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Le Mur "Nacht Der Lemuren Im Ruhrgebiet!"
Das Debütalbum „in tenebris“ der Ruhgebiets-Psychedelic-Doom-Rocker, hat mich durchaus überrascht. Krautrock anno 2012. Es blieb mir nichts anderes übrig, als die Band zu kontaktieren, um etwas mehr Informationen zu erhalten. Zumal die bandeigene Homepage nicht wirklich viel preisgibt. Georgios (Schlagzeug), war so freundlich, um ausführlich einiges klarzustellen, was im Hause le mur so los ist…
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Le Mur In Tenebris
Le Mur Silentia Nova
Le Mur In Tenebris - Vinyl Release
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Le Mur - Nacht Der Lemuren Im Ruhrgebiet!


Ich muss zugeben, „in tenebris“ ist schon auf den „ersten Blick“ gewöhnungsbedürftig. Das gute daran, es ist zeitintensiv, d.h. nicht mal eben zum „Neben-bei-hören“… Es kommt einem vor, als ob sich ein paar gestandene „Stoned-Pharmaka-“Männer, die in den 1960e und 70er-Jahren im „Prog/Kraut-Rock“ Erfolg hatten mit einem Reunion-Ablum zurückmelden…Oder was sagst Du dazu?
Aber wir sind doch ein paar „Stoned-Pharmaka-Männer“ die in den 60er 70er Jahren Erfolg hatten und sich jetzt zurückmelden :-).
Wow, da liege ich endlich mal mit meiner Einschätzung richtig!:-)

Die Bezeichnung Krautrock verfolgt uns seit dem wir eins unserer ersten Lieder schrieben („One way ticket to space“). Sogar zu einem Neokrautrockabend wurden wir eingeladen. Also ich weiß nicht ob ich es Krautrock nennen würde, was wir spielen, aber das stört uns natürlich auch nicht. Nur wir hören jede Menge Musik und sind Fans von vielen Bands aus verschiedenen Musikrichtungen, aber keiner von uns Dreien hört so intensiv Krautrock, um dessen Einflüsse in die Band reinzubringen. Aber andererseits betrachte ich Krautrock als deutsches Kulturgut. Etwas so wie Folklore des Ruhrgebietes :-). Und weil wir im Pott leben ist die Verbindung wahrscheinlich unvermeidbar. Aber ich glaube trotzdem, dass der Pott sich verändert hat, vor allem kulturell. Die Einflüsse sind zu viele geworden und das wirkt sich unmittelbar in unserem Sound aus, also dann wenigstens Krautrock 2000 oder Neo-Krautrock eben :-). Aber das ist definitiv besser als die Bezeichnung Britpop; das wäre daneben:-). Fakt ist, wir spielen nicht gezielt 60er-70er Jahre Musik und unser Ziel ist es auch nicht eine bestimmt Linie zu verfolgen. Das wäre unfair und vor allem langweilig. Aber wahrscheinlich kommt diese 60er-70er Jahre Aura zur Erscheinung, weil wir einfach drei Leute sind die Lust auf ihre Instrumente haben. Sie experimentieren und gleichzeitig lassen sie den Frust des Alltags raus....und das ist 60er-70er Jahre oder nicht ? Einfach „jammen“ und schauen was dabei rauskommt. Das ist, meiner Meinung nach, in den letzten Jahren, nicht nur in Deutschland sondern überall, verloren gegangen. Es ist traurig, aber ergibt auch den Ansporn, für eine Band wie uns, selbst Musik zu machen. So ist auch unser Debütalbum ,,in tenebris“ entstanden, als wir uns im Proberaum gesammelt haben, um unsere Erlebnisse durch die Musik auszudrücken. Und ich hoffe, dass es auch bald die Musikfreunde bei einem unsere Konzerte genauso sehen und empfinden werden.

Dann stell die Band mal vor: „wie, wer, was und warum“?
Le Mur hat unser Gitarrist, Sänger, Organist & Saxophonist Matthias (28) im Winter 2006
gegründet. Ein paar Monaten darauf bin ich, Georgios (Schlagzeug) eingestiegen. Nicht die Musik, die die damalige Band gespielt hat, hat mein Interesse geweckt, sondern Matthias' Eigenschaften all die oben genannten Instrumenten mit Geschick einzusetzen. Ich wusste von Anfang an - „Da ist was dran!“-. Die Bassposition war schwer zu besetzen, Bassisten kamen und gingen. 2008 stieg Janine (25) in die Band ein und hat uns nicht nur erlöst, sondern sich auch ins Zeug gelegt und so konnten wir uns alle auf die Musik konzentrieren. Weißt du, wir sind alle berufstätig und das einzige worin wir einen Sinn sehen ist die Musik. Es gibt nicht spannenderes und aufregenderes als eine gelungene Probe oder ein erfolgreicher Auftritt. Ungeachtet der finanziellen Hinsicht noch des Berühmtseins. Wir haben noch viel Energie die wir auch weiter in neuen Lieder umsetzten werden und es hoffentlich die Zuhörer auf unserem Debüt -Album erkennen und sogar bald live bei einem unsere zukünftigen Konzerte miterleben können.

Wie seid ihr an das Album herangegangen und wer/was sind eure Inspirationen, sowohl auf der musikalischen als auch lyrischen Ebene…?



Irgendwann hatten wir so viel Material um sogar zwei (!) Alben aufzunehmen, soll heißen, die Zeit war reif! Und so haben wir Ende 2010 mit einer kleinen Planung, dem entsprechenden Budget aus eigener Tasche und genug Motivation und Freunde das Projekt „in tenebris'' ins Leben gerufen. Aufgenommen haben wir selbst, weil die Suche nach Unterstützung gescheitert ist als wir uns mit den falschen Leuten getroffen haben. So haben wir auch das Mixen selbst übernommen. Das Mastern haben wir dem Profi Andreas Balaskas vom Masterlab in Berlin überlassen. Er war sehr schnell, präzise und eine echte Erleichterung für uns. Das Cover/Logo hat ein alter Kumpel von mir, aus Griechenland, für uns angefertigt und so waren wir gegen Herbst 2011 fertig. Kurz drauf haben wir das Label aus England kontaktiert, die dass das Album veröffentlichen wollte. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir aber leider nicht wie unseriös die Leute von diesem Label sind. Es hat ein Jahr gedauert bis das Album endlich erschienen ist. Na ja, es kann nicht alles glatt laufen. Ein bisschen Pech gehört dazu....in unserem Fall hat es uns mehr zusammengeschweißt. Die Inspirationen sind und waren Viele. Du fragst uns jetzt nicht wirklich welche Inspirationen wir
haben oder?:-)
Doch…
Ich weiß nicht wo ich anfangen soll. Black Sabbath, Doors, Anathema, Pink Floyd, sogar Iron Maiden; aber es ist unfair nur diese Bands zu erwähnen. Heute, am Montag (01.10.2012) sind wir in Frankfurt um endlich Dead Can Dance live zu sehen...jetzt verstehst du was ich meine:-). Jede Band die wir verehren (und das sind wirklich reichliche), ist eine musikalische Inspiration für uns und die „Strange“-Sachen im Alltag sind ebenfalls genügend um uns für die Texte zu inspirieren.:-)
Na also, geht doch:-).

…wie kommt die unmittelbare Umwelt mit eurer Musik klar, soll heißen: wie sind die bisherigen
Reaktionen von Fans, Presse und Familie:-)?
Reaktionen von Fans ? Welche Fans ?:-) Um ehrlich zu sein können wir nicht behaupten, dass wir Fans haben. Nur ein paar Freunde die Spaß an unserer Musik haben. Wir versuchen gerade unser Debütalbum zu präsentieren, um mehr Freunde zu gewinnen. Reaktionen der Familien: Als unsere Familien unsere Lieder gehört haben, konnten sie nicht wirklich etwas damit anfangen...das bewerten wir als positiv:-). Aber die Presse, bis jetzt, kann ich nicht in Worte fassen. Das Feedback ist großartig. Es ist sehr motivierend, von der Fachwelt, Lob entgegenzunehmen und das mit dem Debütalbum. Danke noch mal an dich und das Metalglory-Team.

Wo ist der Song Nr. 3 auf dem Coverartwork; was hat es nun auf sich?
Dieses ,,Rätsel“ werden wir leider noch nicht aufklären...es ist definitiv kein Tippfehler. So viel
kann ich sagen :-). Über jedes unserer anderen sechs Lieder könnte ich etwas erzählen, aber nicht über Track 3. Wir hoffen damit, dass so bei den Zuhörern ein bisschen Spannung aufgebaut wird.
Na ja, nachfragen muss man ja und wir lassen uns beim nächsten Werk überraschen…
Ok, dann kannst Du etwas mehr auf die einzelnen Songs eingehen, auch wenn jene schon für euch ziemlich “alt” erscheinen werden, zumal sie bereits um 2010 ja entstanden sind, richtig?

Richtig. Manche Parts als auch der komplette „one way ticket to space“-Song sind älter. Als die schwierige Auswahl der sieben Lieder fiel, ist uns aufgefallen, dass die Lieder, mehr oder weniger, musikalisch und vom Text her, zu einem gemeinsamen Nenner führen. Als sich mehr als eine Story entwickelt hat, wurde uns klar, dass das Album nicht nur das Zeug für ein Konzeptalbum hat, sondern es auf eine Trilogie hinausläuft. Letzen Endes ist es sogar mehr als das und zwar etwas wie ein Kaleidoskop. Der Spaß hat sich automatisch vervielfacht :-). Unsere Texte sind auf Englisch, Deutsch und Latein. Es gibt zum Beispiel „Die Nacht der Lemuren (Teil III)“; das ist der Anfang einer umgekehrten Trilogie. Also eine Trilogie in einer Trilogie:-)
Ok?!?!?!
Separat ist es etwas wie ein Sci-fi Abenteuer, aber sobald es in dem Konzept integriert wird bekommt es eine andere Bedeutung. Auch ein Beispiel: „Die Nacht der Lemuren (Teil III)“ erzählt wie jemand von Kreaturen (Lemuren) verfolgt wird, weil die Nacht irgendwie anders zu sein scheint. Aber in dem Konzept nimmt dieser Jemand die Form eines Beobachters ein, der zusieht wie die Welt und die Zeiten sich verändert haben nachdem die Menschheit unzufrieden („cage“) und dann übermütig („One way ticket to space“) wurde; und hier die Kreaturen etwas wie Sicherheitsleute sind, die anarchistische und provokante Gedanken von der Vergangenheit und Gegenwart nicht mehr dulden so wie im Mittelalter oder sogar zu Kommunismus-Diktaturen Zeiten…
Ähm, bin verwirrt und wie schon erwähnt: es braucht Zeit:-). Also, weiter im Text…
Dann gibt es die zwei „O.m.e.n.“-Lieder. Die haben die Funktion des Pro- und Epilogs. Und dann noch das Lied ,,In Tenebris“, das etwas wie ein Gebet ist. Ich habe genug verraten und glaube es macht mehr Spaß wenn man das Album allein durchschaut oder sogar selbst interpretiert (ich glaube diese Eigenschaft besitzt unser Werk auch:-)). Hoffentlich macht es Bock auf mehr.



Und wie sieht es mit der lyrischen Sicht der Dinge in den Songs auf „in tenebris” aus?
Frustration, Unzufriedenheit, Angstzustände, Hilferufe usw. Darum geht es in ,,in tenebris“. (Das passt auch sehr gut mit der vergangenen und sogar momentanen Situation der Band!:-)). Aber warum und wie die Lyrics sich später entwickelt und worum es geht, verraten wir natürlich noch nicht. Es ist alles bis aufs Detail durchdacht, nicht nur auf der lyrischen Ebene sondern großteils musikalisch. Auf dem zweiten Album wird es deutlicher...oder auch verwirrender:-)
…sag ich doch…

Welche Hörerschaft wollt ihr eigentlich erreichen und auf welchen Bühnen (mit wem) bzw.
welchen Festivals würdet ihr euch sehen oder sollte ich sagen: seht ihr euch?
Leute die nicht Musik im Radio als Begleitung beim Autofahren bevorzugen:-), sondern Leute die wirklich Musik als Kulturgut und Lebensstil empfinden und offen und neugierig sind. Leute die neben Rage Against The Machine eine Rush-Platte haben, die noch The Cure, Celtic Frost hören und dann vielleicht Miles Davis:-). Es gibt so viele Festivals wo wir eines Tages gerne spielen würden. Das Roadburn-Festival ist ein persönlicher Traum von mir oder das Stoned From The Underground wäre super. Vielleicht bleiben es nur Wünsche und Träume, aber wie werden uns bemühen. Bei My Sleeping Karma hätte ich ebenfalls persönlich Bock als Support zu spielen, egal wo, das wäre ein abgefahrener Abend.

Obwohl das Debüt-Album „in tenebris“ jetzt vor kurzem nun über ein Label offiziell erschienen ist, habt ihr schon die Arbeiten an neuen Songs begonnen. Wie sehen nun die Pläne aus, was kommt nun?
Das Erscheinen des ,,in tenebris“-Albums hat sich wie gesagt dank dem Label (aus England) verzögert. Wir konnten nicht mehr warten und uns war auch bewusst, dass wir von hier aus nichts machen konnten, also entschlossen wir uns das zweite Album (wieder in Eigenregie) fertig zustellen. Und jetzt sind wir mitten drin in den Aufnahmen. All die negativen Strömungen rund um das Debütalbum haben sich im Proberaum in positive Energie gewandelt. Auch das Warten und die Ignoranz in anderen Bereichen, wie Booking-Agenturen (wo wir immer noch unsere Schwierigkeiten haben) haben uns noch mehr motiviert. Priorität hat jetzt das zweite Album und die Promotion des Ersten. Wenn wir zu ein paar coolen Locations Einladungen bekommen, würde uns das freuen. Aber auf eine Tour zu gehen ist momentan undenkbar, weil wir noch am Anfang stehen und noch nicht die richtigen Leute gefunden haben die mit uns auf die Strasse wollen. Im Pott ist es auch schwierig nur mit der Musik und ohne „Connections“ was anzufangen, es sei denn, du bist eine Ska-, Punk-, Hardcore- oder Schnulzen-Rockband,...am liebsten eine „Ska-punkschnulzenrockband“ mit Hardcore Einflüssen. Dann hast du vielleicht eine Chance:-), aber egal. Sobald das zweite Album fertig ist, fängt dessen Promotion an und auch gleich das Schreiben des dritten Albums. Und wir können es kaum erwarten. Wir hoffen, dass ein paar entsprechende Leute durch die Alben aufmerksam werden und irgendwann spielen wir vielleicht auf den oben genannten Bühnen, wer weiß?!

…wir von metalglory.de wünschen euch viel Erfolg, support the underground…!
Auch wir danken euch. Ich hoffe, ich habe euch nicht soooo vollgequatscht:-) Wir sagen auch : Support the underground is the only way for the real music.



Den ersten Eindruck mit einem Promovideo gibt es direkt hier:
http://www.youtube.com/watch?v=Du3eNW1aP3o

Le mur im Netz zum Antesten unter: http://www.le-mur.net

Line-Up (2012):
Georgios Dosis - drums
Janine Fickelscherer - bass guitar
Matthias Gräf - guitar, vocals, organ, saxophone


geführt am 01.10.2012   von Arturek
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musikalischer Background des Verfassers
...sehr viel
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