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In Extremo "...über Große Bühnen, Chartplazierungen Und Dreckige Lügner"
Die Sonne prasselt recht unbarmherzig hernieder, und die Schlange vorm Eingang des Wasserschloss Klaffenbach wächst beständig- kein Wunder, wenn eine so hochkarätige Band wie In Extremo auf dem Plan steht. Ich treffe die Jungs beim Relaxen am Burggraben, und während weiter vorne derweil die Vorband einen letzten Soundcheck absolviert, nimmt sich Sänger Micha aka Das Letzte Einhorn noch etwas Zeit für ein kleines Interview.
Weitere Infos zu In Extremo:
REVIEWS:
In Extremo Kein Blick Zurück
In Extremo Sängerkrieg
In Extremo Sängerkrieg Akustik Radio Show (plus Bonus Dvd)
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In Extremo Sterneneisen
INTERVIEWS:
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In Extremo - Kein Blick Zurück: 21.12.2006 Live In Fulda
In Extremo - Sängerkrieg Im Schlosshof: 02.08.2008 Live In Fulda
In Extremo - ...über Große Bühnen, Chartplazierungen Und Dreckige Lügner

Hallo Micha! Zunächst einmal, wie geht es dir denn und wie läuft eure derzeitige Burgentour?

Nun, wir sind ja im Grunde seit April schon unterwegs, es läuft gut kann man sagen. Heute Abend ist ja ausverkauft, hier in Klaffenbach, es ist schönes Wetter. Heute Nacht soll ja erst der Regen kommen, hab ich gehört, aber ich glaube das hält sich. Auch wenn eine Abkühlung mal ganz gut wäre.

Seit der Veröffentlichung von eures aktuellen Albums „Sterneneisen“ ist ja bereits wieder einige Zeit vergangen. Wie waren denn die Reaktionen der Fans auf das neue Stück?

Naja, wenn du ein Album herausbringst, ist natürlich alles erst einmal neu, deshalb macht man ja so etwas. Das wollen die Leute dann halt auch haben und das ist ganz bombastisch für uns verlaufen, logisch.

„Sterneneisen“ ist wie bereits der Vorgänger „Sängerkrieg“ prompt auf Platz 1 der Charts gelandet. Wie fühlt man sich in so einem Moment?

Da muss ich erst einmal sagen, wenn ein Album auf Platz 1 geht, freut man sich natürlich. Es wäre gelogen, wenn man sich nicht freuen würde. Aber wir sind nicht die Typen, die sich eine „1“ auf den Rücken malen, damit wir das bei jedem Interview hören. Da gibt es andere Bands, die sowas gerne machen. Für uns ändert sich da erst mal gar nichts. Aber so etwas kann einem keiner wieder wegnehmen und da ist man schon stolz darauf, natürlich.

Gibt es auch manchmal Augenblicke, in denen man sich nach den alten Zeiten der Band sehnt?

Nee. Das ist nun mal so, wenn du Musik machst. Es gibt ja genug Leute, die sagen, dass sie niemals berühmt werden wollten – das sind für mich dreckige Lügner. Das ist dasselbe wie bei einem Journalisten, der will ja auch, dass seine Zeilen die ganze Welt liest. Genauso geht es uns auch, umso mehr das breitgetreten wird, umso schöner ist das für uns. Und wir haben ja auch unsere Freizeit, wo sich dann jeder seine ruhige Stelle sucht und sich zurückzieht. Gut, wenn du solche Veranstaltungen hier machst, hast du keine Zeit, da ist alle fünf Minuten etwas anderes. Aber das ist normal und ja auch der Grund, warum wir das Ganze machen.

Was ist euch eigentlich lieber: Die großen Bühnen mit tausenden von Zuschauern, oder doch lieber die kleineren gemütlichen Clubs?

Ich sag mal so, der Wechsel macht‘s, und nicht jeden Tag das Gleiche. Mal so mal so, das find ich total klasse. Wir fühlen uns auf großen wie auf kleinen Bühnen zuhause, und das ist einfach schön. Es macht Spaß vor einer großen Menge, und es macht auch Spaß in Clubatmosphäre – so wie wir es im März eine Woche gemacht haben, in kleinen Clubs mit 600-700 Leuten.

Auf eurer jetzigen Tour habt ihr die Dritte Wahl als Vorband mit dabei. Erzähl doch mal, wie es dazu kam.

Das sind uralte Freunde von uns aus dem Osten, die kennen wir noch von früher. Das ist so eine Band, ich weiß gar nicht wie viele Jahre es die bereits gibt, und die haben uns gefragt. Und solche Leute sind uns lieber als Plattenfirmen, die dann mit irgendwelchen Vorschlägen kommen, weißt du? Die gehören einfach zur Familie.

Kommen wir wieder zurück zum „Sterneneisen“-Album. Wie sah denn diesmal der Songwriting-Prozess aus, war das wieder Gemeinschaftsarbeit?

Ja, komplett. Das machen wir eigentlich immer so und das ist auch gut für uns.

Euer Schlagzeuger, der Specki (Ex-Letzte Instanz, Anm. d. Red.), ist ja mittlerweile nicht mehr ganz so neu. Wie waren denn seine ersten Live-Erfahrungen mit In Extremo, und war es für ihn eigentlich schwierig, die ganze Fülle an neuen Songs einzustudieren?

Na klar, der musste natürlich ganz schön ackern. Aber der ist natürlich auch ein Profi. Sein erstes Konzert mit uns war Rock im Park, vor 60.000 Leuten, also ins kalte Wasser. Der stand oben auf der Bühne und meinte: „Ey das gibt’s doch nicht! So viel Leute hab ich noch nie gesehen!“ Richtig ins kalte Wasser eben.

Das neue Album kommt sehr modern und Rock-orientiert herüber, und als erstes fiel auf, dass es außer dem „Zauberspruch“ diesmal nur deutsche Texte gibt. Wie kam es dazu?

Das hat sich einfach so ergeben. Vielleicht sind ja beim nächsten Mal mehr dabei … oder gar keiner. Wir wissen das nie vorher. Da spinnt sich dann halt auch eine Art roter Faden zusammen. Wir hatten auch noch fremdsprachige Songs gehabt, die haben wir auch noch, aber die haben halt einfach nicht richtig auf’s Album gepasst, das ist manchmal so. Mehr kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Aber weil du sagst, moderne Musik: Klar, wir sind moderne Leute, wir schlafen auch nicht auf dem Fell, wir fliegen auch mit dem Flugzeug. Ich habe zwölf Jahre auf dem Mittelalter-Markt gestanden, und möchte auch nicht mehr das Palästinalied hoch und runter spielen mit Trommel und Dudelsack, da hab ich keinen Bock drauf. Wenn ich auf einem Mittelalter-Markt bin und die neuen Bands sehe, die sich was schämen sollten, die keinen eigenen kreativen Kopf haben und das Palästinalied immer noch hoch und runter spielen, und das auch noch mit denselben Ansagen wie wir vor zwanzig Jahren – warum soll man das dann noch machen? Wir sind einfach eine moderne Rockband mit mittelalterlichen Instrumenten, von mir aus auch eine Mittelalter-Rockband, werden unsere Wurzeln aber auch nie verleugnen, das wäre albern.

Der Liedtitel „Stalker“ fügt sich nicht unbedingt so gut ins Mittelalter-Repertoire; sind mit dem Text vielleicht auch persönliche Erlebnisse verbunden?

Ja natürlich, ich finde jeder Text hat irgendwo etwas Persönliches. Da steckt immer ein bisschen Wahrheit mit drin, und da will ich jetzt auch gar nicht näher darauf eingehen. Aber man brauch ja auch nur Fernsehen zu gucken, was da alles in der Welt passiert, und kann das alles aufschreiben.

In „Auge um Auge“ geht es um einen Verurteilten, der am Tage seiner Hinrichtung überdenkt, wie er es eigentlich hierhin gebracht hat. Macht es euch manchmal Sorge, dass in vielen Ländern der Welt die Todesstrafe noch recht exzessiv angewandt wird?

Auf alle Fälle macht man sich Gedanken darüber! Aber die Sichtweise der Person, um die es in „Auge um Auge“ geht, ist ja etwas anders: Der Typ wird verurteilt, merkt dadurch erst einmal, was er dem Anderen überhaupt angetan hat und wird damit nicht fertig. Warum kann es passieren, dass ein Mensch zu so etwas fähig ist? Vorher wird ja gesungen, ein Kind würde das niemals hinkriegen, wieso bin ich kein Kind geblieben? Und von dieser Sichtweise her habe ich das Lied gemacht.

In Extremo haben ja mittlerweile Konzerte in aller Welt absolviert, egal ob China, Südamerika oder Russland. Was unterscheidet solche Gigs von Auftritten hierzulande, gerade auch wegen der Sprache als Barriere?

Die sind manchmal noch extremer! Du stehst in Chile vor zehntausend Leuten und die singen deine Texte komplett mit. Ich dachte mir, „Was ist denn hier los?!“ Das ist unfassbar, und da freut man sich natürlich. Ob in Russland oder anderswo, die Leute kennen uns und das macht einfach Spaß. Es bedarf nicht immer der Sprache, und man sollte die Fans auch nie unterschätzen. Die setzen sich mit den Texten auseinander, was das denn bedeutet, was wir da singen – und sowas finde ich total gut. Grade auch durch das Internet.

Damit leitest du ja bereits auf meine letzte Frage hin, und zwar: Wie schwer haben eigentlich In Extremo mit dem Problem illegaler Downloads zu kämpfen?

Ich persönlich finde das total Scheiße, weil ich jeden Tag bestohlen werde, ganz einfach. Woran nun die Preispolitik liegt, ob das an den Plattenfirmen liegt, das kann ich nicht sagen, da müsste man sich mal damit auseinandersetzen. Aber die Leute, die downloaden, bestehlen die Musiker und Bands, die nichts haben, die im Proberaum stehen und vielleicht mal zwei CDs gemacht haben, und diese werden dann noch bestraft. Ich finde, das ist eine ganz große Schweinerei, wer lässt sich schon gerne bestehlen – keiner. Es gab sogar schon Leute, die kommen mit selbstgebrannten CDs zur Autogrammstunde und wollen die unterschreiben lassen. Da sag ich dann einfach: Haut ab. Das ist eine Frechheit. Ist aber nun mal leider so…

Du sagst es. Nun gut, dann wäre ich mit meinem Interview hier durch und mir bleibt nur noch, euch viel Erfolg für euer Konzert zu wünschen!

Ja, viel Spaß heute Abend! Wir hoffen, dass das Wetter hält, aber das werden wir schon irgendwie hinkriegen.

Dieses Interview wurde geführt und geschrieben von meinem Kollegen Basti(aka Laughing Moon) und von mir lediglich veröffentlicht!
geführt am 30.08.2011   von Gelal
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