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Helloween "Erdbeben Und Die 7 Todsünden"
Dieses Interview mit Sascha (Gitarre) hat für uns vor dem Gig im Capitol der AndreasH geführt!!! - - - Nachdem das Helloween-Konzert von Anfang Februar auf Anfang Juni verschoben wurde, konnte unser Interview natürlich auch erst später stattfinden. Im Nachhinein erwies sich das als sehr interessant, da Sascha Gerstner, Speed-Melodic-Partner von Michael Weikath, da natürlich bereits auf eine längere Tour zurückblicken konnte – und während der Zeit eben auch eine Reihe von Shows in Asien, insbesondere Japan – gespielt wurden, was angesichts der Natur- und anschließender Nuklearkatastrophe einen ganz anderen Stellenwert bekommen hat. Nichtsdestotrotz treffe ich einige Stunden vor „Showtime“ einen ziemlich gutgelaunten, entspannten und mit Dauer des Gesprächs zunehmend redseligen Sascha Gerstner vor, dem auch wirklich ernste Themen sowie private Dinge zu entlocken waren und der sehr überrascht hat.
Weitere Infos zu Helloween:
REVIEWS:
Helloween Keeper Of The Seven Keys - The Legacy
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Helloween Keeper Of The Seven Keys – The Legacy World Tour 2005/2006 Live On 3 Continents
Helloween Gambling With The Devil
INTERVIEWS:
Helloween - Sao Paulo - Tokio - Sofia
Helloween - Erdbeben Und Die 7 Todsünden

Hallo Sascha, schön, Dich zu treffen – wir in Hannover mussten ja hier noch etwas warten, da das ursprünglich Anfang Februar geplante Konzert ja auf heute rund zwei Monate verschoben worden war – was war los?
Ja, in der Tat – es war wie verhext – wir hatten Ende Januar quasi alle die Krätze bekommen, wir waren total erkältet, die ganze Band krank. Und als es dann auch noch Andi (Deris, Vocals) erwischt hatte und gesanglich nichts mehr ging, mussten wir schweren Herzens einige Dates canceln. Zum Glück waren fast alle mit einem Nachholtermin möglich, so wie heute.

Wenn ich Eure Tour/Tourberichte und Fanreaktionen im Internet so ein bisschen verfolge, scheint die „7 Sinners Tour“ ziemlich gut zu laufen – wie ist Eure – wie ist Deine persönliche – Zwischenbilanz?
Ja, Du hast recht. Es ist eine ziemlich coole Tour. Wir haben jetzt die Europa-Tour fast durch, heute in Hannover, und dann geht’s schon bald los nach Südamerika. Europa ist klasse gelaufen, wir hatten enorm positive Fanreaktionen und starke Shows, das stimmt. Und zum Glück waren die Shows immer sehr gut besucht oder gar sold out – trotz der wirtschaftlichen Lage, auch bei vielen Fans.


Du bist ja auch schon acht Jahre bei Helloween dabei – kann man die „7 Sinners“-Tour mit den anderen Touren vergleichen?
Besser – schlechter – das kann überhaupt nicht vergleichen. Jede Tour ist da anders, wir hatten auch dieses mal wieder in der ein oder anderen Venue Zuwachs. Aber – das muss man fairerweise sagen – wir hatten beim letzten Mal Gamma Ray dabei, da war die Geschichte Hansen – Weikath ja ein cooler Schub und hat für viel Zuschauer gesorgt. Aber wir sind auch dieses Mal ein gutes Package mit Stratovarius und Pink Cream 69 – es ist eine coole Tour und es macht Spaß.



Wie findest Du „von der Bühne aus“ die Resonanz?
Absolut positiv. Wir haben uns das natürlich über mehrere Alben jetzt auch aufgebaut, eine gute Bühnenperformance hat sich eingespielt und es macht Spaß mit den Jungs oben zu stehen – und das merke ich auch von oben, dass sich echt viel im Publikum abspielt und Party gemacht wird.

Ihr seid ja in dieser Bandkonstellation nun auch schon ne Weile zusammen.
Ja klar, und das macht sich auch bemerkbar. Wir spielen mittlerweile auf den Punkt zusammen und von der Produktion auch live haben wir versucht, stetig eins draufzusetzen.

Habt Ihr / hast Du Lieblingsländer, in denen ihr spielt, merkt ihr Unterschiede, wo ihr spielt?
Klar, die Reaktionen sind unterschiedlich. Wir haben jetzt gerade Gold gemacht mit der „7 Sinners“ in der Tschechei. Die Tschechei ist wirklich ein obergeiler Markt für uns, so wie der ganze osteuropäische Raum ziemlich gut für uns läuft, wir haben da echt tolle Konzerte. Genau wie Spanien, wo wir gerade herkommen, da lief es echt extrem gut, mit richtig cooler Stimmung, wo man natürlich auch die unterschiedlichen Temperamente der Leute ein Stückweit merkt. Wir sind allerdings fast ein bisschen überrascht – deutsche Bands in Deutschlands haben es nicht immer ganz so leicht, aber hey – das lief wirklich sensationell bislang, keine Gartenzaun-Mentalität.

Na ja, Du meinst, in Deutschland hast Du ja häufig die Musiker- und Gitarrenpolizei hinten stehen mit verschränkten Armen…

Ja, habe ich auch gehört, dass das wohl so sein soll, ist mir aber egal, ich seh’ die nicht, bin kurzsichtig :-). Ja, das ist manchmal sehr hilfreich, wenn Du so was einfach nicht siehst. Nein, in Deutschland merkst Du manchmal, dass wir eben sauverwöhnt sind. Es geht uns in diesem Land saugut, und das checken viele nicht, dass man die Dinge, die man tun kann, erleben kann, auch achtet.

Du meinst, weil hier eben das Angebot, die Verfügbarkeit von Musik und Konzerten eben so hoch ist?
Ja, klar, aber nicht nur das. Man macht sich gar keine Vorstellung, was einem hier geboten wird, was wir für Freizeitmöglichkeiten hier haben, und da ist ein Konzert eben nur eines von den vielen Dingen, die Du machen kannst. Und den Leuten geht’s hier eben gut, und das ist in den meisten Ländern, in denen wir sind, eben nicht so, und das merkst Du. Für die ist ein Konzert eben etwas ganz Besonderes, die sparen da auch richtig drauf, lange drauf, und reisen von sonst woher an. In Deutschland wird schnell mal rumgemäkelt und genörgelt – eben auch bei Konzerten und diese Tour muss ich sagen, stelle ich das überhaupt nicht fest. Geniales Publikum, und das überträgt sich dann natürlich auch schnell auf Dich als Musiker.

Na ja, Du bist ja nun nicht gerade der „kühle Norddeutscheste“ als offensichtlicher Franke – lebt und trefft Ihr Euch eigentlich noch in Hamburg?
Nein, der Einzige, der noch in Hamburg lebt, ist Markus. Weiki und Andi leben auf Teneriffa schon seit zig Jahren, Dani kommt vom Bodensee, lebt jetzt in der Schweiz und ich bin gerade nach Berlin gezogen. Hauptsache, mal was anderes ausprobieren, deshalb bin ich jetzt da.



Was meinst Du mit „was anderes ausprobieren“? Ich dachte, jeder von euch wäre 100% Helloween?
Ja, ist auch so. Aber ich mache eben auch was ganz anderes, ich fotografiere noch. Wenn wir nicht auf Tour sind und versuche mich da noch künstlerisch in einer ganz anderen Ecke zu tummeln, das sieht man ja ein wenig auf der Homepage. Nee, aber musikalisch nichts – da macht man mal mit Freunden dies und das, aber bandmäßig nichts.

Noch mal zurück zur Tour: Ihr wart ja gerade auch in Japan – sogar in Sendai, wo ja das Epizentrum des Erdbebens war und habt auf euer Homepage eine Message an eure japanischen Fans gepostet und ein sehr positives Feedback bekommen. Welche Gefühle beschleichen einen – im Nachhinein - dabei?
Das berührt Dich zutiefst. Das war unglaublicher Schock. Wir haben da Leute, mit denen wir seit zig Jahren zusammen arbeiten, die auch dort in der Gegend leben, das ist echt dramatisch. Speziell betrifft Dich das – kennst DU die Bilder von dem Flughafen, den es da weggespült hat?

Ja, wahnsinnige Bilder, Urgewalten.
Ja, auch genau auf dem Flugplatz waren wir, und das dann schon echt brutal. Ich mag dort die Menschen sehr, ich mag das Land, es gefällt mir dort sehr gut. Diesmal auch für mich persönlich, weil ich mir zum ersten Mal in Japan Zeit für Sightseeing genommen habe, was ich vorher nie gemacht habe bei den Touren – wir sind jetzt das sechste Mal in Japan – und ich hatte vorher nie die Chance, das Land zu genießen, immer Action und Tourtermine, Promotermine. Diesmal habe ich mir mal die Zeit genommen und bin raus, habe mir so viel wie möglich die Gegend und Land und Leute kennengelernt. Das war vor vier Wochen…und ich hab mir noch gedacht: Das musst Du genießen, Du weißt nie, ob Du da wieder mal hinkommst oder die Zeit hast auf Tour. Und deshalb hat mich das ziemlich getroffen. Aber ich habe mit einigen, die ich dort kenne, mittlerweile schon wieder gesprochen, und ich muss sagen: die sind dort extrem cool. Das ist irre, wie man in so einer Situation so cool bleiben kann. Ok, die wachsen mit Erdbeben auf, aber ich bin auch nicht sicher, ob das jeder dort so realisiert, was eine Kernschmelze dort verursacht. Aber es ist echt ein komplett anderes Volk, die nehmen sich – jeder einzelne – auch nicht so wichtig, sondern da zählt die Gemeinschaft, das große Ganze. Das merken wir auch auf Tour – das ist ein Land, mit unglaublichen Wohlstand, aber die schätzen sehr, was man tut, die kommen an mit kleinen Geschenken und sind dankbar, dass Du aus Deutschland anreist und in Japan Konzerte spielst. Irre. Da sind wir in Europa – auch in Deutschland – doch ganz schöne Bauern.

Klingt, als wärst Du ein ziemlicher Japan-Fan?
Nein, aber ich bin ein Fan davon, wenn sich Menschen ein bisschen Mühe geben und höflich sind, und das gefällt mir. Und das missfällt mir immer mehr hier, wo Du Dich im Fernsehen wie der letzte Penner aufführst und sogar noch Applaus bekommst. Das ist natürlich nicht überall so, aber in den Medien wird so ein Verhalten häufig noch als cool charakterisiert. Und das finde ich beschissen – ich bin ja auch hier aufgewachsen, und ich mag es hier. Ich hatte eben nur das Glück, reisen zu dürfen, und es fällt mir auf, dass es in anderen Ländern auch höflich geht und man nicht durch Rumpöbeln auch noch medialen Applaus erntet. Das hilft mir, zu sehen, wo ich eigentlich stehe und merke: Oh, das ist ja eigentlich alles gar nicht so toll… Aber vieles eben auch gar nicht so schlecht. Und vor allem: Man ist als Einzelner manchmal gar nicht so wichtig und sollte sich auch gar nicht so wichtig nehmen.




Noch heute in Hannover und morgen in Saarbrücken – und dann geht’s ja für Euch nach Südamerika, wo Ihr dem Tourplan nach zu urteilen – vorm Festival-Sommer – Eure „7-Sinners-Tour“ ja abschließt. Was ist besonders an Südamerika und –wenn – wie geht es danach weiter?
Südamerika ist Wahnsinn – die sind da vollkommen außer Rand und Band:-). Klar freue ich mich auch da drauf. Das kannst Du Dir hier überhaupt nicht vorstellen, was da los ist. Das ist nicht so wie – na ja ein Franke würde sagen: „Na, hob mir oa Bier da g’holt, ham g’spielt, hat scho’ g’passt“. Das ist brutal, die rennen Dir da die Barrikaden ein, die fahren mit Rollern und Fahrrädern neben dem Shuttle Bus her und belagern das Hotel bis sie Dich treffen. Die freuen sich total – am Anfang bin ich überhaupt nicht damit klar gekommen, dass die sich an Dich dranhängen, Dich anfassen an Dir herum reißen. Aber ich habe akzeptiert, dass die sich eben so freuen, so feiern und dann ist es okay. Offen gesagt, die Freude und die positive Energie, die Du kriegst, wenn Du siehst, wie die sich freuen, Dich zu treffen, und eben mit Dir feiern und Dich eben auch antatschen – ich mag das zwar nicht so besonders, aber die Freude überwiegt. Außerdem: Wär’ doch scheiße, wenn sich keiner mehr so freuen könnte, wie er es braucht – deshalb ist es für mich auch cool mittlerweile.

Mal zurück geblickt: Ich bin ein Fan frühester Stunde, der aber eure Entwicklung in den 90’ern nicht mehr so verfolgt hat, aber die letzten Alben sehr stark fand, die 7-Sinners (siehe Review) ist extrem geil. Was denkst Du persönlich, wenn ihr an die frühen Jahre zurück denkt? Das Musikerleben jetzt ist ja wohl kaum mit dem damals zu vergleichen – oder doch?
Also ich weiß von Erzählungen wie es früher war und auch auf Tour, das hab ich (leider) nicht mehr so miterlebt – der Markt ist extrem hart geworden. Es ist sehr schwer, Musik zu verkaufen, und ich seh’ das mal ganz nüchtern: jeder, wir auch die Fans, muss sehen, dass Du Deinen Kühlschrank voll kriegst, und wir im Unterhaltungsmarkt stehen da eben eher weiter hinten. Und bevor jemand Geld ausgibt für Dich als Künstler, da gibt es erstmal das aus, was lebensnotwendig ist. Und wir merken, dass das, was Du als Künstler machst, eben teilweise auch nicht mehr so wertgeschätzt wird.

Meinst Du die Vervielfältigungsmöglichkeiten?
Ja, auch, aber nicht nur. Ich weiß noch, wie das bei mir war und noch ist
Anm.: und bei mir auch
da hast Du tagelang auf die Veröffentlichung gewartet, und hast dann nach Möglichkeit, wenn Du Dir die LP gekauft hast, bei Müller auch noch ne durchsichtige Tüte geholt, und die LP stolz rumgetragen, damit jeder die neue Scheibe sehen kann… Und das ist heute weg. Und trotzdem – das meine ich mit Wertschätzung – muss die neue Scheibe immer ordentlich produziert sein – und das kostet ein Schweinegeld, mit dem Du quasi in Vorleistung gehst. Das sieht nur keiner – die Menschen wollen konsumieren, sind aber nicht bereit, dafür Geld auszugeben. Wir konsumieren schnell, alles, was wir kriegen können. Da bleibt die Wertschätzung für das einzelne Produkt – sei es nun Musik, Lebensmittel, Kino- etwas auf der Strecke. Ist wie mit dem Essen: Hauptsache schnell, viel…

…das Schnitzel muss über beide Tellerränder hinausragen…
Ja, exakt. Aber da gehe ich doch lieber nur einmal lecker Essen, statt belanglos es mir „mal eben so“ reinzuhauen. Frag doch mal einen, der Essen war, wie’s Essen war: „Ja, hat scho’ g’passt –viel wars! Und billig!“. Das ist doch irgendwie Scheiße, oder? Und da ist es wie mit der Musik: Du scheinst ja auch zu schauen, ob sich da wer Mühe gegeben hat, passt das Artwork, das Booklet, Fotos der Band,…

Ja, für viele unserer Leser – und wir sind ja ein Online-Portal – ist eben das auch immer noch wichtig.
Das ist gut. Ich hab mich mal mit dem Freundeskreis meiner Freundin überworfen. Die erzählen mir – als Musiker – was sie sich alles an Alben runtergeladen haben. Eigentlich ja schon auch blöd, grad mir so was zu erzählen, ich hab da ne Riesendiskussion losgebrochen, weil ich finde, man muss sich nicht jedes Album runterladen… Die meinten: „Na ja, wenn’s das doch aber da gibt“. Hm, na ich nehm’ ja auch nicht, wenn beim Autohaus die Tür offensteht gleich die Neufahrzeuge mit, weil’s die da ja gibt… Egal, die hab ich seither nicht mehr gesehen, vielleicht besser so:-). Aber wenn wir 150.000€ ausgeben, um ein ordentliches Album zu produzieren, das muss auch irgendwie wieder reinkommen – nur das sieht irgendwie niemand, weil heutzutage Musik ja überall auch „downloadbar“ ist. Es ist ja auch so: wir haben jede Menge Weiber, saufen den ganzen Tag und sind als Millionäre natürlich stinkreich... ist eben Quatsch. Wir leben, von dem, was wir täglich machen und natürlich lieben wir was wir tun und ich bin dankbar, dass es so ist, wie es ist. Ich hab’s mir ja ausgesucht. Aber am Ende des Tages muss eben auch mein Kühlschrank voll sein…und da sehe ich das nun mal so, dass es Diebstahl ist, wenn ich was produziert habe und jemand nimmt sich das, ohne zu bezahlen… Das tue ich, wenn ich beim Aldi bin, ja auch nicht. Aber das macht’s eben zunehmend hart für viele Musiker, so weiter zu machen, und das, was wir machen, eben auch gut zu machen – eben so, dass keiner nörgelt, :-). Und das ist besonders schwer auch für kleinere Bands, mit den guten Produktionen mitzuhalten und einen Fuß in die Tür zu bekommen…Aber wie gesagt – das in allen Bereichen so – wir sollten uns vielleicht mal angewöhnen, etwas bewusster zu leben, dass, was hier haben zu feiern, zu genießen, und die Qualität vor der Masse sehen – und eben auch mal auf eine geile Sache richtig sparen, anstatt drei halbgeile Sachen zu konsumieren… Du kennst das doch sicher auch noch von früher: Mit der Familien mal Essen zu gehen, das war was Besonderes, was Außergewöhnliches, da haben die richtig für gespart… Und heute gehst du um die Ecke und holst Dir was zu Essen, bestellst Dir was, das ist alles so normal – und sollte es aber nicht sein, wenn man die Dinge zu schätzen weiß.



Du klingst wirklich wenig nach dem typischen Klischee eines oberflächlichen Rockstars.
Enttäuscht?
Nö. Im Gegenteil. Ich glaube, Du sprichst da vielen aus der Seele – und man selbst ertappt sich ja auch dabei, bequem zu sein…
Gilt für mich auch.

Zurück zur Musik: Wo wir bei technischem Fortschritt sind. Im Vergleich zu früher: Wie funktioniert Songwriting bei Euch heute – wie bei einigen Bands mittlerweile auch i.W. durch Austausch von mp3 via Internet (Slayer, Megadeth), oder jammt ihr im Muckraum und dabei entstehen die Songs á la Metallica?
Das ist unterschiedlich. Bei der Legacy waren wir fast ein halbes Jahr im Muckraum – das war auch extrem und wir haben dort noch arrangiert und gemacht und getan. Mittlerweile haben wir ein supergeiles Verfahren: es komponiert jeder – wie es ihm einfällt – seine Sachen, hinterlegt sie teilweise auch schon mit Bass, Drums, Gitarre, Vocals – und speichert sie auf unserem virtuellen Server ab. Andi und ich machen das so. Beim Durchhören merken wir sehr schnell, welches Riff, welche Melodie, welcher Song Potenzial hat, da kristallisiert, sich schnell raus, was auf das Album sollte und was nicht. Außer bei Markus und Weiki – die sind nicht so die brillanten Sänger. Und da scheint der Song – weil mehr so reingebrummelt wird, erst nicht so toll und wird dann hinterher, wenn Andi was Neues drauf singt, ein Killersong. Also jeder spielt dann seine Sachen drauf und die Songs sind dann schon in der Komposition und Arrangement weit gediehen.

Wie funktioniert es, als Berufsmusiker Beruf und Familie irgendwie unter einen Hut zu kriegen? Auch hier ist das ja deutlich anders, als wenn man 22 Jahre alt ist ….
Klar, jetzt Südamerika, da ist man 4 Wochen weg – aber hey, so ist das Leben, so geht es anderen auch. Ich habe mir das so ausgesucht, und das ist auch okay. Und ich find das auch geil, ich sehe viel und reise viel und auch wenn man nicht immer viel mitbekommt – ich nehme für mich sehr viel mit, mehr, als es wahrscheinlich bei einer organisierten Reisetour wäre. Und ich weiß das zu schätzen, werde das wahrscheinlich später noch viel mehr zu würdigen wissen. Zumal, wenn man mit den richtigen Menschen, Familie, Freunde zusammen ist – ich bringe immer auch was mit, man hat etwas zu erzählen, und das prägt einen sehr – und die Menschen um mich herum eben auch und das ist viel wert.

Noch einmal zurück geblickt: Wie ist euer Verhältnis zu den ehemaligen Mitstreitern Kai Hansen, Kiske, Roland Grapow und Uli Kusch? Verfolgt Ihr noch, was die tun – verfolgen diese, was Ihr tut?
Das Verhältnis ist ziemlich entspannt. Mit Kai ist das Verhältnis ziemlich gut, allein wegen der letzten Tour mit Gamma Ray. Aber mit den anderen auch, das ist ziemlich relaxed, unaufgeregt. Michael Kiske habe ich allerdings noch nie gesehen, der hat es wohl auch nicht mehr so mit dem Metal.

Jetzt mal in die Zukunft geschaut: Die „7 Sinners Tour“ ist mehr als halb rum, das Album ist auch in der Presse gut angekommen und die Latte für Neues liegt relativ hoch. In Bezug auf die „Härteskala“ habt ihr dieses Mal ja auch wieder ziemlich tief reingegriffen, aber ihr habt auch durchaus wieder experimentiert (insbesondere mit dem Einsatz der Keyboards), fand ich. - Vor der Frage nach der musikalischen Zukunft:
Hat irgendwer in der Band Interesse / arbeitet jemand an einem Solo- oder Side-Projekt (à la Dave Lombardo mit Philm o.ä.), um musikalisch ganz was anderes auszuprobieren / sich inspirieren zu lassen? Markus hatte ja vor einiger Zeit mal die „Bassinvaders“ durchgezogen und war da (vor allem aus der Basser-Ecke) mit viel Lob bedacht – aber eben auch ein sehr außergewöhnliches Projekt.

Ehrlich gesagt: da ist wenig Zeit dafür und ich würde auch nichts machen, was mit Metal zu tun hat. Ich fotografiere eben in meiner Freizeit etwas. Wenn ich was machen würde, dann was ganz anderes, vielleicht klassische Rockmusik, aber kein Old-School-Metal. Der „Heavy-Metal-Sascha“ in mir kann sich zum Glück zu 100% in Helloween verwirklichen – da brauch ich nix drum rum. Ich glaube, den anderen geht’s tendenziell genauso.


Wären die 70.000 Tons of Metal etwas für Euch? Ist ja einen ziemlich außergewöhnliches Happening – ihr spielt ja große Festivals dieses Jahr, in Deutschland auch in Wacken wieder…

Ich kann nur für mich sprechen, aber da ist meine Devise: Mitnehmen, was geht! Klar, das wäre sicher eine geile Erfahrung (und eine coole Arena) und da könnte man sicher von zehren. Kai Hansen hat davon erzählt – das muss schon recht geil gewesen sein.

Wir haben uns ganz schön festgelabert – aber kommen wir so langsam mal zum Abschluss: Wohin geht die Reise – oder noch gar nicht absehbar? Was bringt die musikalische Zukunft?
Also erstmal geografisch gesehen kommt ggf nach dem Festivalsommer noch eine Tour in Nordamerika, das überlegen wir noch. Auch scheint sich eine Russland-Tour anzudeuten, aber wir wollen so im September/Oktober dann auch mit der World Tour durch sein.



Seid ihr dann urlaubsreif?
Na ja, im Gegensatz zu anderen Jobs leben wir ja schon ein ganz anderes Leben. Ich für meinen Teil muss nicht in den Urlaub. Urlaub am Strand bringt für mich gar nichts. Wenn ich nicht Helloween-mäßig unterwegs bin, bin ich einfach gern daheim. Das, was ich wirklich zu schätzen weiß, ist eben, dass ich die Welt – ausschnittsweise – sehen kann. Was soll ich da an einem Strand rum liegen? Dann werde ich wohl wieder Songs schreiben, wie ich mich kenne…Aber gerade die Tour strengt schon auch an. Du kannst Dir keinen Ausfall erlauben, Du musst immer 100% da sein. Das ist vermutlich in einigen anderen Jobs eben so nicht gefordert – und jeder kann Deine Leistung beurteilen. Es gab schon Augenblicke, Momente, da stehst Du quasi auf der Bühne neben Dir und fragst Dich: „Hey, bist Du’s noch?“, weil Du einfach kaputt bist. Aber dann sehe ich die Leute, feiern Party, headbangen, gehen ab und sind außer Rand und Band und eine Sekunde später ist es wieder einfach nur geil und Du bist wieder topfit. Du verlierst ne Menge Privatsphäre, aber du gewinnst auch so sehr dabei. --- Ich würd’s immer wieder so machen!!!

Diesem geilen Schlusswort ist nichts hinzu zu fügen – freuen wir uns auf Eure Show!!


Das Interview mit Sascha (Gitarre) hat für uns vor dem Gig im Capitol am 11.04.11 der AndreasH geführt!!!

geführt am 13.04.2011   von Arturek
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