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Rebellion "Wikinger, Varus Und Whisky"
Noch vor dem Gig in Pirmasens hatte ich die Gelegenheit mit Rebellion ein paar Worte über die Bestzungswechsel der Vergangheiten, das neue Album und das Wasser des Lebens zu wechseln. Vor allem Tomi Göttlich präsentierte sich in blendender Plauderlaune und hatte so einige spannende Dinge zu berichten, die wir ein paar Tage später am Telefon noch ein wenig vertieft haben.
Weitere Infos zu Rebellion:
REVIEWS:
Rebellion Miklagard
Rebellion Miklagard - History Of The Vikings Vol.ii
Rebellion Arminius Furor Teutonicus
INTERVIEWS:
Rebellion - Wikinger, Varus Und Whisky

Man hat ja in einigen Rezensionen zu Eurer neuen CD gelesen, dass es letztendlich den Fans zu verdanken ist, dass ihr mit Rebellion weitergemacht habt. Was genau ist da passiert? Tausende E-Mails? Fanpost mit BHs?

Die BHs hätte ich natürlich gerne gehabt. Du musst Dir vorstellen: Uwe Lulis steigt aus, Simone Wenzel steigt aus, Gerd Lücking steigt aus und Michael und ich stehen alleine da. Da war für mich eigentlich klar, dass die Band tot ist. Und dann haben wir nicht nur aus Deutschland, sondern aus Brasilien, Nordamerika, Kanada usw. Fan-E-Mails bekommen, die uns gesagt haben: „Macht weiter! Bitte macht weiter! Wir glauben an Euch. Ihr seid immer noch das, was vorne steht. Uwe ist zwar weg, aber Michael und Du seid noch da. Simone und Gerd waren nicht so wichtig.“ Das war in etwa das, was in den E-Mails stand. Also weit über hundert, vielleicht auch zweihundert oder dreihundert, auf jeden Fall ein Arsch voll E-Mails. Da haben Micha und ich beschlossen einfach weiterzumachen, weil wir eine Chance sehen, dass uns die Leute das glauben. Dann haben wir halt neue Leute gesucht. Ich wollte die Band gerne so haben, dass es lokal ist und wir einmal die Woche proben können. Da war der Oliver Geibig mein erster Ansprechpartner, weil ich mit ihm schon bei „Magic Of Radio“ und „Schlammbein“, die hier in der Pfalz nicht so ganz unbekannt sind, gespielt habe. Ich weiß, dass der Oli auch schon seit 20 Jahren Toningenieur ist und wir kommen einfach gut miteinander aus. Wir wissen einfach, wann wir die Fresse zu halten haben – auch in problematischen Situationen.

Ist es denn jetzt nach dem Ausstieg von Uwe immer noch so, dass Rebellion so ein wenig im Schatten von „Grave Digger“ stehen und mit ihnen verglichen werden?
Naja. Also zunächst mal ist das nichts Ehrenrühriges mit „Grave Digger“ verglichen zu werden. „Grave Digger“ ist eine deutsche Metal-Legende, eine der etabliertesten deutschen Metal-Bands. Und wenn man mit denen verglichen wird und teilweise sogar noch gesagt bekommt, dass man auch deren Qualität erreicht oder mit dem aktuellen Album sogar noch besser ist, dann ist das schon ein enormes Kompliment. Was die Bewertung meiner Musik betrifft können das die Journalisten und vor allem die Fans ohnehin besser beurteilen als ich. Und wenn die sagen, dass es wie „Grave Digger“ klingt, dann ist das halt so. Also mich stört das nicht.

Wahrscheinlich sind es primär die Namen, die zu diesem Vergleich verleiten. Mit der neuen Besetzung deutet sich schon an, dass Rebellion auch in Zukunft doch anders klingen werden als Grave Digger. Zumal auch der zweite Gitarrist Stephan Karut bestätigen konnte, dass er, der erst lernen musste Metal zu spielen, mit seinen Ideen ein wichtiger Bestandteil der neunen Rebellion geworden ist und maßgeblich zu dem etwas rockigeren Klang von Furor Teutonicus beigetragen hat.

Ist es aber trotz dieses Vergleiches so, dass Rebellion im Moment nicht mehr den Status haben, mehr als 30-50 Leute zu den Konzerten zu ziehen?
Nein! Also im Regelfall ziehen wir um die hundert. An guten Tagen auch mal einhundertfünfzig bis zweihundert. An schlechten Tagen auch mal weniger. Also die fünfzig sind so eine außergewöhnliche Untergrenze.

Aber ihr hattet am Samstag doch richtig Spaß gehabt?
Weißt du, wenn du den Anspruch hast mit der Musik noch groß etwas zu erreichen, dann ist man von achtzig Leuten, was bei uns regelmäßig passiert, schon enttäuscht. Wenn Du aber froh bist am Wochenende raus zu kommen und zu machen, was dir Spaß macht, sprich mein Hobby, dann freu ich mich, dass es einfach Leute gibt, die auch kommen. Dann sehe ich das positiv. Dann bist du nicht enttäuscht, sondern froh, dass du irgendwo spielen kannst und noch genug Geld bekommst, dass du am Ende des Tages nicht mit einem Minus raus kommst. Dann ist das für mich eine runde Sache. Natürlich haben wir nicht die Absicht jetzt dort stehen zu bleiben, wo wir sind. Man muss aber auch realistisch sein. Die Musik, die wir spielen ist im Moment einfach nicht stadionkompatibel. Das ist halt Underground und da ist es einfach so, dass man nicht jeden Abend mit dem Tourbus durch die Gegend fährt und Nutten guckt. Wir spielen eben in kleinen Clubs und trinken mit den Leuten danach noch ein Bier. Das ist gar nicht so schlecht.

An dieser Stelle kann ich die Worte von Tomi nur unterstreichen. Mich selbst freut es ungemein, dass es noch professionelle Bands gibt, die sich vor Ort gerne die Zeit für ein Gespräch und ein bisschen Small-Talk nehmen und die Nähe zu ihren Fans auch bei einem guten Whisky pflegen. Die passenden Verköstigungsnotizen zum Konzertabend in Pirmasens kann man übrigens bei the-pit.de unter den Specials nachlesen. Zu diesen Gesprächen gehört dann beispielsweise auch ein wenig über den textlichen Inhalt des aktuellen Albums zu plaudern. Als Historiker steckt Tomi natürlich ganz tief in dem Thema drin und es würde den Rahmen dieses Interviews sprengen die ganzen spannenden Ausführungen zu Arminius hier widerzugeben. Der Blick ins Booklet lohnt sich daher auf alle Fälle.


Wärst Du trotzdem so nett und würdest noch einmal die wesentlichen Punkte zu Arminius kurz zusammenfassen? Vor allem würde mich auch interessieren, wie du der weitläufigen Meinung stehst, dass Arminius als Gründer des deutschen Nationalgedankens angesehen wird.
Ich habe natürlich alle Quellen gelesen, die es zu Arminius gibt. Das ist eigentlich gar nicht so viel. Da bekommst du vielleicht so ein ganz dünnes Reclam-Heft mit dreißig Seiten zusammen. Was man mit Sicherheit weiß ist das Geburtsdatum (17 v.Chr.), so plus minus ein Jahr und man weiß, wann er nach Rom gekommen ist. Die Cherusker sind dann von den Römern überfallen und zu einem Friedenvertrag gezwungen worden. Da war es üblich, dass die Söhne als Geiseln nach Rom gegangen sind. Das war nicht ungewöhnlich und nicht ehrenrührig. Sie haben dann dort die Erziehung genossen, die auch römische Prinzen genossen hätten und sind dort so in die Gesellschaft integriert worden. Arminius ist wie ein hochstehender Römer aufgewachsen und wurde mit dem römischen Militärwesen vertraut. Er muss sich dann, aber das weiß man nicht so genau, in den panonischen Kriegen als Führer einer germanischen Hilfseinheit außergewöhnlich hervorgetan haben und bekam dafür von Augustus das römische Bürgerrecht verliehen. Das nächste, was wir mit Sicherheit wissen ist, dass er in Germanien ist zu der Zeit als Varus da ist. Fakt ist aber auch, dass wir aus dem, was wir wissen sowohl einen Hochverräter als auch einen deutschen Nationalhelden bauen können. Der Höhepunkt dieses Nationalkultes war dann im Nationalsozialismus. Das ist natürlich ein heißes Eisen so ein Thema anzupacken, weil du immer Gefahr läufst in die braune Ecke geschoben zu werden. Auf der anderen Seite denke ich, dass die Braunen kein exklusives Recht an der Figur des Arminius haben, um ihn vor allem für ihre Zwecke zu benutzen. Gerade weil das so ein bisschen anrüchig ist, möchte ich das Thema behandeln und ihn den Braunen wieder wegnehmen, wenn du verstehst was ich meine. Ich habe deshalb auch ganz bewusst ans Ende des Albums diesen Requiem gesetzt, der dieses Thema von der anderen Seite beleuchtet und habe auch im Booklet ein paar Takte dazu geschrieben.

Diese ganzen historischen Materialen, die Du auf diesem und den vergangenen Alben verarbeitet hast – ich zähle Macbeth da auch dazu – verwertest Du das auch in deinem Lehrerberuf oder musst du das trotz der Schnittmengen ganz strikt trennen?
Nein. So strikt trenne ich das nicht. Was ich aber nicht mache: Ich promote nicht meine Platten im Unterricht. Ich setzte auch mein Macbeth nicht im Unterreicht ein. Natürlich bekommen die Schüler mit was ich so mache und bekommen mit welche Platten ich gemacht habe und sprechen mich darauf an. Ich sage dann immer, dass sie sich die Platte gerne anhören können und man privat auch darüber reden kann, aber dass es mir dann auch zu blöd ist das als Unterrichtsmaterial einzusetzen. Die müssen sich also nicht mein Platte kaufen, um eine gute Note zu bekommen. Ich glaube das kann ich auch gut erklären. Am Ende des Tages zählt dann nur, ob du ein guter oder schlechter Pädagoge bist. Arminius und die Wikinger stehen ja auch gar nicht auf dem Lehrplan.


Du hast ja noch ein weiteres spannendes Hobby bei dem du ebenfalls eine Art lehrende Funktion hast: Der Whisky. Da ich selbst ja auch ein Freund guter Malts bin, würde ich mit dir jetzt gerne das Thema Whisky mit Rebellion kombinieren.
Sehr gerne. Lasse ich mich drauf ein.

Gut. Dann fangen wir mal an. Welcher Whisky könnte zu „Disdaining Fortune“ passen?
Hmm. Ich denke zu „Disdaining Fortune“ würde eine Laphroaig gut passen, weil er ehrlich und straight ist und dir das bietet, was du erwartest – ohne besondere Finessen zu haben und direkt nach vorne gehr.

„Breeding Hate“
Da würde ich……das ist eine gute Frage….ich glaube da würde ich einen Ledaig nehmen…in Fassstärke aber und er müsste jung sein, weil er eine unglaubliche Intensität, Brutalität und Ausdruck hat. Wenn du Extreme in schottischen Whiskys suchst, dann ist so ein Ledaig schon nah an dem Extrem, das kriegen kannst.

„Kiew"
Ohhhh…..da würde ich einen alten Glen Grant nehmen, weil Glen Grant eine hervorragende Distillerie ist, die sich vom Distilleriecharackter so robust zeigt, dass man deren Whiskies auch lange lagern kann. Ein 40jähriger Glen Grant ist sehr balanciert, sehr ausgeglichen…eine Melodie. Der erzählt dir quasi zehn Minuten lang seine ganze Geschichte und ist in sich sehr stimmig und geschlossen. Ich denke das passt sehr gut zu „Kiew“.

So und das ganze mal anders herum. Ich habe hier jetzt drei Whiskies aus meiner Sammlung und suche dazu das passende Rebellion-Stück…
Gerne!

Ardbeg Supernova
Lass mich überlegen…hmmmm…hmmmm…schwierig…..hmmmm….was würde dazu passen? Was Schnelles müsste es sein, was Kräftiges mit viel Ausdruck, aber auch überraschend. „The Seeress' Tower“ vielleicht. Ich meine der ist nicht so Rebellion-typisch…Supernova ist ja auch nicht so Ardbeg-typisch….doch ich denke ich würde „The Seeress' Tower“ nehmen, obwohl der ein bisschen schneller sein könnte…

Dann hätte ich da den 10jährigen Edradour – das Marzipan-Bonbon unter den Schotten
Ich fürchte da sind wir nicht so ganz auf einer Linie. Ich finde den 10jährigen…Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden…so seifig und unangenehm. Es gibt ja viele Whiskies, die seifig sind. Ich würde da überhaupt keinen Rebellion-Song nehmen. Das ist einer der ganz wenigen schottischen Whiskies, die ich gar nicht mag. Sorry!

Dann nimm alternativ was von „Grave Digger“!
[lacht]. Da hab ich doch was. „Dolphin’s Cry“. Der ist auch so schön seicht und seifig und so gar nicht meins.

Und ein Glengoyne, 17 Jahre, Distillerie-Abfüllung ?
Da bräuchten was Warmes, Mildes mit Nuance. Da würde ich „Rest in Peace“ nehmen. Weil es einfach sehr rund und stimmig ist, immer wieder Überraschung hat, aber doch voluminös ist. Weil man auch zuhören kann. Der 17jährigen hat ja unglaubliche Variationen.

Der hätte dann auch am Samstag vorm Konzert gut gepasst. Machst Du vor jedem Gig ein Tasting?
Nein. Das war jetzt am Samstag einmalig. Das habe ich gemacht, weil ich ja auch diesen Blog für the-pit.de schreibe. Da kommt bald der nächste Teil raus. Da habe ich gedacht, weil mich auch die Jungs von Dragonsfire angesprochen habe, wäre das ein schöner Abschluss.

Ein Schöner Abschluss auch für dieses Interview. Nach ein wenig Fachsimpeln über Whisky und kommende Konzerte in der Pfalz war dann auch dieses spannende Interview zu Ende.
Danke nochmals an die Band für den unterhaltsamen Abend.
geführt am 28.12.2012   von Nameless
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