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Queensryche "American Soldiers"
Bereits am späten Nachmittag war ich zum Capitol in Hannover geladen, um anlässlich des abendlichen Gigs von Queensryche ein Interview mit Geoff Tate zu führen. Der Sänger begrüßte mich entspannt in dem für ihn reservierten Backstage Raum und erwies sich als äußerst angenehmer Gesprächspartner. Selbst seine Frau, die zwischendurch einmal durchklingelte, vertröstete er charmant für ein paar Minuten, um sich meinen Fragen zu stellen. So verging die halbe Stunde Interviewzeit wie im Flug.
Weitere Infos zu Queensryche:
REVIEWS:
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Queensryche Queensryche
INTERVIEWS:
Queensryche - American Soldiers
LIVE-BERICHTE:
Queensryche vom 26.06.2009

Fangen wir mit einer Standradfrage an: Wie läuft die Tour?
Sehr gut. Wir begannen in den Staaten mit etwa 55 Terminen. Nun sind wir hier und machen unseren Weg rund um die Welt.
Wie viele Shows spielt ihr im Vergleich dazu in Europa?
Oh, ich glaube, das sind sehr viel weniger. 14 meine ich.
Gibt es ein Land, in dem Dir das Touren besonders viel Spaß macht?
Nein. Ich mag es, überall hinzugehen. Ich liebe das Reisen.
Kannst Du die Leute beschreiben, die zu Queensryche Shows kommen?
Es kommen alle möglichen Arten von Menschen zu unseren Shows. Soweit es die Musikfans betrifft, sind sie sehr offen für alles. Sie mögen viele Arten von Musik. Und Queensryche spielen nur einen der vielen Musikstile, die sie mögen.
Lass uns über das neue Album „American Soldier“ sprechen. Es behandelt ein ganz bestimmtes Thema.
Wir lieben es, ein bestimmtes Themengebiet aufzugreifen, ein Album darüber zu schreiben und es von vielen Blickwinkeln zu betrachten. Dieses spezielle Thema ist ein wirklich großes Gebiet, dem wir uns mit sehr viel Respekt genähert haben. Es geht darum, wie es ist, ein Soldat zu sein. In der amerikanischen Gesellschaft – und vielleicht auch in anderen – haben wir ein seltsames Bild von den Soldaten. Wir sehen sie als Maschinen, doch es sind Menschen wie Du und ich. Sie leben, sie bluten und sie werden verletzt. Wir versuchen, die Soldaten erzählen zu lassen, was sie tun, was sie denken und was sie fühlen. Also haben wir Interviews mit ihnen geführt. Hunderte davon sogar, um aus ihrer Perspektive zu erfahren, was es heißt, wie sie zu sein.
Demnach habt ihr sehr intensive Recherche betrieben. Wie kann man sich das vorstellen? Gab es eine Phase des Recherchierens und eine Phase, in der ihr die Musik geschrieben habt? Oder gab es Überschneidungen?
Wir starteten mit den Interviews. Das ganze Vorhaben nahm drei Jahre in Anspruch. Es ist ein sehr interessantes Projekt. „American Soldier" ist das erste Album, das nicht aus unserer Perspektive oder aufgrund unserer Erfahrungen geschrieben wurde. Es handelt von jemand anderem, und so agierten wir als eine Art Biograph. Auf dieser Ebene war es sehr reizvoll und herausfordernd. Als wir all die Interviews, Tapes und Videos hatten, setzen wir uns damit ins Studio. Das Material wurde zu einem sehr effektiven Werkzeug, denn es inspirierte uns zu der Musik. Melodien und Arrangements entstanden quasi umgehend in unseren Köpfen. Wenn man sonst Musik schreibt, startet man meist mit einer spontanen Idee, und es braucht eine Weile, bis daraus ein Song entsteht. Doch in diesem Fall ging das recht schnell. Eine wunderbare Art zu arbeiten. Es war ein wenig, wie Musik für einen Film zu schreiben. Wenn Du Musik für einen Film schreibst, siehst Du die Bilder und komponierst dazu. Hier ging es uns ganz ähnlich.
Hast Du Erfahrungen mit Filmmusik?
Ja, ein wenig. Wir haben mit dem recht berühmten Komponisten Michael Kamen zusammen gearbeitet. Der Film hieß „Last Action Hero“.
Wie schaut es mit der Musik von „American Soldier“ aus? Wie weit unterscheidet sich die von den Vorgängern?
Das kann ich nur schwer beantworten, denn ich habe zu der Musik noch nicht genügend Abstand und bin immer noch sehr involviert. Ich würde gerne denken, dass das neue Album sich sehr von den anderen unterscheidet. Wir wollen uns immer weiter entwickeln, fordern uns selbst heraus, und demzufolge soll sich ein neues Album auch von seinen Vorgängern unterscheiden.
Einer meiner Favoriten auf „American Soldier“ ist „Man Down!“. Erzähl uns bitte etwas über diesen Song.
“Man Down!“ ist ein Ausdruck beim Militär, der für einen verletzten oder verwundeten Soldaten benutzt wird. Es ist eine Art Aufruf, um zu den Waffen zu greifen und den Verwundeten zu retten. Es geschieht sehr oft, dass Soldaten traumatisiert sind, wenn sie aus so einer Kriegserfahrung nach Hause kommen. Aus einer extremen Situation heraus müssen sie zurück in den Alltag. Man erwartet, dass sie ihrem Job nachgehen und so weiter. Das belastet sie sehr stark. Erst in der jüngeren Geschichte haben wir erkannt, dass Soldaten unter solchen mentalen, emotionalen Traumata leiden können. Davon handelt der Song. Er geht zurück auf eine bestimmte Geschichte, die mir ein Soldat erzählt hat. Er kam zurück in die Gesellschaft und wollte sich integrieren, doch er fühlte sich fremd. Er konnte keinen Platz finden, an dem er sich sicher fühlte. Also kaufte er sich ein Auto und begann zu fahren, ohne ein Ziel zu haben. So fuhr er durch das Land. Viele Male, vier oder fünf Jahre lang. Der Song erzählt von dem Gefühl, immer in Bewegung bleiben zu müssen, den Blick immer zurück über die Schulter, wie in einer Paranoia. Ein bewegendes Drama, das mich sehr getroffen hat.
Und „If I Were King“?
Es geht um eine Geschichte, die mir ein neunzehnjähriger Soldat erzählt hat. Es war in Somalia, und er wurde dazu bestimmt, der Führer seiner Gruppe zu sein. Also hatte er die Verantwortung. Sein Job war, seine Marines in ein bestimmtes Gebiet und wieder heraus zu bekommen. In einem Feuergefecht hat er seinen besten Freund verloren, der einen langsamen und schmerzvollen Tod erleiden musste. Er fühlte sich schuldig für das, was passiert ist. Ich denke, vielen Menschen in ähnlicher Situation fühlen genau so. Er sagte, er bereue zwar nicht seine militärischen Einsätze. Doch wenn er die Macht hätte, alles zu ändern, wenn er König wäre, hätte er gern das Leben seines Freundes zurück.
Das klingt für mich so, als könntet ihr nach den ganzen Interviews auf einen sehr großen Fundus extrem emotionaler Geschichten zurückgreifen.
Ja, so ist es. Diese Geschichten sind wirklich sehr emotional. Wir könnten damit vielleicht zehn Alben füllen. Die Zeit des Schreibens war sehr interessant. Wir mussten aus uns selbst heraus gehen und einen anderen Fokus einnehmen.
In der Tat ist es so, dass man sehr tief in das Album eintauchen kann.
Da gibt es eine Sache, die mir auffällt. „American Soldier“ ist zu einer Art Kommunikationswerkzeug für die Menschen geworden. Viele Soldaten und ihre Familien erzählen mir, dass das Album ein guter Weg ist, um sich einem Thema zu nähern, zu dem man vorher keinen Zugang fand. Viele Soldaten vergraben ihre Gefühle tief in sich, wenn sie zu ihren Familien zurückkehren. Sie haben sich verändert, und das wirkt sich auf ihre Familie aus. Manchmal auf eine negative Art – wenn man nämlich nicht darüber spricht und die Dinge nicht auf den Tisch bringt und die wahren Probleme nicht ausspricht. Ich habe viele Briefe bekommen und Gespräche geführt, in denen sich Menschen bei mir für dieses Album bedanken. Sie sagen: „Mann, ich höre mir die Musik an, und ich höre mein Leben, meine Erfahrungen. Ich fühle dann, dass ich nicht allein bin“. Sie wissen dann, dass andere Soldaten die gleichen Gefühle haben. Und die Familien denken dasselbe. Sie bedanken sich für das Album, denn es hilft ihnen zu verstehen, warum ihr Dad so verändert zurück kam oder warum ihre Mom über gewisse Dinge nicht sprechen möchte. Diese Wirkung ist eine wundervolle Sache. Ich denke, je mehr wir über ein bestimmtes Thema sprechen, desto eher verstehen wir es und erlangen die Fähigkeit, etwas zu ändern.
Lass uns noch ein wenig auf Deine Band blicken. Was waren die Meilensteine eurer Karriere?
Ich würde nicht von Meilensteinen, sondern von Wegweisern sprechen. Die Anfangstage der Band waren zum Beispiel sehr aufregend. Wir lernten uns kennen und merkten, dass wir alle die gleiche Liebe zur Musik hatten. Uns verband das dringende Bedürfnis, Musik zu erschaffen. Über die Jahre ist es fantastisch, Teil einer so wundervollen Organisation zu sein. Manchmal ist es schwierig, denn jemand geht, ein anderer kommt. Doch wir verfolgen gemeinsam ein Ziel, das zudem sehr einfach ist: die beste Musik zu machen, die man gemeinsam erschaffen kann – Musik, auf die man stolz sein kann. Dieses Ziel hält die Band zusammen und sorgt dafür, dass wir weiter gemeinsam Musik machen.
Was steht also für die Zukunft an? Macht ihr erst einmal Ferien, oder geht ihr gleich das nächste Album an?
Wir haben das Songwriting für ein neues Album bereits begonnen. Aber es stehen noch viele andere Dinge an. Wir haben alle Solo Projekte, an denen gearbeitet werden muss. Ich arbeite zudem noch an drei Filmen. In einem habe ich sogar eine Schauspielerrolle. Das Shooting ist im August. Es ist ein psychologischer Horrorfilm namens „Pray For Light“. Für zwei andere Filme erstelle ich die Musik. Vor ein paar Jahren habe ich eine Weinmarke ins Leben gerufen. Ich mache also Wein. Wir haben unsere erste Lese im Februar veröffentlicht, und die ist bereits ausverkauft. Das ist großartig. Also müssen wir eine zweite Lese produzieren, die nächstes Jahr im Februar erscheint. Wir nennen sie „Insania“.
Der Wein heißt „Insania“?
Ja.
Interessanter Name für einen Wein...
(lacht) Ja, wirklich. Der Wein ist im Bordeaux-Stil gehalten. Wir bauen die Trauben in Washington an, was das zweitgrößte Weinanbaugebiet in den Staaten ist.
Also jede Menge Arbeit für Dich.
Richtig. Das ist auch gut so. Ich mag es, beschäftigt und produktiv zu sein.
Kennst Du Hannover eigentlich?
Ich war schon häufig hier. Es ist die Heimat der Scorpions.
Ganz genau. Noch irgendwelche Grußworte an unsere Leser?
Thank you for listening to Queensryche.

geführt am 28.06.2009   von Christian
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musikalischer Background des Verfassers
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5. Black Sabbath "Mob Rules"
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