seid?
Das ist eigentlich gar kein großes Problem, da wir ja jeden Abend nur 45 Minuten spielen. Damals haben wir mit Stuck Mojo ungefähr 300 Konzerte pro Jahr gespielt und daher sind wir daran gewöhnt nur aus dem Koffer zu leben. Ich persönlich denke, dass ich im Moment in einer körperlichen Verfassung bin, die niemals zuvor so gut war: Ich habe im Vorfeld der Tour viel trainiert – Spring-, Lauf- und Ausdauertraining – und habe jetzt nicht mehr die Probleme mit meinem Nacken und Rücken, die ich sonst durch das Springen mit der Gitarre auf der Bühne bekommen habe. Die Oldtimer sind einfach nicht totzukriegen, hahaha!

Wie fühlt es sich denn an, nach drei Jahren wieder in Europa zu touren? Wie sind die Publikumsreaktionen bisher ausgefallen?
Großartig! Viele der alten Mojo-Fans befanden sich anfangs in einer abwartenden Haltung, da wir mit unserem neuen Sänger Lord Nelson ja eine gewichtige Veränderung im Lineup haben. Sie sind gespannt, wie er auf der Bühne wirkt und wie die ganzen alten Songs mit ihm klingen, daher wird beim ersten Song noch etwas zurückhaltend beobachtet, beim zweiten Song fällt dann langsam der Groschen und beim dritten ist es, als ob nie etwas gewesen wäre.
In der Vergangenheit ist es vielleicht dem ein oder anderen Fan aufgefallen, dass bisweilen die Kameradschaft in der Band etwas fehlte und inzwischen ist es glücklicherweise so, dass einfach fünf Typen, die sehr gut miteinander befreundet sind eine großartige Zeit zusammen haben und zufälligerweise in derselben Band spielen. Es gibt keine Spannungen mehr und das hat unser Auftreten wirklich verbessert und erleichtert uns zudem die Situation eine lange Zeit so weit weg von anderen Freunden und der Familie zu sein.

Gibt es denn in deinem Kopf einen Unterschied, ob du in einem kleinen Club spielst oder wie damals 1996/98 auf dem Dynamo vor 120.000 Menschen?
Ehrlich gesagt: Nein! Denn egal wie viele Fans vor der Bühne stehen, muss man es einfach jedem einzelnen hoch anrechnen, dass er zu dem Auftritt gekommen ist. Wenn nur 40 Leute zu deiner Show kommen, dann sind das trotzdem 40 richtige Fans, die dafür respektiert gehören und etwas für ihr Geld sehen wollen! Wir versuchen also generell immer das Beste zu geben, auch wenn das bei solch großen Festivalshows manchmal noch extremer ausfällt, da die Energie, die von solch einer Menschenmasse ausgeht einfach unglaublich ist.

Du hast ja eben schon die neue Band-Konstellation erwähnt. Wer sind denn die neuen Gesichter in der Mojo-Crew und wie ist es zu der Zusammenarbeit mit ihnen gekommen?
Nun, ich fange einfach mal mit unserem neuen Drummer Steve an. Steve kenne ich seit ca. einem Jahr. Ich wurde von Morgan von SEVENDUST gefragt, ob ich nicht bei einer Band namens SANDFROG, die er gerade produzierte im Studio an der Gitarre einspringen könnte.
Das Tolle dabei war jedenfalls, dass – ob Schicksal oder nicht – bei diesem Projekt Steve die Drums spielte und mir sein Drumming damals schon gefiel. Als unser alter Drummer uns dann nur einen Monat vor dieser Tour mitteilte, dass er einen neuen Job hat und lieber bei diesem bleiben möchte, sind wir nach der anfänglichen Panik schließlich wieder bei Steve gelandet. Obwohl wir nur sechsmal proben konnten, war er sehr gut vorbereitet und professionell und nach nur ein paar Shows war es, als ob er seit Jahren in der Band ist.

Ich bin zwar mit Bands wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST, ACCEPT und den SCORPIONS aufgewachsen, wollte aber selber nie einen zweiten Gitarristen in der Band haben. Inzwischen wurde das aber notwendig, da wir immer mehr Musik schrieben, die mehrstimmige Gitarrenparts beinhaltete und wir sonst auf Backingtracks hätten zurückgreifen müssen. Mike Martin hat bereits bei FOZZY Gitarre gespielt und da er einer meiner besten Freunde und ein klasse Gitarrist ist, war die Wahl ganz selbstverständlich.

Lord Nelson schließlich ist ein begnadeter Künstler. Er hat eine ganz eigene Art mit Worten umzugehen und man kann bestens mit ihm zusammenarbeiten. Wenn man an Reinkarnation glaubt, dann war Nelson in seinem früheren Leben definitiv in einer Band, denn für jemanden, der noch nie in einer Band war, noch nie Rockmusik gemacht hat und auch noch nie getourt ist, ist er einfach ein Naturtalent. Er wächst mit jedem Tag der Tour.

Sprechen wir etwas über euer aktuelles Album „Southern Born Killers“. Ihr habt das gute Stück ja eigentlich damals komplett unabhängig über Eigenvertrieb veröffentlicht, da ihr von Labels die Schnauze voll hattet. Man konnte das Album kostenlos runterladen oder wenn man wollte die CD inkl. Bonus-DVD direkt bei euch ordern. Wie kommt es dazu, dass ihr mit Napalm Records jetzt doch wieder die Zusammenarbeit mit einem Label eingegangen seid?
Eigentlich war das Alles nur eine Frage von Kompromissen. Wie weit waren wir willens und dickköpfig genug, um bei keinem Label zu unterschreiben, damit aber auch keine Möglichkeit zum Touren und zum Spielen auf Festivals zu haben?
Wir haben in der Vergangenheit so viele schlechte Plattenverträge gehabt! Sogar die, welche auf dem Papier gut aussahen waren im Endeffekt beschissen, weil wir nie Geld für sie gesehen haben! Wir haben noch locker über 200.000 Dollar ausstehen von Labels, die wir aber vermutlich nie sehen werden… Und wir fragten uns: „Ist es das alles wert? Seine Musik Leuten zu schenken, die dich nicht respektieren und dein Geld stehlen?“ Die meisten Labels interessieren sich doch sowieso nicht für ihre Bands, das ist alles nur Business: „Wir verkaufen dieses Produkt. (stellt eine Getränkedose auf den Tisch) Hey, die Leute mögen dieses Produkt nicht… Dann verkaufen wir einfach dieses Produkt. (stellt eine andere Dose daneben)“ Bands sind für die Industrie so austauschbar! So sind wir auf die Idee gekommen, das Album unabhängig und selbst zu veröffentlichen, was eine aufbauende Erfahrung für uns war. Wir hatten die komplette Kontrolle über einfach alles und die Fans wussten, dass das Geld direkt an uns geht und nicht irgendwo unterwegs verschwindet. Stuck Mojo sind aber schon immer zu fünfzig Prozent eine Band gewesen, die viel live spielt, daher lag plötzlich eine Hälfte des Bandlebens brach. Es wurde also Zeit, dass wir unsere Seelen doch wieder verkauften.
Die meisten Labels mit denen wir uns unterhielten wollten die Rechte am Publishing und Merchandise: 75% der Merchandise-Einnahmen und 50% der Publishing-Einnahmen gehen an das Label. Das ist ein ganz normaler Standard-Plattenvertrag, wie ihn Century Media, Nuclear Blast, Roadrunner etc. alle im Gepäck haben. Mit Napalm verhandelten wir 3 Monate lang wie bei einem Tennisspiel. Sie machten ein Angebot, wir machten ein Gegenangebot, sie machten wieder ein Gegenangebot usw. bis der Ball schließlich irgendwo in der Mitte liegen blieb, wo wir mit dem Ergebnis klarkamen: Wir bekommen von Napalm kein Geld, dafür haben wir aber die volle Kontrolle über Merchandise und Publishing. Da wir vorher ja auch nie Geld gesehen haben, war das also keine große Veränderung für uns (Gelächter), die Kontrolle über unsere Musik und unser Merchandising ist uns aber sehr wichtig und von daher war dies ein zufriedenstellender Kompromiss.

Dann seid ihr bis jetzt also mit Napalm zufrieden?
Ich habe absolut keine Ahnung! Ich habe nur einmal für ca. fünf Minuten jemanden von der Firma getroffen, der sehr ruhig und zurückhaltend war.

Promotiontechnisch sieht das gar nicht so schlecht aus: Eure Scheibe wird in Anzeigen in allen großen Magazinen mit beworben und das Album wird für einen sehr fairen Preis verkauft.
Das ist gut zu hören, denn ich weiß leider gar nichts darüber. Ich bin positiv an die Beziehung herangegangen, habe aber sonst noch nichts Positives oder Negatives gehört.
Ich glaube, der Eigentümer von Napalm mag uns musikalisch nicht wirklich…

Ja, ihr fallt auch musikalisch ganz schön aus dem sonstigen Napalm-Angebot raus!
Das ist doch genau das Gleiche wie damals, als wir bei Century Media unterschrieben und niemand verstand, was wir auf einem Label zwischen lauter Black und Death Metal Bands wollen. Ich denke, dass es durchaus Vorteile hat, auf einem Label musikalisch herauszustechen. Wir hätten auch zu einem Crossover-Label gehen können, das sich mehr in Richtung Hip Hop orientiert, aber ich mag ja nicht mal Crossover! Ich bin Metaller, wir sind eine Metal-Band und wir wollen auch in diesem Bereich angesiedelt werden. Wir haben mit Bands wie MACHINE HEAD, PANTERA, STRAPPING YOUNG LAD und LIFE OF AGONY getourt und nicht mit LIMP BIZKIT oder (HED) P.E. Beim normalen Crossover-Publikum kommen wir nicht mal wirklich gut an, dafür passen wir aber zu jeder Art von Metalpublikum. Als wir mit TYPE O NEGATIVE auf Tour gingen fragten uns die Leute: „Type O Negative? Seid ihr da sicher? Da sind doch nur Goth-Kids!“ Und die Leute sind jeden Abend ausgeflippt! Das Gleiche war’s bei TESTAMENT: „Testament? 80er Thrash?“ Und die Leute sind jeden Abend ausgeflippt! Guckt es euch heute Abend an: Da werden einige Ektomorf-Fans sein, die am Anfang mit verschränkten Armen dastehen und finster gucken…

Rich demonstriert an dieser Stelle eindrucksvoll, wie Ektomorf-Fans anscheinend oft im Verlauf der ersten vier Songs auf Stuck Mojo reagieren: Zuerst finsteres Gucken und verschränkte Arme, dann vorsichtiges Mitwippen, schließlich amtliches Abrocken. Die schauspielerische Leistung führt zu allgemeinem Gelächter im Bus.

Man muß einfach nur bescheiden sein und den Leuten vor der Bühne klarmachen: „Danke, dass ihr uns eine Chance gebt!“ Denn wenn wir eins in all den Jahren gelernt haben, dann ist das, dass man ein Publikum nicht dafür bestrafen kann, wenn es einen nicht mag. Sie bezahlen eine Menge Geld, um zu dem Konzert zu kommen, also liegt der Rest bei ihnen. Wir können nur kontrollieren, wie sehr wir das Publikum für uns einnehmen wollen und unser Motto lautet da: „Wir bringen uns auf der Bühne dafür um, damit ihr uns mögt!“ Und das ist es, was wir jeden Abend machen. Besonders in Deutschland wollen wir wieder Fans dazugewinnen, die uns vielleicht nicht von damals kennen und dafür ist diese Tour mit EKTOMORF, die hier ja eine gute Fanbase haben eine gute Gelegenheit. Dafür eröffnen wir sogar für EKTOMORF in Ländern, in denen die Läden hauptsächlich wegen uns ausverkauft sind…
Im Oktober werden wir vielleicht als Support von VOLBEAT wiederkommen und da handelt es sich um eine ganz andere Band, die ein anderes Publikum zieht und wo wir uns wieder neuen Leuten vorstellen können. Das ist es also, was wir im Moment versuchen und warum das Touren so wichtig und der damit verbundene Plattenvertrag notwendig ist.

Kommen wir nach diesem Exkurs noch mal zurück zu „Southern Born Killers“. Das Album ist in meinen Augen sehr emotional geworden: Melancholie, Wut, Stolz und noch mehr findet man in den Songs. Würdest du zustimmen, dass „Southern Born Killers“ musikalisch und textlich quasi die Essenz von Stuck Mojo darstellt?
Absolut! Die „Declaration of a Headhunter“ war ein sehr wütendes Album, da ich zu jener Zeit gerade anfing, mich tiefgehender mit Politik zu beschäftigen und verdammt wütend darüber war, was so in der Politik geschah. Dazu kam, dass Bonz und ich in dieser Zeit nicht mal miteinander sprachen. Die „Snappin’ Necks“ hingegen war damals recht funky, während die aggressive „Pigwalk“ leichte Industrial-Anleihen hatte und „Rising“ den Southern Rock mit einbrachte. „Southern Born Killers“ vereint all diese Aspekte und ist daher für den Stil der Band wohl unser repräsentativstes Album im Moment.

Du hast ja eben schon selber dein Interesse an Politik angesprochen, bleiben wir also doch gleich dabei: Um euren Song „Open Season“ gab es ja so einige Diskussionen und Kontroversen, richtig?
Ja, das ist richtig. Als wir den Song geschrieben und das Video gedreht haben, dachte ich eigentlich nicht, dass der Song kontrovers sei. Wir sprechen darin aber nicht generell vom Islam, sondern nur vom Jihad. Ich habe mich immer gefragt, warum Bands nie Songs darüber schrieben oder darüber sprachen, sondern stattdessen sagten: „George Bush ist ein Nazi“ oder „Der Krieg in Irak ist falsch“ oder was auch immer. Sie sprachen über alle möglichen politischen Dinge, aber nie darüber, wie gefährlich der radikale Islam ist. Über das Christentum werden tausende Songs geschrieben, Skandinavien scheint aus einer riesigen Super-Band zu bestehen, die davon spricht, wie beschissen das Christentum sei (allgemeines Gelächter) und jeder stimmt zu und sagt: „Ja, Jesus war so schlecht!“ Aber war er das wirklich? Er hat ein paar gute Sachen gemacht… Wir sind keine „Bible Thumpers“ (Anm.d.Red.: amerik. Ausdruck für fundamentalistische Christen), aber ich denke, dass Religion für viele Menschen sehr wichtig ist und damit meine ich alle verschiedenen Religionen!

Also Spiritualität im Allgemeinen?
So ist es. Wenn jemand etwas für sich Gutes in einer Religion (oder im Atheismus) findet, dann respektiere ich das. Ich denke, dass genau das die eigentliche Botschaft von Jesus war: „Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Frieden in Gott findest, aber falls nicht, dann eben nicht. Viel Glück! Willst Du etwas Fisch?“ (Gelächter) Das ist für mich sogar die Botschaft der meisten Religionen, ihre eigentliche Kernaussage.
Wenn jetzt der Papst eine Armee aufstellen ließe und allen Nicht-Katholiken den Krieg erklärte, würden die Leute verdammt noch mal durchdrehen! Stattdessen hat man aber 5-10% der islamisch Gläubigen, die einen militanten Flügel fernab der modernen islamischen Lehren gebildet haben und erklären, dass sie dich zu ihrem Glauben bekehren oder töten wollen. Jedes mal wenn man AK-47s und Gott miteinander mixt, befindet man sich definitiv auf dem falschen Weg!
Die Aussage von „Open Season“ ist ganz einfach, dass wenn ihr euch in Ägypten oder wo auch immer über den Tod im Jihad unterhalten wollt, dann ist das ok. Wenn ihr aber hier wo ich lebe auftaucht und mit euren Gewehren und Mörsern rumballert, dann werden ich und meine Nachbarn unsere Waffen aufnehmen und euch töten. Das hat nichts mit einer Kriegserklärung zu tun, sondern vielmehr mit einer Verteidigungshaltung gegen den Jihad!

Ich glaube, dass wir über die Jahre schon oft falsch verstanden wurden und mir nachgesagt wurde, dass ich rechtsextreme Einstellungen hätte. Das ist aber absolut nicht der Fall! Wenn es eine Linie zwischen Liberalen und Konservativen geben würde, wäre ich vermutlich etwas mehr auf der Seite der Konservativen, das heißt aber noch gar nichts, denn es gibt so viele Graubereiche dazwischen. Das größte Problem das ich mit den Liberalen habe ist, dass sie diese „Entweder für mich oder gegen mich“-Einstellung haben. Wenn man nur einem Punkt ihres Ideenbündels nicht zustimmt, ist man sofort ein böser Konservativer. Statt aber darüber zu reden, in welchen Bereichen man gemeinsame Vorstellungen hat – und ich denke, dass ein Großteil politischer Diskussionen eine gemeinsame Schnittmenge hat und nur die Lösungsansätze verschieden sind – wird ständig nur über die Unterschiede diskutiert und keine gemeinsame Lösung erarbeitet. Die Menschen machen sich zu viele Gedanken über Unterschiede anstatt über Gemeinsamkeiten.

Hattet ihr denn wegen dieser Geschichte Bedenken auf Tour zu gehen? Gab es irgendwelche Probleme oder Proteste?
Nein, gar keine. Wir haben ein paar Todesdrohungen erhalten, die aber wohl alle nicht ernst zu nehmen waren. Eine große muslimische Organisation in Amerika veröffentlichte eine Pressemitteilung gegen uns… Im Gegenzug haben wir aber haufenweise Dankesmails von Muslimen bekommen, die der gleichen Meinung über den Jihad sind, sich aber nicht trauen, öffentlich für diese Meinung in ihrer Gemeinschaft einzustehen.

Ein weiterer Hammer-Song auf eurem aktuellen Album ist „Metal is dead“, in welchem gehörig über die aktuelle Metal- aber auch Rapszene geschimpft wird. Was genau regt dich an der heutigen Metalszene denn so sehr auf?
Das ist die Tatsache, dass momentan die Möglichkeit besteht, eine Erfahrung wie in den Spätachzigern zu wiederholen, als der Metal sich selbst tötete. Wenn eine Hair-Metal-Band groß raus kam, wollten plötzlich alle anderen Bands genauso klingen und genauso aussehen. Heute wollen plötzlich alle wie KILLSWITCH ENGAGE oder TRIVIUM klingen und wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Gefahr besteht, dass sich der Metal dasselbe antut, wie es der Hip Hop getan hat: Überall geht es nur noch um Frauen mit dicken Hintern und hoch- und runterspringende Autos, es fehlt aber sämtlicher Inhalt in der Musik und stattdessen wird nur noch imitiert und kopiert. Es werden einfach keine neuen Samen mehr gepflanzt, aus denen etwas Großes heranwachsen kann.
Damals erschien plötzlich Kurt Cobain auf der Bildfläche und sagte: „Hey, ich habe kein Bock auf dieses Kopieren.“ Ich persönlich war sehr traurig, weil der Metal drei oder vier Jahre lang quasi tot war, bis Bands wie MACHINE HEAD und FEAR FACTORY die Metalszene glücklicherweise wiederbelebten. Ich habe einfach Angst, dass wir auf eine Zeit zusteuern, in welcher Bands klingen und aussehen, als ob sie alle mit der gleichen Plätzchenform ausgestochen worden sind und die Szene nur noch eine homogene Masse ist. Davon handelt der Song.

Gibt es denn neuere Bands, die du gut findest oder vielleicht empfehlen würdest?
Nun, sie sind nicht wirklich neu, aber ich liebe SYMPHONY X. Ansonsten mag ich Bands, die gute Musiker haben aber auch gute Riffs und sowohl Melodie als auch Aggression in ihre Musik einfließen lassen, wie z.B. IN FLAMES, SOILWORK, STRAPPING YOUNG LAD…
Mit neuerer Musik ist das etwas schwieriger, da ich nicht so viel Neues höre. Wenn man permanent am Musikschreiben ist, ist man auch besorgt, dass wenn man eine neue Band oder Scheibe entdeckt und diese ständig hört, eventuell unterbewusst davon beeinflusst werden könnte und plötzlich etwas sehr ähnliches schreibt. Daher höre ich relativ viel älteres Zeug: 80er Metal, SEPULTURA, „Master of Puppets“… die Klassiker eben. Das heißt allerdings nicht, dass ich kein Interesse daran habe, neue Bands kennenzulernen!

Du hast es mit deinen unterschiedlichen Bands (STUCK MOJO, FOZZY, THE DUKE, SICK SPEED) ja auch relativ gut, verschiedene Aspekte deines persönlichen Musikgeschmacks in den entsprechenden Bands ausleben zu können.
Ja, das ist richtig. Das nächste Mojo-Album wird im Vergleich zu „Southern Born Killers“ ganz klar eine Evolution darstellen, wenn auch keine zu große. Es werden heavy Songs wie „Metal is dead“ darauf zu finden sein, aber auch groovy Sachen wie „That’s when I burn“ und Southern Rock wie bei „Southern Born Killers“ und „Rising“ wird zum Zuge kommen – eine gute Mischung eben.

An dieser Stelle stößt Tourmanager „Toad“ dazu und hat mit Rich etwas Dringendes zu klären und auch wir müssen langsam ins Marx, da wir die Zeit komplett aus den Augen verloren haben und bereits den Anfang der ersten Vorgruppe TENSIDE verpassen. Wir verabreden uns zur Fortsetzung des Interviews kurzerhand für nach der Show und treffen uns schließlich im Bandbus wieder…

Rich, im Gegensatz zu eurem letzten Auftritt 2005 im Logo, wo ihr viel von der „Declaration of a Headhunter“ gespielt habt, gab es heute Abend mehr von der „Rising“ und ein paar ältere Songs zu hören...
Ja, wir hatten nach einigem Internet-Feedback den Eindruck, dass die meisten Mojo-Fans in der „Rising“-Ära auf uns aufmerksam geworden sind. Da wir ja nur mit einem kurzen Set als Supportact unterwegs sind, wollten wir den Schwerpunkt auf Songs legen, die auch die meisten Leute kennen würden. Obwohl die „Declaration...“ eine meiner Lieblingsscheiben ist (Anm.d.Red.: Wir schließen uns an...), fordern die Fans meistens ältere Songs, wenn wir zu viel von den letzten beiden Alben spielen. Wir packen immer mehr Songs auf die Playlist als wir in der Zeit eigentlich spielen können und ich wäge dann in Hinsicht auf das Publikum ab, was besser ankommen könnte: alte oder neue Songs. Heute Abend waren es die älteren Songs, wobei uns natürlich die Technik mit den fehlenden Backingtracks für „Open Season“ und „That’s when I burn“ auch noch einen Strich durch die Rechnung machte. (Anm.d.Red.: siehe Livereview)

Kommen wir noch mal auf die Songs von „Southern Born Killers“ zu sprechen. Einer meiner Lieblingssongs ist „The Sky is falling“, in dem es um die Rache der Natur an der Menschheit geht. Würdest du dich selbst als ökologisch denkenden Menschen bezeichnen?
Ich bin der Meinung, dass es unsere Aufgabe ist, gute Wächter für die Natur abzugeben. Ich habe aber ein Problem mit einigen Leuten, die die Natur auf Kosten der Zivilisation beschützen wollen. In Haiti z.B. gab es diese Diskussion über ein Pestizid gegen Moskitos, das die Verbreitung von Malaria hätte eindämmen können und so zehntausende Leben hätte retten können. Stattdessen sprachen sich Umweltschützer aber dagegen aus, weil die Verwendung des Pestizids zeitweise einen Einfluß auf die Umwelt dort gehabt hätte. Ich denke, dass hier eine Balance gefunden werden muss, wie wir einerseits die Natur beschützen und andererseits das Beste für die Menschen tun können. Prinzipiell glaube ich einfach, dass einige Ideen von Naturschützern nur an der Oberfläche des Problems kratzen und nicht vollkommen durchdacht sind, denn komplexe Probleme benötigen komplexe Lösungen. Egal um welches Thema es geht, ob Politik, Religion oder Umweltschutz, gibt es einfach so viele Faktoren und Variablen zu beachten, dass man nicht immer sofort von der logischsten Antwort ausgehen kann. Auch ich behaupte nicht, dass ich alles weiß und auf alles eine Antwort habe, stattdessen versuche ich mich aber weitreichend zu informieren und mir ein eigenes Bild zu machen. Schließlich bin ich am Ende doch einfach nur ein Musiker und kein Experte.
Ich bin aber der Überzeugung, dass es die Aufgabe von jedem einzelnen von uns ist, die Erde besser zu hinterlassen als wir sie vorgefunden haben. Dafür sind Regierungen nicht unbedingt die richtige Lösung, sondern vielmehr das persönliche Verhalten jedes Individuums.

Im Endeffekt ist es also wie du vorhin schon zur Politik ausführtest: Man darf nicht alles nur schwarz-weiß sehen, sondern muss auch die vielen Grautöne dazwischen erkennen können.
Ganz genau, denn es gibt einfach keine schwarz-weißen Antworten. Das ist wie mit dem Irakkrieg: Am Anfang war ich sehr dafür, in den Irak zu gehen und Saddam Hussein abzusetzen. Ich war lediglich der Meinung, dass wir viele Fehler gemacht und den Krieg schlecht geführt haben. Aber mal ganz ehrlich: Wie anmaßend ist es von mir, einem Gitarristen, so etwas beurteilen zu wollen? Wir bekommen ja unsere Informationen auch nur über die Medien, welche dann bereits selektiert und interpretiert sind und werden nie die Möglichkeit haben, einen Blick in die wichtigen politischen und militärischen Dokumente zu werfen. Das Beste was wir hier tun können, ist offen zu sein und im Kopf zu behalten, dass alle Menschen Schwächen und Fehler haben und dass sich unsere Politiker in diesem Punkt kein Deut von uns unterscheiden. Hier gilt es dann, aus unseren Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen.

So kommen wir langsam zum Ende, Rich. Was gibt es denn als nächstes aus dem „House of the Ward“ zu erwarten?
Also zunächst arbeite ich immer noch an dem „SICK SPEED“-Boxset, zu dem nur noch der Videoteil fehlt, die Audioaufnahmen sind alle fertig. Die FOZZY-Aufnahmen „Live in Sydney“ müssen nur noch gemixt werden, sind aber ansonsten ebenfalls fertig und werden irgendwann im Sommer/Spätsommer erscheinen. Mit einem neuen STUCK MOJO-Album ist wahrscheinlich schon im Oktober, spätestens November zu rechnen. Für THE DUKE habe ich auch schon wieder sehr viele Songs geschrieben, da Spitfire Records aber verkauft wurde, habe ich erstmal kein Label dafür. Das Fertigstellen eines Albums würde wahrscheinlich nur vier oder fünf Wochen dauern, aber im Moment hat STUCK MOJO einfach oberste Priorität.
Die Veröffentlichung eines neuen THE DUKE Albums ist aber im Endeffekt nur noch eine Frage der Zeit. Mikes nächstes Soloalbum steht vermutlich Anfang nächsten Jahres an, aber wie gesagt, müssen momentan erstmal alle Nebenprojekte für STUCK MOJO hinten anstehen. Es ist immer besser, wenn man sich auf eine Band zurzeit konzentriert, da sonst alle Bands darunter leiden.

Danach wurde noch munter weiter über Musik geplaudert, unter anderem wie großartig PINK FLOYD sind, Börbel fachsimpelte mit Rich und den inzwischen dazugekommenen Mike und Sean über Peter Gabriel und Rich verriet noch eine interessante Idee, die er schon seit einiger Zeit mit sich herumträgt...

Ich würde gerne noch mal ein STUCK MOJO Album mit zwei verschiedenen Seiten machen: Eine Seite, die eine starke Rock-, Party- und Spaßatmosphäre vermittelt, im Stile von „Home“ und eine, die sehr düster und aggressiv ist. Die zwei Seiten der Band also, nur diesmal ganz klar musikalisch und thematisch voneinander getrennt, vielleicht auch im 2-CD-Format. Wir haben da bereits drüber gesprochen und früher wäre das nicht so einfach machbar gewesen, doch mit der neuen Bandbesetzung und Eric Frampton am Keyboard haben wir so viel mehr musikalische Möglichkeiten. Mal sehen, was sich da in Zukunft verwirklichen lassen wird...

Das hört sich ja schon mal sehr vielversprechend und spannend an. Wir bleiben für euch auf jeden Fall am Ball und werden Rich dazu weiter ausquetschen, wenn es zur Tour mit VOLBEAT hoffentlich ein Wiedersehen gibt.

Best Thanks wie immer an Börbel, der einige der verwendeten Bilder hinzusteuerte und mit dem ich das Interview zusammen geführt habe.




geführt am 07.04.2008   von Gorlokk
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