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Helrunar "Dramaturgie Statt Pagan-disneyland"
Dieses Interview hat Metalrocky mit Helrunar geführt !!! - - - - Mit ihrem Demo „Grátr“ und den zwei darauf folgenden Alben konnten sich Helrunar nicht nur hierzulande einen respektablen Ruf erspielen. Doch anstatt sich auf ihrem bewährten Konzept auszuruhen, veröffentlichten sie Anfang dieses Jahres mit dem Doppelalbum „Sól“ ein komplexes und nur schwer zugängliches Monument schwarzmetallischer Klangkunst. Skald Draugir berichtete mir freundlicherweise per E-Mail über die Hintergründe und Intention dieses überaus mutigen Werkes.
Weitere Infos zu Helrunar:
REVIEWS:
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INTERVIEWS:
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Helrunar - Dramaturgie Statt Pagan-disneyland

Erstmal herzlichen Glückwunsch zum bisherigen Erfolg von „Sól“! Die Artbook-Version war ja schon vor dem offiziellen Release nahezu ausverkauft. Hättet ihr mit so einem Andrang gerechnet? (Nachtrag: Kurz nachdem diese Fragen gestellt wurden, stieg „Sól I“ auf Platz 54 der dt. Albumcharts ein)
Nein, nicht im Geringsten.

Ich habe gehört, dass ihr unbedingt dass Doppelalbum in diesem Artbook-Format haben wolltet. Was hat euch daran besonders gereizt?
Vor allem der zusätzliche Raum für den Text. Der Gesamttext von Sól ist ja viel umfangreicher als das, was sich letztendlich in den Songs findet. Außerdem war das Artbook eine ganz neue Möglichkeit, Musik, Wort und Visuelles zu vereinen, ein Medium eben, das über eine „gewöhnliche“ CD hinausgeht... so etwas zu erschaffen ist natürlich schon ein besonderer Reiz.

Bekanntlich verließ euch Dionysos im Jahre 2008. Hatte dies letztendlich Einfluss auf den Songwriting-Prozess?
Nein.

Habt ihr auf langer Sicht vor, einen Ersatz für Dionysos zu suchen? Oder glaubt ihr, dass euer Duo mittlerweile so eingearbeitet ist, dass sich kein neues Mitglied erfolgreich integrieren könnte? Wäre Discordius, der euch auf „Sól“ musikalisch unterstützt, ein Kanditat als festes Bandmitglied?
Nein, wir werden eine 2-Mann-Band bleiben, genau aus dem Grund, den Du schon genannt hast: Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und wir sind uns sehr einig, in dem, was wir musikalisch und lyrisch wollen. Unsere Session -Mitglieder machen alle einen hervorragenden Job und sind sehr engagiert. Als feste Mitglieder wollen wir sie aber nicht aufnehmen. Es kann aber gut sein, dass wir zukünftig noch andere musikalische Projekte gemeinsam gestalten werden.





Kommen wir nun auf die musikalische Seite des Doppelalbums zu sprechen. Besonders auffallend ist, dass das neue Liedmaterial wesentlich komplexer und progressiver ausgefallen ist. Die Helrunar-typische Eingängigkeit ist nur selten zu finden und muss erst mit einigen Durchläufen erarbeitet werden. Hat sich das im Proberaum „einfach“ ergeben oder war dies von Anfang an euer Ziel? War euch vor den Aufnahmen eventuell gar nicht bewusst, wie sperrig "Sól" ausfallen würde?
Unser Ziel von Anfang an war es vor allem, eine dunklere, emotional intensivere Platte zu machen... dass sie so sperrig geworden ist, hat sich eher im Songwriting-Prozess ergeben. Das lag wohl vor allem daran, dass wir traditionelle Rock- und Metal-Songstruktren diesmal über Bord geworfen haben... uns lag mehr an Spannungsbögen und Atmosphären. Und wenn man diese eher eingängigen Schemata weglässt, wird es eben progressiver und sperriger. Ferner ist Sól zum größten Teil in unserem Heim-Studio entstanden und weniger beim Jammen im Proberaum... da hat man natürlich mehr Ruhe, komplexere Ideen zu entwickeln und kann immer wieder daran feilen.

Würdet ihr "Sól I - Der Dorn im Nebel" und "Sól II - Zweige der Erinnerung" als musikalische Einheit betrachten oder besitzen die beiden Parts eurer Meinung nach charakteristische Eigenheiten? Für mich klingt der zweite Teil ein wenig moderner und experimenteller.
Da hast Du recht, Teil 1 hat seine Wurzeln noch stärker im Black Metal der norwegischen Schule, während Teil 2 der Progressivere ist. Eine Einheit, einen roten Faden bildet vor allem das Textkonzept. In ihm findet natürlich eine Entwicklung statt, die sich auch in den Kompositionen wiederspiegelt.

Noch wichtiger als sonst fällt diesmal die textliche Seite aus, welche im Artbook zu einem ganzen Drama erweitert wurde. Wann wurde euch zum ersten Mal bewusst, dass die Lyrics solch eine Dimension erreichen würden?
Das müsste Anfang 2010 gewesen sein... ich hatte viel Textmaterial übrig, und gleichzeitig kam von Martin der Vorschlag, das Album auch als Artbook veröffentlichen zu können. Da gab es dann keinen Grund mehr, etwas zu streichen oder zu verwerfen... statt dessen konnte ich das geschriebene Material zu eben jenem Drama aufarbeiten.

Natürlich gibt es bei so einem Konzept einen großen Interpretationsspielrraum. Könntest du vielleicht dennoch die Handlung und seine wichtigsten Konflikte für unsere Leser vorstellen?
Ausgelöst durch eine Katastrophe bzw. eine Krise beginnt das lyrische Ich sich selbst zu hinterfragen, stößt dabei auf Trugbilder, die ihm auferlegt wurden, die er sich aber z.T. auch selbst erwählt hat, um sich vor sich selbst und anderen zu verbergen. Die Trugbilder werden entlarvt und zerstört... eine überaus schmerzhafte Erfahrung, da sie mit Verlust der Identität verbunden ist. Diese schmerzhafte Selbstreflektion führt letzten Endes aber wiederum zu einer kritischen bzw. pessimistischen Betrachtung des Selbst und der Welt, die auch ein Akt der Befreiung sein kann. Das wäre eine grobe Beschreibung eines möglichen „Roten Fadens“. Aber auch andere Deutungen sind möglich, und jeder Hörer mag sich ermutigt fühlen, sie zu suchen. Ich habe versucht, eine Art „Bedeutungsgeflecht“ zu erschaffen, das viele Möglichkeiten zur Interpretation eröffnet. Man kann z.B. jeden Songtext für sich allein deuten, man kann ihn aber auch im Kontext zu einem beliebigen anderen Stück betrachten. Eine nächste Ebene wäre es, den Song als Teilstück seiner „Hälfte“ zu interpretieren, dann als Teil von „Sól“ als Ganzes, letzten Endes im Kontext des ganzen Dramas. Jedes Mal eröffnet sich eine neue Deutungsebene. Mein Vorbild dabei war die Struktur der Mythen, die es ganz ähnlich machen und so eine offene – aber nicht beliebige! – Bedeutsamkeit erzeugen.





Auf "Sól" findet man nur noch wenige Bezüge zur nordischen Mythologie. Absicht oder hätten diese einfach nicht ins Konzept gepasst?
Letzteres!

Wolltet ihr euch vielleicht auch vom derzeitigen, immer oberflächlicher werdenden Pagan Trend distanzieren? Schließlich wurde Helrunar bisher immer als Pagan Black Metal Band wahrgenommen.
Das ist sicherlich ein Grund, der mitschwingt... dass solche sinnstiftenden Elemente wie Mythen mehr und mehr adaptiert werden, um eine Art Pagan-Disneyland der postromantischen Sinnsuche aufzubauen, das sich selber den materiellen, oberflächlichen Prinzipien unterwirft, denen es eigentlich entgegentreten will, ist eine unschöne Entwicklung.

Im Artbook hast du den kleinen Text „Zum Geleit“ verfasst, der ein wenig die Hintergründe und Intention von „Sól“ aufzeigt. Auch wenn ich kein Literaturexperte bin, so erinnern mich die Erläuterungen schon etwas an das sogenannte „Epische Theater“. In dieser Theaterform wird versucht, beim Zuschauer durch Stilmittel wie Verfremdung Fragen aufkommen zu lassen, um damit einen Denkprozess anzuregen. Würdet ihr zustimmen, dass sich dieses Prinzip auch auf „Sól“ anwenden lässt? Diente jene Theaterform eventuell sogar als Inspiration für die Texte?
Sehr gut beobachtet!

Ihr scheint sehr belesen zu sein, denn es finden sich etliche Zitate aus unterschiedlichsten Werken in euren Texten wieder. Welche Autoren oder Dichter haben es euch besonders angetan? Bevorzugt ihr eher klassische Literatur oder habt ihr einen recht breitgefächerten Geschmack? Könntet ihr unseren Lesern ein oder zwei Werke empfehlen, die euch besonders viel bedeuten?
Der literarische Geschmack bzw. das Interesse ist ganz breit gefächert. Eine große Inspirationsquelle für Sól war „Tradition und Transzendenz“ von Timo Kölling, ein philosophisches Werk. Wirklich schwere Kost, die bisweilen schockieren kann, die aber auch große Klarheit und neue Perspektiven bereithält. Einige Passagen musste ich mehrfach lesen, um ihren Gehalt ansatzweise zu verstehen.
Ein anderes wertvolles Buch, das ich in letzter Zeit gelesen habe, ist „Der Nemesis-Zyklus“, ein Band mit Gedichten und Kurzgeschichten mehrerer junger Autoren, die allesamt in der deutschen Geschichte zwischen 1871 und 1933 angesiedelt sind... wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt mal ein Auge riskieren.

Musikalisch habt ihr ganz klar viel mit dem guten, alten norwegischen Black Metal gemeinsam. Bedeuten euch die ganzen Genre-Klassiker von Bands wie Darkthrone, Burzum und Co nach wie vor etwas oder findet ihr neuere musikalische Strömungen innerhalb des Genres (z.B. Post Black Metal) interessanter? Beschäftigt ihr euch noch mit der Entwicklung des traditionellen Black Metals und seiner Bands?
Sicherlich! Nach wie vor bedeuten uns diese Klassiker außerordentlich viel und sie sind eine große Inspirationsquelle für uns! Neuere Formen von Black Metal bzw. ähnliche Musik wie Postrock usw. hören wir auch... die werden aber die Klassiker niemals verdrängen können. Die alten norwegischen Bands haben unser Leben in den 90ern wohl einfach zu sehr geprägt... da gibt es eine emotionale Verbindung, die nie nachlassen wird. Viele der neueren Strömungen im Black Metal sind interessant und innovativ... man kann sie aber mit den alten Bands nicht vergleichen. Das sind einfach 2 verschiedene Paar Schuhe. Man kann nicht sagen, was besser oder schlechter ist.





Welche Genres beschäftigen euch ansonsten? Ihr habt doch sicherlich auch „nicht-metallische“ Vorlieben? Könntet ihr ein paar Bands empfehlen?
Generell hören wir auch viele Neofolk und Ambient-Sachen... auch Soundtracks und klassische Musik. Portishead, Dead Can Dance und Arcana, sowie einige Werke des Komponisten Phillip Glass wären ein paar Beispiele für unsere nicht-metallischen Vorlieben.

Eure Texte greifen immer wieder Motive wie Schnee und Eis, Moore oder andere Bezüge zur Natur auf. Fühlt ihr euch sehr naturverbunden und wenn ja, wie lässt sich die Natur in unserer heutigen Zeit noch genießen? Wie schafft ihr euch einen Ausgleich zum tristen Stadtalltag in unserer heutigen Gesellschaft?
Das ist natürlich nicht so leicht. Wenn es geht, verbringe ich Zeit in der Natur. Das ist aber leider viel zu selten möglich. Münster ist glücklicherweise eine recht „grüne“ Stadt, und ich wohne am Rande, mit einem Wäldchen vor der Tür, da ist es nicht so schlimm. Wenn Alltags- und Arbeits-Stress Naturerfahrungen mal wieder völlig unmöglich machen, kompensieren wir das wohl, wie jeder andere auch... durch Kopfkino mit Musik und Alkohol.

The Metal Archives datiert eure Gründung auf das Jahr 2001. Damit steht dieses Jahr euer 10-jähriges Jubiläum an. Sind dafür besondere Ereignisse geplant?
Wir planen eine kleine Tour... mal sehen, ob das klappt... ferner ist auch eine größere Veröffentlichung in Sachen Vinyl geplant.

Noch irgendwelche abschließende Bemerkungen, die ihr gerne loswerden möchtet? Ich bedanke mich für eure Antworten! Ich wünsche euch und „Sól“ noch viel Erfolg!
Nein, mir fällt gerade nix ein. Danke für die Fragen! Dankeschön! Alles Gute auch für Dich und Metalglory.de!





http://www.myspace.com/helrunarhorde


geführt am 24.02.2011   von Arturek
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musikalischer Background des Verfassers
...sehr viel
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