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Pro-pain "Mit Absoluter Power In Die Nächste Dekade…"
Pro-Pain, die Band um Gary Meskil ist eine der Institutionen im Crossover Sektor. Dem eigenständigen Mix aus NY Hardcore und (Thash) Metal Elementen allei ist es sicher nicht geschuldet, das die band seit 1992 beständig gute bis sehr gute Alben abliefert. Und zwar mit einer sehr hohen Konstanz. Metalglory.de traf einen gut gelaunten und überaus netten Gary Meskil beim Gig in Osnabrück, um mit ihm gemeinsam über das neue Album „Absolute Power“ und das Phänomen Pro-Pain zu sinnieren….
Weitere Infos zu Pro-Pain:
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Pro-Pain - Mit Absoluter Power In Die Nächste Dekade…

Hi Gary, schön das du bei dem ganzen Tourstress die Zeit hast dieses Interview zu führen. Wie läuft die Tour

Stressfrei, hehe. Ja wirklich, das ist eine von den entspannten Touren. Alles läuft rund, wir haben ein paar echte Killershows gespielt und können von daher ganz entspannt die Tour ausklingen lassen. Die Supportband sind super, die Crew macht einen tollen Job. Alles super!

Ihr habt ja auch ein starkes neues Album im Gepäck. Da kann ja nix schief gehen. „Absolute Power“ heißt das Teil und macht das dutzend der regulären Studioalben voll. In Siebzehn Jahren Bandgeschichte eine sehr gute Quote. Was bedeutet der Albumtitel für dich persönlich?

Der Titel hat für mich eine doppelte Bedeutung. Zum einen prangert es die extrem hohe Korruptionsbereitschaft in der Staatsführung an. Und das meine ich global, nicht nur auf mein Land bezogen. Korruption findet mittlerweile überall und immer hemmungsloser statt.
Es gibt ein sehr treffendes Zitat: „Power corrupts; absolute power corrupts absolutely“
Und die Korruption hat mittlerweile ein Level erreicht, das es der weltweiten Mittelklasse nur noch schadet.

Das Zitat stammt übrigens aus einem Brief des Historikers John Emerich Edward Dalberg-Acton, 1. Baron Acton (1834–1902) an den Bischof Mandell Creighton aus dem Jahr 1887, in dem er sich kritisch über die Machtausnutzung der Regierung äußerte d.-Verf.

Und dazu genommen das Cover. Da haben wir ebenfalls eine Symbolik benutzt. Das Artwork ist die abgewandelte Form des Bildes „Smash Communism“. Dieses Bild wo der Arbeiter mit einem Vorschlaghammer den Kommunistenstern zerstört. Wir haben das ganze abgewandelt und ein Typ der mir ein wenig ähnlich sieht [lacht], zerstört mit seiner Klampfe einen Stern mit Pro Pain Faust drin. Die Idee dahinter war, das beide Elemente zusammengefügt ein schlüssiges Konzept ergeben, das zum nach- und umdenken anregen soll. Dabei wollen wir natürlich auch unsere Musik in den Mittelpunkt rücken.

und die andere Bedeutung…?

…bezieht sich auf die Band und die immer noch präsente Stärke unserer Musik im allgemeinen über die letzten 19 Jahre Pro-Pain.

Es ist auch ziemlich offensichtlich, das „Absolute Power“ mit einer gehörigen Porttion Wut und Aggression daherkommt. Alles klingt rauer und straighter als noch auf „No End in Sight“. Eben mehr auf die Fresse.

ja da stimme ich dir voll zu. Es gibt wesentlich mehr brutale Songs als noch auf dem Vorgänger. Wir wollten das auch so haben. Aber trotzdem hast du viele Feinheiten die vielleicht beim ersten Hören noch untergehen und sich erst später erschließen. Und das macht das Album letztlich zu einer recht einfach zu hörenden Nummer, die aber auch nach zig Durchläufen nie langweilig wird.

Stimmt ihr habt diesmal sogar Death Blast Passagen eingebaut..

Yeah man… Rick [Halverson – Drums d.-Verf.] steht auf Death und Black Metal mit viel Blastbeat. Und da haben wir gedacht, Wieso sollte er sich als unser neuer Drummer nicht mit seinen Vorlieben ins Songwriting einbringen? Wir waren immer ne Crossover Band, also warum nicht auch mal in diese Richtung. Wir können mit unserem Stil sicher einiges miteinander vereinen ohne schnulzig zu klingen.

Deine Vocals sind auch recht abwechslungsreich ausgefallen. Dein Klargesang bei „Hate Coalition“ ist sicher auch nicht unbedingt typisch Pro-Pain.

Ne, stimmt. Wir haben diesmal vermehrt auf einen mehrstimmigen Chorus gesetzt. Ähnliches haben wir auf einigen ältern Platten schon mal getan allerdings waren es da mehr einzelne Shouts. Aber wir wollten es diesmal wieder tun, allerdings in einer Weise die unserem gesteigerten Ansprüchen uns selbst gegenüber gerecht wird. Und das ist das Resultat; für meinen Geschmack macht es die Songs noch eingängiger. Wir haben da eine ähnlich Entwicklung durchlaufen wie seinerzeit der Rap. Guck dir Run DMC, Public Enemy und so weiter an. Die haben anfangs auch nur geshoutet. Und dann gabs plötzlich Gastsänger, melodische Element im Gesang etc. Und das ganze nahm extrem harte Form an. So wie bei uns, hehe.

Und wie lief das Songwriting diesmal ab? Letztes mal hat Tom [Klimchuck - Guitars ] ja die meiste Musik im Alleingang verfasst

Oh diesmal war es eine recht ausgewogene Sache zwischen allen Bandmitgliedern. Allerdings muss man sagen das Rick eine ziemlich wichtige Rolle beim Schreiben gespielt hat. Ich denke das ist unser mit Abstand ausgewogenstes Album, wenn es um die Einflüsse der einzelnen Musiker auf das Songwriting geht. Ich hab allerdings alle Lyrics geschrieben. Ich denke mal, das man das gesagt aber auch sehr gut hört.

Und diese Vorgehensweise hat dann ne Menge frischen Wind in die Band gebracht?

ja, ich denke schon. Ohne Ricks Einfluss hätten wir sicherlich keine Blastbeats auf „Absolute Power“ HarHar. Aber ich denke dadurch war vieles auch entspannter. Alle haben super an dem Material gearbeitet. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Selbst das ganze Recording war total relaxt. Wir wussten um die Stärke des Materials, und haben deswegen auch bei den Sessions in VO Pulver’s Studio in der Schweiz eine total entspannte Zeit gehabt

Und wieso habt ihr diesmal überhaupt in der Schweiz aufgenommen? – Sonst habt ihr das ja auch im Alleingang gemacht…

er hat gutes Weed im Angebot Und seine Single Malt Sammlung ist auch nicht zu verachten [lacht]… Ne im Ernst: er macht wirklich sehr gute Arbeit. Ich kenn kein Album von ihm das Scheiße klingt. und außerdem ist er ein alter Freund von uns. Schon seit Zeiten des Gurd Debüts 1995 kennen und schätzen wir uns. Bei ihm aufzunehmen ist von Feeling her wie zu Hause aufzunehmen.

Kam so auch der Kontakt zu Schmier von Destruction zustande der ja diesmal Guest-Vocals übernommen hat? – Die beiden sind ja auch recht eng befreundet

neee. Wir kennen Schmier auch schon eine ganze Weile. Als wir bei ihm um die Ecke mal gespielt haben war er bei der Show. Danach hat er uns zu so ne Dancefloor Party mitgenommen und wir haben ein paar gekippt. Das ganze ist ziemlich lustig geworden. Hast du Schmier schon mal zu den Villag People tanzen sehen? – dann kannst du dir vorstellen wie der Abend ablief. [lacht]. Naja, und so sind wir immer engere Freunde geworden. Er ist echt ein cooler Typ. Und als wir über die Gastsänger nachgedacht haben kam uns Schmier in den Sinn, denn er wohnt ja quasi um die Ecke. Wir haben ihn einfach angerufen und er hatte Bock. ’Stand My Ground’ ist auch der perfekte Song für ihn. Schön Thrashig. Es war ziemlich einfach für ihn den zu singen.

OK, gehen wir mal weg vom aktuellen Album hin zu einem eurer Classics. Für viele ist „The Truth Hurts“ das beste Album eurer Karriere. Wie denkst du darüber, wenn alle Fans nur Songs von diesem Album fordern? – Ist es wirklich DER Band-Klassiker oder tut man anderen Veröffentlichungen damit unrecht?

Das Album ist wirklich eine Strange Geschichte. Als ich es damals an das Label geschickt habe, haben sie es gehasst! – Sie störten sich an dem geänderten Gesang und haben nicht richtig verstanden das es ein komplett anderes Album als „Foul Taste of Freedom“ war. Ich musste sie überzeugen das sie es veröffentlichen und dem Album ein wenig Zeit geben sollen. Das haben sie auch getan, aber vorher zensierten sie noch das Cover. Das Original Cover war ihnen zu krass. Aber trotz aller Widerstände war ich schon damals der Meinung, dass „The Truth Hurts“ das Zeug zum Klassiker haben könnte. Und es hat sich dann ja auch gut verkauft.






Was war denn jetzt eigentlich das Original Cover? Es gibt glaub ich drei Versionen der CD.

Richtig, aber das Original Cover ist die tote Frau auf dem Autopsietisch. Dann gibt es noch die Crime Scene; mit und ohne Opfer. Das wurde auch rausretuschiert. Die Rechte am Bild des Originalcovers haben wir damals teuer bezahlt. Es ist aus einem Museum in Louisiana glaub ich. Vom künstlerischen Standpunkt gesehen war das eine cooles Cover. beachte die irgendwie erotische Pose der Verstorbenen. Wenn du die Narbe wegretuschieren würdest glaubt dir keiner das es eine Tote Frau nach der Autopsie ist. Deswegen denke ich hat es auch einen gewissen künstlerischen Wert. Aber wir durften nicht Also haben wir dafür dann das Booklet von „The Truth Hurts“ mit teils sehr krassen Bildern gestaltet. Aber ich glaube nicht das es deswegen das Album ist was sich von uns bis jetzt weltweit am besten verkauft hat

Wenn wir schon in der Historie stecken, was sind deine persönlichen Highlights eurer Karriere?.

Da gibt es so viele. Ich denke das erste ist das wir schon 19 Jahre Alben veröffentlichen konnten. Die 1 Millionen Grenze bei CD Verkäufen geknackt zu haben ist auch ein sehr schönes Gefühl. Dann die ganzen Fans mit denen wir bei den vielen Konzerten die wir spielen konnten in Kontakt gekommen sind natürlich. Solche Dinge sind die Highlights und machen mich Stolz auf Pro-Pain.

Und was hat dich mächtig angepisst?

Wir hatten in der Vergangenheit oft nicht die nötige Unterstützung von unseren sogenannten Geschäftspartnern die wir gebraucht hätten. 95% dessen was wir bis heute erreicht haben, haben wir im Alleingang nur durch harte Arbeit geschafft. Wir haben immer nur für ein paar Jahre bei einem Label angeheuert, dann mussten wir uns schon wieder nach einem neuen Deal umschauen. Eine lange Bleibe haben wir nie gemacht, wir wurden oft fallen gelassen. Und wir hatten viele Partner, was viel über das Business sagt. Man versuchte meist nur auf unsere Kosten aus uns Profit zu schlagen. Minimum Aufwand, Maximum Gewinn war die Devise und das ärgert mich maßlos.

Umso beachtlicher, das wir heute hier sitzen. Wie erklärst du dir den Umstand das ihr trotzdem die Millionenmarke bei den CD Verkäufen geknackt habt?

Harte Frage….
Ich denke, das wir eine Zielgruppe ansprechen die erstmal genau so denkt wie wir. Die Lyrics legen Finger in Wunden und zeigen Missstände auf. Wir sind selbst Mittelschicht und wissen um die Probleme dieser Menschen. Und das scheint viele ebenso zu berühren, sodass sie sich mit uns vollauf identifizieren können. Über Fantasy-Welten und Drachentöten können andere gerne singen, aber die Probleme der realen Welt werden dabei kaum zur Sprache kommen. Ebenso wichtig ist, dass eben alles in einem gewissen Rahmen abläuft und die Lyrics oder die Musik nicht in extreme vordringt. Das schreckt ab und ist auch nicht unser Ziel, auch wenn unsere Musik Aggressiv ist.

Ist das Internet bei der Verbreitung eurer Message eher eine Hilfe, oder wird es auch zum Problem? Ich meine, verkommt durch all die ganzen Downloadportale, ob nun legal oder illegal, die Musik nicht zur Massenware so das es immer schwieriger wird Bands zu finden die wirklich eine ernsthafte Message vermitteln wollen?

Ja schon. Ich denke das ist aber ein Problem für alle, nicht nur für Pro Pain. Aber ich denke auch das es ein Problem ist, das von der Musikindustrie billigend in Kauf genommen wird. Diese Downloadportale machen zuviel kaputt. Es verblüfft mich aber das immer noch CD’s gepresst werden, obwohl immer behauptet wird keiner kauft mehr Tonträger. Das ist verrückt. Das ganze ist ungefähr so, als wenn die Autoindustrie plötzlich anfangen würde Autos mit eckigen Rädern zu verkaufen. Das kann auch nicht funktionieren und trotzdem würden sie billigend in Kauf nehmen das ein minderwertiges Produkt auf dem Markt angeboten würde, das ihre Verkaufszahlen reduziert ...
Guck dich mal im Bus um, los.

Nach einer kurzen Runde durch den offenen Teil des Tourbus war eigentlich nicht so ganz klar worauf Gary hinauswollte. Auf mein Nachfragen hin kommt er mit der Lösung.

Hier gibt es nicht mal nen CD Player! Alles was wir haben ist ein mp3- Download auf unseren I-Pods. Die ganze Tour rotierte nicht eine CD. Das ist scheiße! Ein mp3-File ist qualitativ definitiv schlechter, man hat kein Coverartwork vor Augen, von Lyrics ganz zu schweigen. Gerade bei einer Band wie uns sind die Lyrics essentieller Bestandteil des Gesamtkonzeptes.

Und wie siehst du die Zukunft von Pro-Pain?

Oh, ich hoffe wir haben noch möglichst lange eine schöne Zeit. Wir haben ein tolles Line-Up und viel Spaß. Wir sind ein Produkt der Neunziger. Da war das Business noch gefestigt. Wer weiß was kommt. Wir hatten gute Zeiten bis zum Ende der Neunziger Anfang des Millenniums. Nun wird alles schwieriger. Die CD Verkäufe werden schlechter, und so müssen wir mehr Live spielen. Dadurch haben Promoter und Hallenbetreiber die Möglichkeit aus dem Angebot auszuwählen und zahlen weniger. Und so weiter Und so weiter. Es wird härter. Wir haben irgendwie bis heute überlebt und ich hoffe das wir noch möglichst lange überleben können. Wenn nicht, will ich aber gehen bevor es keinen Spaß mehr macht.

damit sind wir auch am Ende meiner Fragen. Danke Gary für deine teils sehr offenen Antworten und Ansichten. Ein paar abschließende Worte an eure Fans und unsere Leser.

Erstmal danke für das Interview. Ich hatte dabei ne Menge Spass. [me too –d.Verf.]
Danach möchte ich euren Lesern und euerem Magazin für den Support danken und die Gelegenheit ergreifen noch mal auf „Absolute Power“ hinzuweisen. Hört rein und kauft die CD! Ach ja, und checkt unsere Website für News und Tour Updates



geführt am 27.05.2010   von Blizzard
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musikalischer Background des Verfassers
NWOBHM; Thrash- / Speed- / Power- / US- / Death- / Doom / Stoner Metal ; Glam / Classic/ Hard Rock & Sleaze,
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