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Ladwig "Here We Stand - Mit 18!"
Anlässlich der Veröffentlichung des Albums “Here We Stand” von Ladwig, hatte ich das große Vergnügen mit Hauptsongwriter, Sänger, Gitarrist und Initiator Peter Ladwig ein entspanntes und ausführliches Interview zu führen. Es stellte sich heraus, dass Peter nicht nur ein sympathischer Zeitgenosse und Musiker aus Leidenschaft ist, sondern auch durchaus viel zu erzählen hatte. Dabei stand das Album als solches teilweise doch sehr im Hintergrund, war aber stets präsent. Vielmehr wurde es eine Zeitreise und ein Diskurs in die musikalische Welt des Peter Ladwig: Ein Musiker mit viel Leidenschaft, Enthusiasmus und dem Drang nach vorne.
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REVIEWS:
Ladwig Here We Stand
Ladwig Good Days
INTERVIEWS:
Ladwig - Here We Stand - Mit 18!

Peter, bevor wir uns auf das Album stürzen, möchte ich nur kurz anmerken, dass das Album als Hardrock-Album angepriesen wird, was es aber absolut nicht ist. Für mich ist es mehr ein wunderschönes Rockalbum, das unheimlich entspannt ist und auf dem vor allem viel Dire Straits durchklingt.

Da gebe ich Dir absolut recht. Das kam so ein bisschen von selbst durch die Experimente mit den cleanen Sounds, also völlig unverzerrt. Wobei mein Guru in musikalischer Hinsicht ja eigentlich Eric Clapton war. Als alter Cream-Fan, vorrangig aus Interesse am Instrument, kam damals, ich glaube ich war so 15 Jahre alt, das erste Mal ein Gitarrist für mich auf, der sein Instrument auch spielen konnte. Aber Du hast recht. Bei „Woman Of My Heart” zum Beispiel, haben wir das bewusst in diese Richtung laufen lassen. Auch JJ Cale fiel uns da noch ein. Es sind einfach Songs, die sich über Jahre hinweg angesammelt haben. Ich war doch recht lange uninteressiert am eigentlichen Business, aber irgendwann kam dann doch noch mal der Reiz zum Vorschein.



Was war die Antriebsfeder nach doch sehr langer Zeit mit einem Tonträger wieder auf den Markt zu kommen, denn die letzte Band bei der ich Dich wahrgenommen habe, war die Westernhagen Cover-Band „Mit 18“. Und da geht es ja eigentlich nur ums Nachspielen, lässt doch eine Cover-Band keine Möglichkeiten der eigenen Interpretationen zu.

Das ist eigentlich auch der Hauptgrund gewesen. Denn irgendwann habe ich festgestellt, dass es mir wie vielen anderen Musikern aus Hannover auch ging und ich bei der Cover-Geschichte einfach kleben geblieben bin. Engere Freunde und Bekannte sagten dann Mensch mach doch mal wieder was eigenes und von mir kam dann immer ja ja. Man muss aber auch sagen, dass für einen Musiker, der so wie ich vom Rock und vom Singer/Songwriter kommt, lange Zeit das Gefühl da war, es gibt kein Interesse mehr am Rock. Wenn man speziell in den Neunzigern nicht das gespielt hat, was alle hören wollten, war man quasi ausgemustert. Ich habe dann lange Jahre in der Cover-Band „Tush“ gespielt, wo vorrangig AC/DC und ZZ Top zum Zuge kamen. Die Band existierte eigentlich nur von ca. 1991 bis 1995, wobei es aber immer wieder Konzerte quasi auf Abruf gab. Ende 2003 bin ich dann bei „Mit 18“ eingestiegen und fand das auch Klasse, weil „Mit 18“ gerade in der Sommersaison auf großen Stadtfesten vor vielen tausend Leuten spielt. Und dadurch habe ich dann auch wieder ein wenig Blut gelegt, wobei ich sagen muss, dass ich eigentlich schon immer mal wieder was machen wollte, habe es aber nie so richtig ernsthaft verfolgt, bis ich dann mal einen Artikel gelesen habe, in dem es um die weltweite Cover-Szene ging, die ja immer größer und auch professioneller wird. In diesem Artikel stand ein Satz drin, der mich bewegt hat: „Wer covert, hinterlässt keine Spuren.“ Da stellte ich fest, dass das stimmt. Du spielst da rechts außen bei einer Cover-Band, macht dir zwar Spaß, aber eigentlich bist du Sänger und Songschreiber. Da kam dann so die „musikalische Midlife-Crisis“ in mir durch. Das soll schon alles gewesen sein? Es kam dann so der Gedanke auf, du musst es noch mal hinbekommen ein eigenes Album zu machen. Egal was daraus wird, ob das jemand vertreibt oder ich das selber machen muss, auf jeden Fall musste was geschehen. Dafür aber benötigte ich Mitmusiker, Reflektoren und auch wenn es jetzt immer Ladwig heißt, wir sind eine demokratische Band und das war auch, als ich die beiden Kaeding-Brüder gefragt hatte, von Anfang an klar. Ladwig ist auch ein Bandname!



So kam dann auch stetiger Input während des Aufnahmeprozesses, vor allem von Rudi, der ja noch Drum-Tech bei den Scorpions ist. Dadurch, dass er lange Zeit im Jahr auf Tour ist, hat sich dann der gesamte Prozess auch ziemlich gezogen, aber der Wille war so stark, dass wir immer weiter gemacht haben. Wir haben uns dann ein Studio gebaut und konnten da vor uns in aller Ruhe hinbasteln und wurden dabei auch immer besser. Wenn man kein Studio anmieten muss und vor allem auch die teure Studiozeit nicht bezahlen muss, dann stellt man irgendwann fest, dass man immer besser wird und Songs, die ganz am Anfang entstanden sind, jetzt noch besser gespielt werden könnten. Das haben wir teilweise auch gemacht, bis wir dann im Frühjahr gesagt haben, so jetzt ist Schluss. Dann kam der Kontakt mit unserem Management KM Music und später S.A.O.L. zustande und da das alles gut klang, sind wir uns dann recht schnell einig geworden und jetzt ist das Album endlich erhältlich. Wir wollen aber auch live spielen, dass ist uns wichtig. Wir haben bereits einen kleinen nahezu privaten Gig gespielt und mein Sohn Lukas sagte danach: „Papa, das war der beste Gig den ich je von dir gesehen habe.“ Der Gig kam so gut an, dass wir Vorbestellungen für die CD erhielten und mit netten Worten überhäuft wurden. Die Keyboards an diesem Abend spielte übrigens Klaus Henatsch ein, da unser Gast-Musiker Thorsten Lüderwald an diesem Abend nicht konnte. Das war auch ganz witzig, denn ich war immer davon ausgegangen, dass ich an diesem Abend mit Roger Gierschmann und Christian Prescher mit der alten Cover-Band „Tush“ spielen würde und nur einen kleinen Gig mit „LADWIG“. Wir hatten dann mit Klaus an zwei Abenden vorher sieben Songs einstudiert. Irgendwann merkte ich aber, dass wir an diesem Abend weitaus mehr spielen sollten, was mich fast noch dazu brachte das Ganze abzublasen. Aber Rudi sagte dann, dass wir es einfach machen sollten, was sich dann im nachhinein betrachtet ja auch als gute Entscheidung herausstellte. Es wird auch weitere Live-Aktivitäten geben, wissen aber noch nicht, ob es klappt als Support bei einer anderen Band mitzureisen, was natürlich eine finanzielle Frage ist. Wir schauen mal, was sich da tut und ansonsten werden wir in kleineren Clubs spielen. Das wird sich aber erst in den nächsten ein bis zwei Wochen entscheiden. Wir wollen aber auf jeden Fall live spielen.

Was ich immer wieder feststelle, ist, dass es wieder einen Bedarf nach erdiger und ehrlicher Musik gibt. Viele der heutigen Bands geben mir nicht unbedingt das Gefühl, dass das ehrlich gemeint ist und vom Herzen kommt. Bei vielen älteren Sachen habe ich einfach das Gefühl, dass da noch eine Seele vorhanden ist, die in der heutigen schnelllebigen Musik häufig fehlt. Und da gibt es doch eine Rückkehr seitens des Publikums auf Musik mit Seele und Herz und wo auch die Liebe zur Musik enthalten ist.

Das merken wir auch. Die alten Musiker von damals kehren alle wieder zurück und auch das Publikum hat wieder Lust auf Rockmusik. Es gibt inzwischen eine Spanne beim Publikum, die von ganz jung bis alt reicht und das war vor einigen Jahren so noch nicht der Fall. Für uns war das ein ganz wichtiger Aspekt. Wir wollten bewusst handgemachte Musik produzieren und haben die Songs auch so organisch wie möglich gelassen. Wir haben zum Beispiel die Gesänge so gelassen wie sie eingesungen wurde. Da wurde nichts gerade gezogen. So wie es eingespielt wurde ist es auch drauf. Bevor wir an den Aufnahmeprozess gegangen sind, haben wir auch erst mal zu dritt gespielt, damit überhaupt ein Bandfeeling aufkommt und vor allem Rudi ein lebendiges Schlagzeug drauf hat. Wobei mein Spiel auf der Gitarre das ist was ich empfinde. Rudolf Schenker hatte mal so schön gesagt: „Ich spiele keine Noten, ich spiele Gefühle.“ Es gibt so viele Gitarristen, die mir technisch weit überlegen sind, aber für mich es wichtig, dass die Technik soweit vorhanden ist, dass man das was man braucht auch spielen kann.



Was mich interessiert, Du hast mit der Band Fargo doch Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger einige Erfolge verbuchen können. Leider aber bist Du dann ja ausgestiegen und kurz danach ging es mit Victory, der Nachfolger von Fargo, erst richtig ab. Wie geht man damit um?

Es war vorrangig eine geschäftliche Entscheidung. Victory hatten dann das Glück, dass sie in eine Strömung mit reingekommen sind, die gut für sie war. Fargo hat immer etwas individuellere Musik gemacht und es war auch zu früh für die Art der Musik. Es gab dann Meinungsverschiedenheiten und ich stieg danach aus. Wenn wir weiter gemacht hätten, bin ich sicher, wäre auch für Fargo der Erfolg da gewesen. Wir hatten Fernsehauftritte, waren im Vorprogramm von AC/DC und der Sprung über den Teich nach USA stand auch an, was dann aber letztlich erst Victory vollzogen haben. Die Neue Deutsche Welle war damals gerade im Anrollen und bei Rock Pop (eine damalige Fernsehsendung im ZDF) waren dann neben Whitesnake und Lindenberg auch die deutschen „Ideal“. Kurz danach ging die Band dann mit „Blaue Augen“ so richtig ab und ich dachte mir dann, dass es mit der Art der Musik wie wir sie machen vorbei ist. Das war aus heutiger Sicht sicherlich eine Fehlinterpretation.

Peter, ich danke Dir für das ausgesprochen nette und informative Gespräch und wünsche Dir mit der Platte alles Gute. Ich hoffe, dass ich euch bald einmal auf der Bühne erleben darf.

geführt am 29.10.2009   von Christoph
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