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Geist "Die Faszination "meer" Und Interessantere Dinge Als Black Metal"
GEISTs großartiges letztes Album hat mit seinen kernigen Songs und der stimmigen Atmosphäre nicht nur mich, sondern auch andere Metalglory-Redakteure, viele Presse-Kollegen und eine Menge Metaller überraschen und begeistern können. Höchste Zeit also, Bandkopf Alboin ein paar Fragen aufzudrängen, die dieser bereitwillig und ausführlich beantwortet hat.
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Geist - Die Faszination "meer" Und Interessantere Dinge Als Black Metal

Seid gegrüßt, Geïst! Besten Dank, dass Ihr mir und unseren Lesern von Metalglory etwas Zeit für die Beantwortung einiger Fragen schenkt. Insofern will ich auch gar nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern gleich mit der ersten Frage zu dem neuen Umfeld Eures neuen Albums „Galeere“ starten:
„Galeere“ stellt Eure erste Veröffentlichung über Prophecy Productions, bzw. deren Sublabel Lupus Lounge dar. Dort seid Ihr mit Bands wie Helrunar, Drautran, Negura Bunget, Secrets of the Moon und Farsot in illustrer Gesellschaft . Wie steht Ihr zu Eurem neuen Label und dessen Arbeit? Welche Labelkollegen schätzt Ihr ganz besonders und aus welchem Grund?
Hallo. Ich denke, wir können stolz darauf sein, dass wir bei einem so renommierten Label wie Lupus Lounge/Prophecy Productions untergekommen sind. Gerade in der heutigen Labellandschaft, in der die Schere zwischen absoluten Undergroundlabels und den großen Majors immer weiter auseinander klafft, sind Labels wie Prophecy selten geworden. Prophecy haben über zehn, zwölf Jahre bewiesen, dass man mit einer konsequenten, professionellen und geschmackvollen Politik, verbunden mit dem richtigen Riecher für Bands mit Potential, sehr viel erreichen kann. Das spiegelt sich natürlich auch in Bands wie Helrunar oder Secrets of the Moon wieder, die mit diesem Label meines Erachtens nach erst richtig groß geworden sind. Grundsätzlich halte ich den qualitativen Durchschnitt der Prophecy-Bands über überdurchschnittlich hoch, und das ist ebenfalls selten geworden. Ebenso die Zielsicherheit in der Arbeit – bis jetzt ist alles mehr als glatt gelaufen, das gesamte Umfeld ist professionell und verlässlich und damit genau das, was ich mir erhofft habe.


Eure „Galeere“ hat - soweit ich es verfolgt habe - in der Presse ja größtenteils Top-Bewertungen abgestaubt. Habt Ihr solch eine positive Resonanz auf das Album erwartet? Was für Rückmeldungen habt Ihr im Gegenzug bisher von den Fans der Band bekommen?
Als Band, die sehr sehr viel Arbeit in ein Album steckt, hofft man natürlich immer auf eine sehr positive Resonanz von allen Seiten. Jeder möchte gerne für das gelobt werden, was er tut, das geht uns nicht anders. Dass die Reaktionen, vor allem seitens der Presse, aber so ungeheuer groß und positiv sein würden, hat uns schon überrascht. Zwar werden wir noch als totale Newcomer behandelt, haben mit diesem Album aber offenbar auf breiter Ebene einen ziemlichen Achtungserfolg verbucht.
Von Fans habe ich bisher noch relativ wenige Reaktionen bekommen, die aber alle sehr überschwänglich waren. Ich denke, dass wir mit „Galeere“ auch keinen Fan der vorigen Alben enttäuscht haben dürften.


Die Produktion von „Galeere“ sagt mir persönlich sehr zu, da sie ausgewogen alle Feinheiten der Musik transportiert, gleichzeitig aber Kraft und Atmosphäre nicht missen lässt. Nun habe ich aber auch schon von einigen Leuten gehört, dass ihnen der Sound zu „glattpoliert“ und „gesichtslos“ sei. Wie steht Ihr zu dem Thema? Habt ihr selber noch etwas an der Produktion auszusetzen bzw. könnt Ihr die Kritik eventuell nachvollziehen?
Zu „glatt poliert“ und „gesichtslos“ ist ein Sound für viele Menschen immer dann, wenn man auf einmal alles heraushören kann, wenn die Produktion professionell, laut und druckvoll ist und leider so gaaaar nichts rumpelt, poltert und in einem undefinierbaren Soundbrei untergeht. Ich kann die Kritik an der Produktion insofern nachvollziehen, als sie in der Tat sehr kühl und differenziert ist, aber das ist angesichts des Themas des Album natürlich auch gewollt. Vielleicht wäre ein bisschen mehr Kratzen nicht schädlich gewesen, aber so, wie „Galeere“ jetzt klingt, ist das Album für mich wunderbar. Wir haben immer noch ein nächstes Mal, um es anders zu machen. Für dieses Mal, immerhin unseren ersten Studioaufenthalt, ist das Ergebnis fabelhaft, alle Beteiligten haben einen tollen Job gemacht.


Wer den Sound gerne ungeschliffen mag, der darf ansonsten auch auf die limitierte EP „In den Werften der Galeere“ zurückgreifen, auf der Ihr drei Songs des Albums im „Rough Mix“ präsentiert. Wie kamt Ihr auf die Idee, eine solche Veröffentlichung parallel mit dem Album zur Verfügung zu stellen?
Was man auf dieser EP hört, ist nicht der Rough Mix, sondern eine Vorproduktion, die wir selbst aufgenommen haben. Mit diesen drei Songs haben wir uns bei Prophecy beworben und den Deal bekommen – also durchaus ein kleines Stück Geschichte, das man dort begutachten kann, hehe. Für Interessierte ist die EP ein Einblick in die Entstehung des Albums, was durchaus eine Seltenheit ist, gerade im Black Metal.
Die Idee, diese Aufnahmen als kleinen Bonus für Sammler zu veröffentlichen, kommt von Prophecy. Ich war anfangs eher skeptisch, sehe allerdings mittlerweile einen netten Zusatz zum Album darin. Mir ist es auch lieber, die Songs geraten auf dem offiziellen Weg an die Öffentlichkeit, als wenn diese Aufnahmen dann irgendwann aus Sensationsgier im Netz kursieren.


Auf „Galeere“ dreht sich nun augen- und ohrenscheinlich alles um die gute alte Nautik. Wie seid Ihr als Bielefelder Band darauf gekommen, ein Konzeptalbum rund um das offene Meer, die Seefahrt und Artverwandtes zu veröffentlichen? Der regionale Hintergrund wird’s ja wahrscheinlich nicht sein, oder? ;)
Die Initialzündung stammt von Cypher, unserem Sänger, der mich irgendwann nach „Kainsmal“ darauf angesprochen hat, dass in den Texten zu diesem Album eine Menge maritimer Symbolik stecke. Das war mir nicht aufgefallen, stimmte aber. Er schlug vor, das auf dem nächsten Album doch vielleicht auszuweiten. Ich dachte darüber nach und hielt das für eine gute Idee. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann an dem maritimen Konzept gearbeitet, und was sich nach und nach aufgebaut hat, ist das, was man heute als „Galeere“ hören kann.
Ich vermute, dass jedem Menschen, fast als Instinkt oder Urerinnerung, eine gewisse Faszination dem Meer gegenüber mitgegeben ist. Das Meer vereint so viel Schönheit und Gefahr in einem, das es jeden Menschen in seinen grundlegenden Emotionen beeindrucken kann. Das wird das Geheimnis sein, warum es auch mich gepackt und zu diesem Album bewegt hat.


Wo wir gerade beim Thema sind: Es wurde bereits an einigen Stellen genörgelt, insofern frage ich Euch einfach nochmal direkt. Warum prangt auf dem (atmosphärisch stimmigen) Cover des Albums ein Segelschiff, wenn das Album selbst doch auf den Titel „Galeere“ hört? Ich vermute ja, dass sich Cover und Titel nicht direkt aufeinander beziehen sollen, oder?! Hinzu kommt ja die reichhaltige Metaphorik Eurer Texte, die sowieso nahelegt, dass es in dem Song „Galeere“ nicht einfach nur um eine fiktive Geschichte geht, sondern noch etwas mehr dahintersteckt. Oder liege ich nun komplett daneben?
Diese besserwisserische Nörgelei geht mir auf die Nerven. Warum glauben einige Leute, sie wüssten immer alles besser als die Band selbst? Auch eine Galeere ist selbstverständlich ein Segelschiff gewesen, nur eben mit dem Zusatz, dass es Ruderer an Bord und einen Rammsporn hatte. Vor der Meckerei empfiehlt sich demnach immer ein wenig Recherche.
Cover und Titel beziehen sich natürlich aufeinander, aber nicht wortwörtlich. Die ganze „Galeere“ ist von vorne bis hinten metaphorisch, und auch die „Geschichte“, die im Titelsong erzählt wird, ist eine einzige große Metapher für das, was in den letzten drei Jahren in der Band geschehen ist. Ich bin mittlerweile so weit, dass ich glaube, alle Texte des Albums kann man bis auf das einzelne Wort herunter gebrochen metaphorisch sehen, aber auch die Stücke als Ganzes. Es steckt also noch eine Menge Potential darin, sich mit dem Album zu beschäftigen. ;)


Um weiterhin beim Thema zu bleiben: Der Song „Unter toten Kapitänen“ hat mich sowohl musikalisch als auch textlich fast am meisten beeindruckt. In meinen wirren Gehirngängen hat sich der Text des Songs zu einer großen Allegorie auf die Situation der heutigen Black-Metal-Szene gefügt. Was wollt Ihr mit diesem finalen Epos der „Galeere“ wirklich ausdrücken?
Es gibt ein Stück auf dem Album, dass sich tatsächlich mit der Black-Metal-Szene auseinandersetzt, aber das ist nicht „Unter toten Kapitänen“ – dort geht es eher um ein Resümee des Albums und einen Ausblick auf unsere eigene Zukunft. Vielleicht stecken aber auch hier zweifelnde und anklagende Gedanken darin, die man auf diese Musikszene beziehen könnte. Dass du das so interpretierst, finde ich sehr interessant, weil es zeigt, auf wie vielen verschiedenen Ebenen man die Texte offenbar lesen und verstehen kann.
Was wir damit „wirklich“ ausdrücken wollen, kann ich dir nicht sagen. Es gibt eben kein „wirklich“ und es gibt auch kein echtes „Wollen“. Ein großes Stück des Weges zum Ziel ist schon zurück gelegt, wenn Du nur darüber nachgedacht hast.


Da ich eben die aktuelle Schwarzmetall-Szene ansprach, würde mich noch interessieren, wie Ihr zu der „Szene“ bzw. ihren künstlerischen Entwicklungen sowohl in Deutschland als auch international steht. Ist der Black Metal schon lange tot, lebt er gerade wieder auf oder ist er nur eben Zigaretten holen gegangen? ;)
Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Zum einen habe ich mich aus der Black-Metal-Szene im Grunde schon lange verabschiedet. Ich gehe auf keine Konzerte außer auf unsere eigenen, ich lese keine Magazine, ich nehme kaum an irgendwelchen Diskussionen teil, ich kaufe keine aktuellen Veröffentlichungen, bin nicht über sie informiert, und mich würde auch rein äußerlich niemand mehr mit Black Metal in Verbindung bringen. „Meinen“ Black Metal lebe ich eigentlich nur in mir selbst und in meiner Musik aus, und alles, was ich daran noch faszinierend finde, bezieht sich auf die Vergangenheit. Ich kann über aktuelle Musik aus dieser Richtung kaum noch etwas sagen, nur, dass mich das meiste davon zu Tode langweilt. Hier und da gibt es ein tolles Album, beispielsweise die neue CODE oder MELKOR, aber es kommt selten vor, dass ich das überhaupt mitbekomme. Es ist trotzdem schön zu hören, dass es noch intelligente Musiker gibt, die fantastische Musik produzieren, und das auch im Black Metal.
Die ganzen negativen Entwicklungen (NSBM, Kreisdrehung der Entwicklung, Mitglieder der Szene usw.) nehme ich zwar war und rege mich darüber auf, stelle mich auch (mit der ganzen Band) dagegen, aber es gibt trotzdem Dinge, die mir im Leben wichtiger sind. Ich will meine Zeit nicht damit verbringen, mich nur noch über die Missstände in einer harmlosen Subkultur aufzuregen. Da gibt es weit interessantere Dinge.


Anfang Mai hattet Ihr ja zur Jungfernfahrt der „Galeere“ zum Tanz geladen. Wie kam die Releaseparty mit Todtgelichter denn so an? Ihr hattet ein 90-minütiges Set angekündigt, was ich mir für eine Black-Metal-Band sehr fordernd und körperlich anstrengend vorstelle. Oder ist das für Euch kein Problem?
Wir hatten einen sehr netten Abend mit einigen Freunden, ein verhältnismäßig volles Haus und ein sehr gutes Konzert. Wir haben zwei Sets gespielt, eines mit Stücken aus „Patina“ und „Kainsmal“, eines mit der gesamten „Galeere“. Das ist zwar in der Tat relativ anstrengend, wir spielen allerdings meistens sehr lange und sind auch sehr gut in Form. Ich denke eher, dass so eine lange Spielzeit für die Gäste anstrengend ist. Den Anwesenden hat es aber offenbar sehr gut gefallen, und das ist mir sehr wichtig.


Meine letzte Frage soll ebenfalls Euren Live-Aktivitäten gelten. Habt Ihr eine größere, zusammenhängende Tour in Planung oder kann man Euch in nächster Zeit bei vereinzelten Auftritten live bewundern?
Vermutlich werden wir bis zum Herbst erstmal nicht mehr live spielen. Auf Festivals im Sommer sind wir nicht zu sehen, und wir wollen die Zeit auch nutzen, um an den beiden Wiederveröffentlichungen der alten Alben zu arbeiten. Im Oktober und November haben wir einige sehr interessante Konzerte. Eine kleine Tour mit befreunden Bands hatten wir auch schon für den Herbst angedacht, das ist aber organisatorisch nicht zu leisten. Vermutlich werden wir im Frühjahr so etwas in Angriff nehmen.


Das wäre es auch schon von meiner Seite. Vielen Dank noch einmal für das geduldige Beantworten der Fragen! Ich wünsche Euch weiterhin alles Gute auf dem Deck der „Galeere“ und hoffe Euch bald einmal in Norddeutschland live sehen zu dürfen. Falls Ihr noch etwas loswerden wollt (Grüße, Danksagungen, Prophezeiungen, Todesdrohungen), dann bitte:
Ich danke dir für die guten Wünsche und das Interview!

geführt am 03.06.2009   von Gorlokk
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