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Devin Townsend Project "Ok, Dann Mach Ich Halt Pop."
Mr. Hevy Devy ist zurück - und das gleich mit zwei Alben auf einmal! Nach einer sehr gut besuchten und grandios gefeierten Headlinertour werkelt das Mastermind des DEVIN TOWNSEND PROJECTS schon an seinen nächsten Projekten - Workaholic wie eh und je also. Dass sich allerdings vieles andere bei Devin Townsend geändert hat, erzählt er uns selbst im Interview.
Weitere Infos zu Devin Townsend Project:
REVIEWS:
Devin Townsend Project Addicted
Devin Townsend Project Deconstruction
Devin Townsend Project Ghost
Devin Townsend Project Contain Us
Devin Townsend Project Epicloud
INTERVIEWS:
Devin Townsend Project - Ok, Dann Mach Ich Halt Pop.

Devin, Du bist gerade von einer größeren Europa-Tour nach Hause gekommen und es stehen nun bald schon wieder die nächsten Konzerte an. Die gerade abgeschlossene Tour war sehr erfolgreich und stellt mit vielen ausverkauften Clubs das Gegenteil zu Deiner letzten längeren Tour in Deutschland, der "Keep it in the Family"-Tour mit Strapping Young Lad und Zimmer's Hole, dar. Ich kann mich daran erinnern, dass Ihr damals sehr enttäuscht wart und beim Konzert in Hannover backstage Sprüche wie "Scheiß Deutschland, keiner kommt zu den Shows!" fielen. Was hat sich seit damals geändert, dass nun plötzlich so viele Leute zu Deinen Auftritten kommen und Du Deine Musik auf solch positive und verrückte Art und Weise zelebrierst?
Nun, um ganz ehrlich zu sein, hat das wohl alles mit der Einstellung zu tun. Wenn man schon mit so einer negativen Einstellung wie damals an eine Tour oder an Auftritte herangeht, schätze ich, dass das einfach alles auf der Tour beeinflusst. Ich habe es in den letzten fünf Jahren geschafft, mein Leben in vielen verschiedenen Aspekten zu verändern - ob das nun meine musikalische Ausrichtung oder auch mein Alkoholkonsum ist. Mit all diesen Veränderungen in meinem Leben habe ich es auch geschafft, meine Herangehensweise an Hürden zu ändern, so dass ich mich jetzt auf positive Weise solchen Problemen stelle. Diese positive Herangehensweise ist wohl ansteckend, was dann vielleicht auch dazu geführt hat, dass diese Tour meine erfolgreichste bis dato war. Die Leute, die bei den Konzerten auftauchen, spüren es, wenn man Ehrlichkeit ausstrahlt und mit Enthusiasmus auf der Bühne steht.
Für mich persönlich war es wichtig, dass ich mich damals erst einmal von der Musik entfernte, um dann zu merken, wie froh ich eigentlich sein kann, Musiker zu sein. Das alles zusammen - und vielleicht auch, dass meine letzte Tour so lange her ist und einige Leute einfach mal wieder sehen wollten, was bei mir heutzutage abgeht - hat wohl zu dem Erfolg der letzten Tour geführt. Ich freue mich jedenfalls und genieße es.


Du hast ja eben schon Deine persönlichen Veränderungen in den letzten fünf Jahren angesprochen: Du hast unter anderem Deinen gesamten Alkohol- und Cannabiskonsum eingestellt und ich konnte mich auch live davon überzeugen, dass bei Deinen Auftritten inzwischen eine unglaublich positive und kreative Energie von Dir ausgestrahlt wird. Nach "Ziltoid" hattest Du allerdings damals diesen Moment bei einer Pressekonferenz, wo Du plötzlich sagtest: "Was zum Teufel mache ich hier eigentlich?" und wo Du von einem Tag auf den anderen gar nichts mehr mit dem Musikbusiness zu tun haben wolltest. Waren das nur Alkohol und Drogen, die da gesprochen haben?
Ich glaube, dass ich damals eine Menge meiner persönlichen Probleme auf die Musikindustrie oder was auch immer übertragen haben. Ich führte damals einen sehr ungesunden Lebensstil und war mit mir selbst nicht im Reinen. Als sich das schließlich änderte, änderte sich auch vieles andere in meinem Leben. Mir wurde klar, dass es respektlos gegenüber der Musik und gegenüber den Fans ist, meine glückliche Situation als Musiker für selbstverständlich hinzunehmen. Mir wurde auch klar, dass die Wurzel allen Übels ich selbst war und von da an überlegte ich, was nun mal einfach als Musiker nötig ist - wie zum Beispiel das Touren - und wie man solche Notwendigkeiten trotzdem zu etwas Kreativem und Aufregendem machen kann. An diesem Punkt habe ich mit mir selbst angefangen und mir überlegt, was man als Zuschauer eigentlich bei einem Konzert sehen möchte. Da will man keine Typen mit übler Laune sehen, sondern man will einen tollen Abend mit guter Musik, gutem Sound und einer guten Performance erleben.
Einer der besten Kommentare, die ich auf der Tour bekommen habe, war von der Frau eines Fans, die eigentlich nicht auf harte Musik steht, nach dem Auftritt aber erzählte, dass sie wirklich Spaß gehabt habe. Ich glaube, dass ich musikalisch genug verschiedenes Material habe, um wirklich für jeden etwas zu bieten und viel mehr eine Show für jeden biete, der sich auf die Musik einlassen möchte, anstatt eines normalen Heavy-Metal-Konzerts.
Es geht also quasi darum, den emotionalen Bezug zu Deiner Musik, sowohl Deinen als auch den des Publikums, mit einer guten Show zu verbinden und so ein gutes Konzerterlebnis zu schaffen?
Das ist momentan mein Ziel und es macht mir wirklich Spaß.


Welches Du meiner Meinung nach auch durchaus erreichst.
Kommen wir zu Deinen beiden aktuellen Alben "Ghost" und "Deconstruction", die zeitgleich am 17.06. veröffentlicht werden. Ist es richtig, dass die letzten vier Alben (die beiden aktuellen Alben plus "Ki" und "Addicted") als großes Konzeptwerk angelegt sind und sich mit den vier Stadien Deiner Lebensumstellung beschäftigen?
Ja und nein. Ja, es stimmt, dass die Alben in einer Zeit geschrieben wurden, in der ich eine Menge Veränderungen durchmachte und sich dies in den Alben niederschlug. Es handelt sich auch irgendwo um ein Konzept, allerdings eher, weil ich zu der Zeit natürlich Texte schrieb, die sich mit meinen Lebensumständen befassten. Ich möchte aber vermeiden, die vier Alben als "mein großes Konzeptwerk" á la Pink Floyd mit Alkohol, Drogen und Drama zu präsentieren. Ja, die Texte beschäftigen sich mit diesem Thema, es ist aber kein Riesendrama und die Fans müssen das auch nicht alles verstehen, um die Alben zu verstehen. Für mich selbst ist es einfach nur ein Konzept, weil die Alben ganz natürlich das widerspiegeln, was mich zu jener Zeit beschäftigt hat. Ich hoffe, dass sich niemand auf diesem Konzept-Gedanken versteift (lacht).


Ich muss gestehen, dass ich sofort einen Zugang zu "Ghost" gefunden habe, "Deconstruction" aber ganz schön starker Tobak ist. Das Album explodiert ja geradezu vor Ideen und kreativer Energie und ich glaube, dass man sich ziemlich intensiv mit dem Album auseinandersetzen muss, um einen Zugang dazu zu finden...
Nun, wenn eines der vier vorhin genannten Alben etwas mehr Erklärung benötigt, dann ist das "Deconstruction". Meine Intention mit diesem Album war nicht, ein forderndes Heavy-Metal-Album zu machen, sondern ganz persönlich meine Strapping-Young-Lad-Vergangenheit zu verarbeiten und mit dieser Periode abzuschließen. Seitdem ich damals mit SYL aufgehört habe fordern immer noch Leute, dass ich Musik wie bei SYL schreibe, obwohl ich immer gesagt habe: "Ich kann und will solche Musik nicht mehr schreiben! Das bin ich einfach nicht mehr!".
Mit "Deconstruction" wollte ich nun zeigen, wie ein hartes Metal-Album von mir heutzutage klingen würde und was ich heute für einen Bezug zu harter Musik habe. Wenn ich heute ein hartes Album machen würde, dann wäre dies komplett fragmentarisch, nicht linear, anstrengend und mit so viel Informationen vollgestopft, dass der Hörer beim nachfolgenden, ruhigeren "Ghost" am besten selber merken würde, dass das die Musik ist, die ich momentan eigentlich machen möchte. Mit "Deconstruction" wollte ich also neben den technischen Spielereien auch zeigen, was momentan das Einzige ist, das mich an harter Musik interessiert: All diese verschachtelten und komplizierten Songstrukturen. Oh, und packen wir doch auch noch ein Orchester mit drauf und eine Reihe von Heavy-Metal-Gastmusikern! (lacht)
Die Reaktionen hierauf waren bisher weitestgehend, dass so etwas auch niemand hören möchte, worauf ich nur sagen kann: "Will ich auch nicht! Ich möchte Musik wie auf "Ghost" machen!" Ich hoffe, dass ich die SYL-Diskussion auf diese Weise endlich beenden kann. "Deconstruction" hat sicherlich Spaß gemacht, aber die Musik meiner Wahl ist derzeit die, die auf "Ghost" zu finden ist, welches übrigens mein Liebling der vier Alben ist. "Addicted" und "Deconstruction" waren in dieser Hinsicht beides Alben, die sich mit meiner Vergangenheit beschäftigt haben, während "Ki" die Runde mit einer Mischung aus "alt" und "neu" eröffnet hat und "Ghost" zeigt, wo ich heute musikalisch stehe.


Du hast eben schon Deine Gastmusiker auf "Deconstruction" erwähnt, welche zusammengenommen wirklich eine großartige Liste ergeben (u.a. Mikael Akerfeldt, Ihsahn, Paul Masvidal, Joe Duplantier, Fredrik Thordendal). Wie bist Du zu den mitwirkenden Musikern gekommen? Haben alle sofort zugesagt oder gab es vielleicht ein paar, die Du gefragt hast und die nicht wollten?
Nun, die meisten von den Gastmusikern sind auch sehr gute Freunde von mir, weshalb ich einfach nur angefragt habe und dann positive Antworten bekam. Ich wollte keine große Sache aus den Gästen machen, da sie ja eigentlich recht kleine Parts haben, aber ich brauchte einfach etwas frische Strukturen und glücklicherweise haben dann auch alle zugesagt. Weißt Du, man kann nie alle Leute zufriedenstellen. Irgendjemand ist immer angepisst, weshalb ich mich bei "Deconstruction" nur auf mich und das, was ich machen will konzentriert habe. Ich schreibe keine Songs mehr, wie sauer ich auf meine Eltern bin oder ähnliches. Sowas bewegt und interessiert mich einfach nicht mehr. Ich glaube auch, dass "Deconstruction" ein Killer-Album ist - man muss es nur komplett losgelöst von jeglichen Kategorisierungen und meinen anderen Alben sehen. Momentan interessiert mich allerdings eher melodische, poppige Musik und Folk Musik anstatt harte Musik.
Was man deutlich auf "Ghost" heraushören kann.
Ja genau und selbst "Ghost" ist bereits vor einer Weile geschrieben worden und daher nicht der aktuelle Stand meiner Vorlieben. Ich denke, dass das nächste Album für einige Leute ein paar Überraschungen bereithalten wird.


Ok, Devin, unsere Zeit ist fast um. Zum Schluß also die obligatorische Frage nach der Zukunft. Wo wirst Du Deine Fans als nächstes hinführen? Online gab es bereits ein paar Hinweise, dass Du an neuen Ziltoid-Videos arbeitest. Heißt das, dass wir ein neues Ziltoid-Album erwarten können?
Nun ich werde kein weiteres Ziltoid-Album machen, da mich die entsprechende Musik im Moment nicht genug interessiert. Ich will kein "Deconstruction, part 2" machen. Ich werde aber eine TV-Show mit Ziltoid machen, mit all den Puppen etc. und deren Soundtrack dann auch von mir geliefert wird. Ich denke da konkret an eine Art Talk-Show, wo ich Bands interviewe. Mir macht das alles einen Riesenspaß. Eine Menge Leute finden das zwar nicht sehr witzig oder finden, dass solch Humor nicht zu Heavy Metal passt, aber in dem Fall kann ich sagen: Vielleicht sollte ich dann kein Heavy Metal mehr machen.
Abgesehen von Ziltoid werde ich als nächstes wohl einfach... Pop machen. Schwere Gitarren, Dreieinhalb-Minuten-Songs und fette Refrains - scheiß drauf, hier habt ihr ein Pop-Album. Ich habe solange meinen Kopf gegen die Metal-Wand geschlagen und weiß jetzt, dass es so einfach nicht mehr weitergeht. Die Leute wollten jahrelang nur neue SYL von mir hören und ich gebe ihnen "Deconstruction" und damit sind sie auch nicht zufrieden...
Du solltest Dir solche Schlechtmacher aber nicht zu Herzen nehmen. Es gibt auch im harten Musikbereich noch immer eine Menge Leute, die keine Scheuklappen tragen und offen für alle möglichen Sounds sind.
Ja, das stimmt, leider sind das aber normalerweise nicht die Fans, die sich Gehör verschaffen oder das auch so zum Ausdruck bringen. Ich habe letztens online gelesen, dass da jemand tatsächlich der Meinung war, ich wolle mit "Deconstruction" die Metal-Community angreifen. Was zum Teufel??? Ich wollte doch niemanden angreifen, sondern ein cooles Album machen! Wenn sich also Leute von meiner harten Musik angegriffen fühlen, dann sollte ich vielleicht etwas anderes machen. Ich bin ja schließlich kein Arschloch! (lacht)
In der Zukunft werde ich also meine härteren Musikideen mit Ziltoid auszuleben versuchen und mit allem anderen werde ich mich nur noch auf mich und das, was ich machen möchte konzentrieren, ohne auf irgendwelche Genres zu achten. Ok, dann mach ich halt Pop. (lacht)
Und ich denke, dass die Fans diese Ehrlichkeit zu schätzen wissen werden.
Das hoffe ich sehr, denn meine Ehrlichkeit ist momentan das Wertvollste, was ich den Fans bieten kann!


Devin, vielen Dank für Deine Zeit und den kleinen Schwatz! Ich hoffe, dass man sich schon bald auf Tour wiedersieht!
Danke man, ich hoffe auch! Alles Gute!



geführt am 09.06.2011   von Gorlokk
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musikalischer Background des Verfassers
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