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Holy Moses "Einmal Metalfan, Immer Metalfan!"
Eigentlich war das Interview mit Sabina Classen schon zum Release der neuen HOLY MOSES Langrille "Agony of Death" geplant. Aufgrund diverser Terminkollisionen fand man aber erst auf der Party zu Doro's 25 jährigen Bühnejubiläum Zeit zum gemeinsamen Interview. In entspannter Atmosphäre entwickelte sich dann aber schnell ein gemütlicher Talk....
Weitere Infos zu Holy Moses:
REVIEWS:
Holy Moses Strength, Power, Will, Passion
Holy Moses Disorder Of The Order
Holy Moses Agony Of Death
Holy Moses 30th Anniversary In The Power Of Now
Holy Moses Redifined Mayhem
INTERVIEWS:
Holy Moses - Einmal Metalfan, Immer Metalfan!

Hi, Sabina! Endlich hat es dann, nach einigen Terminschwierigkeiten doch geklappt mit unserem Interview. Wir sitzen hier im „Warm-Up Room“ bei Doro’s Jubiläumsshow. 25 Jahre Doro in Rock heißt auch mehr oder weniger 25 Jahre Sabina Classen in Rock, oder?
[lacht] 27 Jahre sogar! – Von 1981 bis 2008…

Oh, verdammt, stimmt. Naja, wie hast du die 27 Jahre erlebt? Gibt es besonders lebendige Erinnerungen?
Unheimlich Viele sogar. Eine absolut tolle Zeit. Egal ob das Doro mit 25 Jahren, die Mädels von Girlschool mit 30 Jahren oder wir mit 27 Jahren. Es ist ja überhaupt schon klasse, dass die Fans uns überhaupt schon so lange und treu unterstützen. Denn nur deswegen haben wir überhaupt die Chance das zu machen. Das liegt ja nicht nur an uns, sondern an der Gemeinschaft im Metal an sich. Einmal Metalfan, immer Metalfan! Das kann man ruhig so sagen. Ich glaub sonst könnten die ganzen alten Recken das gar nicht so durchziehen. Schau dir das einfach an, was hier bei Doro's Bühnenjubiläum abgeht. Das sie ihre Freund(innen) aus all den Jahren hierher eingeladen hat. Ich meine, Wir mit Holy Moses vor 'nem Doro Publikum? – Ich dacht die wären alle völlig geschockt, aber im Gegenteil. Die Fans sind super abgegangen und haben auch uns unterstützt. Das ist schon irgendwie Hammer. Da merkst du als Band einfach, dass auch die Fans zusammenhalten. Und so bekommst du die Chance das so viele Jahre durchzuziehen…

Apropos “Durchziehen”: Du bist ja damals auch wie die Jungfrau zum Kinde ans Mikro geraten…. [wer die Story noch nicht kennt, der kann sich auf der Holy Moses Homepage die Anekdote zu Gemüte führen. Lohnt! – d.Verf.]
Ja, das stimmt. Aber ich bin froh drüber. Was ich bis jetzt mit der Band erlebt habe, das ist schon Klasse. Du kommst in der ganzen Welt rum. Dazu das Gefühl, wenn du auf der Bühne stehst….
Wie gesagt, ich hab’s nicht geplant. Viele sagen ja „Mein Traum ist es Musiker zu werden“. Bei mir ist der Traum erst durch das Musiker sein entstanden. Es war nicht so das Sängerin mein Traumberuf war, sondern, das ist dann durch das machen passiert.

Und wenn du auf die 80er zurückblickst? Die „Blütezeit“ der Thrashwelle in Deutschland?
Uns war ja gar nicht klar, das es die Blütezeit des Thrash war. Als wir als Schülerband angefangen haben, da haben wir gesagt wir würden Hard Rock machen. Die Bezeichnung „Thrash“ gab’s ja noch gar nicht. Uns ist erst im nach hinein klar geworden das wir Mitbegründer einer bestimmten Musikrichtung sind. Wir wussten nicht, dass wir Thrash machen.
Wir wissen wir ja eigentlich erst heute, dass wir an der Gründung dieser Szene so beteiligt waren. Es war aber alles nicht vorgeplant. Dass sich dann auch in Amiland, in der Bay Area zum Beispiel, eine ähnliche Szene entwickelt, konnte zu dem Zeitpunkt keiner ahnen. Aber keiner hat gesagt „Wir machen jetzt Thrash“. Wir haben einfach gemacht worauf wir Bock hatten…

OK, Sabina von der Vergangenheit zurück in die Gegenwart: Eigentlich wollten wir uns ja schon einiges früher zum Inti treffen um über euer neues Album zu quatschen. Das Ding heißt „Agony of Death“. Wie ist das Album angekommen.
Erstaunlich gut! – Natürlich erwartet man sich von jedem Album was besonderes, klar. Wir waren diesmal wirklich sicher, wir haben ein starkes Album. Trotzdem haben uns die positiven Reaktionen doch ein wenig überrascht. Fans waren nie das Problem. Die haben immer ihren Support gegeben. Wir haben schon öfter gute Alben produziert, es aber in der Presse trotz allem aus irgendwelchen Gründen immer schwer gehabt. Aber wenn ich diesmal so die Reviews lese, ist das schon geil.

Das Songwriting auf Agony of Death wirkt sehr ausgefeilt….
Wir haben uns auch einfach Zeit genommen, unsere Stärken zusammen geschmissen und uns von außen auch nicht reinreden lassen. Einfach Zeit nehmen und unser Ding machen, war diesmal unsere Devise.

Agony of Death ist eine Art Konzeptalbum, zumindest scheinbar. Die Songs wirken durch die Intros und Outros, bzw. elektronischen Intermezzi als eine durchgehende Geschichte. Erzähl doch mal ein wenig über das Konzept von Agony of Death?
Also Agony of Death heißt „Todeskampf“. Es geht eigentlich darum das jeder seinen eigenen Todeskampf durchmacht. Ich habe das Thema Todeskampf einfach in zwölf verschiedene Songs gepackt. Quasi wie ein Buch. Das Buch hat zwölf Kapitel und jedes beschreibt eine andere Variante des Todeskampfes. Naja und viele Varianten des Todeskampf sind einfach auch eine Reflektion meines eigenen Lebens (Sabinas Motorradunfall, etc - d. Verf.) und die der Bandgeschichte mit ihren ganzen Up’s and Down’s. Und dann gibt es natürlich auch kranke Menschen, schizophrene Menschen. Auch die durchleben ihren Todeskampf. Darum dreht sich alles auf Agony of Death.

Und um die Intros noch mal aufzugreifen: Als wir die Platte zum ersten mal selbst gehört haben, haben wir festgestellt das es sich mit den Intros so anfühlt, als ob du einen Film guckst. Da hörst du in spannenden Szenen auch nur dramatische Musik und weißt nicht was als nächstes kommt. Die Emotionen auf Agony of Death sind so stark, das du einfach diese Klangbilder dazwischen brauchst um in die nächste Erklärung von Agony of Death zu kommen. Wir haben einfach versucht das Filmkonzept zu übertragen. Einfach auch um eine kurze Ruhe zu kreieren, das der Hörer verarbeiten kann was im Song gerade passiert ist. Atomic [ Steiff, Drums – d.Verf.] sagt immer, das das Album ein Hörspiel geworden ist [lacht]

Aber trotzdem gibt’s das Album für den puristisch veranlagten Old School Thrasher auch ohne Elektronische Zwischenspiele...
Ja klar. Das find ich auch wichtig. Ich will absolut niemanden was vorschreiben. Weil ich vor allem auch weiß das es viele Thrasher gibt, die sagen: „Diese ganze elektronische Scheiße“! - Keyboards haben beim Thrash nix zu suchen!“ Und die haben dann eben die Variante sich Agony of Death auch komplett ohne Keyboards rein zu ziehen. Die Songs bekommen zwar eine gänzlich andere Emotion, die ist aber auch völlig in Ordnung.

Du hast es vorhin schon nebenbei Atomic Steiff erwähnt. Atomic ist zurück an den Kesseln, Thomas Neitsch am Bass ist auch ein“ Neuzugang“. Holy Moses hatte ja seit jeher immer ein wenig mit Besetzungswechseln zu kämpfen gehabt und z.B. Thomas ist ja auch noch in anderen Bands aktiv. Wie stabil ist das Line-Up?
[lacht] Nun gut, für Holy Moses Verhältnisse sehr stabil.

… und wie weit sind auch die „Neuen“ am Songwriting zu Agony of Death beteiligt gewesen?
alle haben aktiv mitgearbeitet. Thomas ist zwar erst während der Produktion ins Holy Moses Lager gekommen, hat aber auch noch seinen Teil dazu beitragen können. Und als wir uns wieder entschieden haben Five Piece zu werden, fiel die Wahl auf ihn. Thomas kannten wir, weil er unsere Website gemacht hat. Er ist einfach durch und durch Thrasher. Das war auch das Problem, was ich all die Jahre über hatte. Eine Band zu finden, die die Musik auch lebt. Und jetzt sind bei Holy Moses alle überzeugte Thrash Metal Fans. Das zeichnet das Line-Up aus.

Mit diesem Line-Up wart ihr gerade auf Tour mit Benediction. Wie ist die gelaufen?
Schön. Es war ein super mit einander, wir hatten viel Spaß zusammen. Man hört ja viel davon das Bands aufeinander neidisch werden, oder sich abzocken. Das war absolut anders mit Benediction. Das war ein super Zusammenhalt. Wir hatten, klaro, mal wieder viele Probleme mit der Organisation, der Tourbus war kaputt und so weiter. Aber all diese Dinge wurden professionell besprochen und vernünftig geklärt. Herrlich!

Ihr habt diesmal den gesamten Ostblock bereist. Wie sind dort die Resonanzen dort?
Es ist ein absolut dankbares Publikum. Die freuen sich noch richtig drauf das man kommt. Im so genannten Ostblock ist es ja nicht so üblich das Touren dort Halt machen. Auch wenn sich dort in den letzten Jahren einiges zum positiven auch für die Fans getan hat. Wenn du dann in so Städten wie Sofia spielst, dann entschädigt das für einige Unannehmlichkeiten. Da war richtig Alarm….

Ok, gehen wir mal kurz von Holy Moses weg, hin zur Person Sabina Classen. Du bist ja neben Holy Moses auch noch als A&R Managerin bei Wacken Records tätig. Man ist selbst Musiker, und muss gegenüber den Bands die Labelinteressen wahren. Führt dieser Spagat gelegentlich zu Konflikten?
In diesem Job selbst Musiker zu sein ist eigentlich gut. Ich glaub deswegen mögen die Bands auf dem Label auch. Weil ich manchmal einfach auch mehr Musikerin als Labelmanagerin bin. Ich kenne viele Probleme einfach aus eigener Erfahrung. Und wenn dann jemand anruft - oder ich jemand anscheiße weil er irgendwas nicht gemacht hat [lacht] – dann sag ich meist, das man auch kämpfen muss. Ein Label macht einfach nicht alles. Kann es auch gar nicht. Und wenn ich ihnen dann Tipps gebe oder ihnen erzähle wie sie gewisse Dinge angehen müssen, dann wissen diese Bands das dies auf meinen Erfahrungen basiert. Das wird auch dankend angenommen. Die Bands wissen einfach, das sie auch auf meine Erfahrung als Musikerin vertrauen können. Das macht die Sache für alle sehr angenehm. Klar, Kompromisse muss ich machen aber der Spagat klappt ganz gut, weil alle letztlich davon profitieren.

… zumindest meistens?
[lacht] Naja, mal mehr oder mal weniger, klar. Aber ich sag mal wer nicht will der hat schon. Ich kann meine Erfahrungen weitergeben, und entweder glauben sie es mir oder eben nicht.

In Zusammenhang zu deiner Tätigkeit bei Wacken Records passt auch das Thema „junge Bands“. Zum Beispiel Thomas mit Desilence, oder auch größer gedacht die so genannte New Wave of Thrash Metal. Es sind ja schon einige Veränderungen in den letzten Jahren zu spüren gewesen. Wie stehst du dazu?
Wenn jemand dahinter steht und die Mucke geil ist, ist das absolut klasse. Wenn sie es aber nur machen weil es gerade ’In’ ist, dann kann ich nur sagen „Lasst es“! Wenn man die (Thrash) Musik wirklich fühlt, und Bock drauf hat dann wird man als Band auch weiterkommen. Ansonsten wirst du einfach scheitern. So einfach ist das. Man kann nicht einfach mal so auf die... zum Beispiel ’New Wave of Thrash Metal’ Welle aufspringen, nur weil gerade ’In’ ist wenn man die Musik nicht liebt und fühlt.

Was sind denn deine privaten Faves momentan?
Das neue Girlschool Album! Ich finde die haben wieder ein richtig klasse Album gemacht. Nach dreißig Jahren so ein klasse Album rauszuhauen ist schon eine super Leistung. Und das neue Motörhead Album find ich auch erstaunlich. Bisher dacht ich immer es reicht wenn ich eins hab [lacht]. Man merkt, ich hör dann eher die alten Sachen, oder? [JA, definitiv! - d. Verf.]. Ansonsten zieh ich mich auch gerne zurück und hör ganz was anderes.

Wo du gerade Motörhead erwähnst: Was denkst du welche Band ist in der Lage das Erbe von Motörhead oder Saxon etc. anzutreten. Lemmy oder Biff in Ehren, aber die legen auch nicht mehr ewig neue Alben nach, oder spielen Live…
Ich würd’s ihnen gönnen, aber da hast du wohl leider recht! Aber eine schwere Frage. Da kann ich dir echt keine Band nennen. Ich sehe momentan einfach keine Nachfolger die, vor allem auf diesem Niveau, auch bis mitte sechzig aktiv sein könnten. Ne, absolut nicht….

Bevor wir zum Ende kommen, was passiert in naher Zukunft bei Holy Moses? Ich hab was von einer DVD und einem Buch gelesen….
Ja, das wollen wir schon ganz lange machen. Das Buch soll die ganz normale Geschichte einer ganz normalen Band erzählen. Und das wiederum soll dann der Leitfaden für die DVD werden. Daran arbeiten wir gerade. Ist eine Schweinearbeit. Vor allem hat zum Anfang unserer Karriere ja auch niemand dran gedacht Filmmaterial zu produzieren. Konnte ja keiner ahnen das das in dreißig Jahren noch mal jemanden interessieren würde.
Ansonsten, Holy Moses ist einfach eine Liveband. Wir wollen spielen, spielen, spielen. Südamerika und Nordamerika stehen an. Gigs in Japan sind auch geplant. Ich bin momentan am buchen.

Ok, das war’s dann. Ich bedanke mich schon mal Ein paar abschließende Worte an die Leser von Metalglory.de
Danke an alle! Ihr seid der Grund warum wir das all die Jahre machen durften. Und danke an alle Fans da draußen die unsere Platten gekauft haben, und immer noch kaufen. Ohne euren Support würden wir heute wohl immer noch in der Aula oder im Proberaum spielen…


geführt am 28.01.2009   von Blizzard
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