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Edenbridge "Keine Grenzen"
Keine Frage: Das jüngste Opus der Österreicher Edenbridge kann als deren Meisterwerk bezeichnet werden und ist ein Musterbeispiel wie spannend symphonischer Metal mit Orchester klingen kann. Spannend auch was Lanvall und Sabine Edelsbacher im Interview zu berichten haben.
Weitere Infos zu Edenbridge:
REVIEWS:
Edenbridge The Grand Design
Edenbridge Aphelion
Edenbridge Myearthdream
Edenbridge The Bonding
INTERVIEWS:
Edenbridge - Keine Grenzen

Hallo Sabine und Lanvall, seit der Veröffentlichung von The Bonding sind nunmehr gut zwei Monate vergangen. Wie zufrieden seid ihr mit dem Erfolg, der sich bislang eingestellt hat?

Lanvall: Sehr zufrieden obwohl ich natürlich noch keine genauen Zahlen kenne, das Label ist es auf jeden Fall. Es sind viele neue Türen aufgegangen, die auch wichtig für die Zukunft sein werden.
Sabine: Die zahlreichen tollen Reaktionen unserer Fans waren sehr schön für uns und die Resonanz auf das Album insgesamt phänomenal. Insofern kann man schon einmal von Erfolg sprechen.


Ihr gehört ja nun auch zu denen Bands, die Chartplatzierungen mit den letzten zwei Alben erreichen konnten. Hat man als professionelle Band irgendwann den Minimalanspruch an neue Alben in die Charts zu kommen oder sind für Euch mehr die Fanreaktionen und Verkaufszahlen interessant?

Lanvall: Die Charts sind ein netter Nebeneffekt, sagen aber nichts über die gesamten Verkaufszahlen aus und das ist und bleibt das wichtigste. Die Fanreaktionen sind natürlich enorm wichtig und die sind unglaublich bis jetzt. Ich glaube, daß sehr viele Leute spüren, wie tief „The Bonding“ musikalisch und emotional geht.


Könnt ihr abschätzen ob durch solche Listungen in Charts plötzlich Fans zu Euch kommen, die ihr auf „normalem“ Weg so gar nicht erreicht hättet?

Lanvall: Schwer zu sagen. Wenn so wie im Saturn und Media Markt es dann eigene Stapel gibt, weil du in den dortigen Charts bist, ist das natürlich positiv, weil dich vielleicht Leute entdecken, die dich vorher nicht kannten. Viel wichtiger sind jedoch Medien, die mit Metal nichts oder nur am Rande zu tun haben, der Großteil der potentiellen Käuferschicht liest ja gar keine Metalzeitungen und diese Leute gilt es aber zu erreichen.


Zwischen Euren Alben liegen überlicherweise zwei bis drei Jahre – in der heutigen schnelllebigen Zeit ein gefühlt langer Zeitraum. Gibt es neben dem Personalkarussell noch andere Gründe?

Lanvall: Das Personenkarussell hat dabei keinerlei Einfluß, da unser Line-Up mit Ausnahme des Bassisten seit 2007 stabil ist. Unter 2 Jahren würde es sowieso nicht mehr gehen. Ich brauche mindestens 1 Jahr alleine für das Songwriting, dann kommen mehrere Monate Produktionszeit und wenn man den Vorlauf vor VÖ dazurechnet sind es schon wieder 2 Jahre.
Sabine: Der längere Zeitraum zwischen unserem letzten und dem neuen Album hat sich vorallem dadurch ergeben, weil wir schwerwiegende Erlebnisse zu verarbeiten hatten. Da die Thematik auch textlich Einfluß genommen hat, erzähle ich kurz die Hintergründe dazu. Lanvall und ich waren gerade dabei den Wohnort zu wechseln, als sich sein Vater das Leben genommen hat. Alles was in diesem Zusammenhang passiert ist, hat uns ziemlich traumatisiert und wir brauchten Zeit um die Erlebnisse zu verarbeiten. In der Trauerphase sind aber dann auch noch laufend uns nahe stehende Menschen verstorben. Eigentlich ist es ein Wunder, dass das Album dennoch fertig geworden ist, aber Lanvall hat es gebraucht um sich daran hochzuziehen. Die mitfühlenden Reaktionen vieler Fans haben uns sehr gestärkt. Viele spüren einfach die Emotionalität, die mitschwingt aber auch das Kraftvolle und Mystische, das entsteht, wenn man Trauer durchlebt anstatt sie beiseite zu schieben. Da es für alle in der Band private Veränderungen gegeben hat, war die kleine Pause bei uns ganz willkommen.


Interessant finde ich ja, dass ich sehr vielen Rezensionen meist nur Eure beiden Namen hervorgehoben werden, was ja auch daran liegt, dass Ihr die beiden Konstanten der Band seid. Seht ihr beiden Euch dabei als der harte Kern der Band Edenbridge oder ist Edenbridge doch mehr zu einem Edelsbacher/Lanvall-Projekt mit welchselnden Musikern geworden?

Lanvall: Das hat sich einfach so entwickelt, da Sabine und ich seit Beginn der Band dabei waren und natürlich auch der Sound von Edenbridge durch ihre Stimme und meine Musik geprägt ist. Würde hier einer wegbrechen, so würde Edenbridge natürlich ganz anders klingen. Aber wie gesagt, Max und Dominik sind seit 2007 dabei und Wolfgang stieß letztes Jahr zur Band dazu.


Das Artwork des Albums find ich originell, weil anders. Wer hat es entworfen und was soll es darstellen?

Sabine: Die Ideel zum Cover wurzelt in einem Klartraum, den ich bereits 2009 hatte und der mich nachhaltig so beeindruckt hat, weil er einen unglaublichen visionären Charakter hatte. Inhaltlich war er zum Teil sehr persönlich; es ging um Kontaktaufnahme mit meinen Ahnen, die ich im wirklichen Leben nicht persönlich kennenlernen konnte. In diesem Traum, wenn er denn einer war, hat „The Bonding“, im Sinne von „sich wieder anbinden“ mit der eigenen Ahnenlinie für mich stattgefunden.
Auch ein Edenbridgefan ist darin vorgekommen. Er hatte in Bezug auf den Paradigmenwechsel, der ja unbestritten gegenwärtig stattfindet, einen Rat für mich. Im Nachhinein betrachtet, könnte ich unsere Crowdfounding Geschichte für unser Orchester damit in Verbindung bringen. In diese ganze Szenerie wurde ich durch eine Spirale gezogen und es war wie ein Wechsel in eine andere Dimension oder eine andere Zeitebene. Beim Aufarbeiten dieser Erfahrung habe ich mich auch mit der Bedeutung von Spiralen auseinander gesetzt und habe für mich erkannt, dass Entwicklung spiralförmig verläuft. Man kommt immer wieder an den gleichen Punkt und doch ist etwas anders (bestenfalls hat man in der Zwischenzeit dazugelernt und es ist keine Abwärtspirale geworden) Spirale Formen kommen überall in der Natur vor und selbst unsere innersten Stukturen sind spiralförmig angelegt (z.B. DNS)
Natürlich ist es nicht immer ganz einfach eine Idee für das Cover dem Künstler so zu vermitteln, dass sie richtig ankommt und ihm auch noch künstlerische Freiheit offen lässt. Aber Anthony Clarkson ist in dieser Hinsicht ein echtes Phänomen und es ist unheimlich toll, wie wir uns da immer wieder (mittlerweile zum dritten Mal) gemeinsam kreativ herantasten, bis wir schlußendlich sagen können: Das ist es und es drückt genau das aus, worum es in der Musik auch geht.


In den Infos zum Album/Interview steht ja, dass ihr Euch lange mit der Frage beschäftigt habt, wie ihr ein echtes, großes Orchester finanzieren könnt. Wann sind diese Ideen zunächst entstanden und wie kam es schlussendlich dazu, dass es bei „The Bonding“ auch geklappt hat? Wie hat insbesondere die Unterstützung der Fans ausgesehen?

Lanvall: Überwältigend. Ich wusste irgendwie, dass wir dieses Album wieder mit echtem Orchester aufnehmen werden, nur noch nicht wie wir es finanzieren sollen. Ich hatte aber auch das Vertrauen, dass sich die Wege noch ergeben. Dann kontaktierte mich eines Tages ein Riesenfan von uns aus Tirol und schrieb, dass er uns gerne wieder mit echtem Orchester hören wolle, so wie auf „MyEarthDream“. Ich erklärte ihm die Lage und er bot uns von sich aus an, ein Drittel der Summe aus eigener Tasche zu finanzieren, was mich echt sprachlos machte. Ich schrieb daraufhin sämtliche Partituren, was einige Zeit in Anspruch nahm. Ein weiterer großer Sponsor aus Deutschland kam dazu und der große Rest kam über unsere Fans. Der Unterschied zu Foren wie Kickstarter ist, dass wir das Orchester schon aufgenommen hatten und dann erst die Fans hinzuzogen, sie gingen also diesbzgl. kein Risiko ein. Durch diese Aktion wurde das komplette Orchesterprojekt ausfinanziert und es ist echt der Wahnsinn, wie wir uns auf unsere Fans verlassen können. Ich kann einfach nur danke sagen auch in dem Hinblick, wie vielen Fans das „Echte“ in der Musik so viel wert ist.


Ich selbst bin kein Komponist, aber ich kann mir vorstellen, dass man nicht einfach mal beim Kaffeetrinken Partituren für ein Orchester ausarbeitet oder in vorhandene Songs integriert, vor allem wenn das Orchester nicht so dominant ist und eher den vorhandenen Bombast ganz gezielt unterstreicht. Lanvall, wie stressig war das für Dich, nachdem du den Startschuß bekommen hast?

Lanvall: Haha, ja da hast du Recht, aber es braucht einiges an Kaffee. Als klar war, daß wir das Projekt Orchester angehen, habe ich mich sofort daran begeben, die programmierten Midiorchesterparts in die für das Orchester spielbare Partitur zu bringen und da fing die Arbeit erst richtig an. Bei der „MyEarthDream“ griff ich da noch auf externe Hilfe zurück, dieses Mal traute ich mir das selber zu, da ich in den vergangenen Jahren auch viele Partituren studiert habe. Das dauerte dann schon einige Wochen, um die ganzen Spielweisen einzuzeichnen. Dann fügt man natürlich auch noch Stimmen hinzu, um das ganze voller zu gestalten. Als alles fertig war, zeigte ich die Partituren einem befreundeten studierten Komponisten und Dirigenten und er gab mir dann noch einige coole Orchestrierungstips, die sich als sehr hilfreich erwiesen, generell hat sich aber nicht viel verändert. Das Orchester leistete dann auch einen Superjob, da die Tonarten meist äußerst schwierig waren und gerade im Violinenbereich einige wirklich trickreiche Passagen vorhanden waren, die sie perfekt meisterten. Auch für die Hörner war es eine nicht einfache Aufgabe, da ich die Hörner gerne mal sehr hoch notiere, was einfach super klingt, für den Musiker aber sehr anstrengend ist und demenstprechend einige Pausen benötigt.


Ich bin ja zu dem Fazit gekommen, dass ihr heuer nicht mehr viel Spielraum nach oben für weitere Verbesserungen habt und die Rezensionen, die ihr verlinkt habt liegen auch alle im Bereich 80% + Spekuliert doch mal ein wenig, wo der weitere Weg hinführen kann und wie sich Edenbridge weiterentwickeln können? Immerhin kommt der Bassist ja aus der Extrem-Metal-Ecke!

Lanvall: Der Spielraum nach oben ist immer gegeben, denn es gibt in der Musik keine Grenzen, außer man setzt sich selber Grenzen. Dafür braucht es aber auch frische Inspiration, um den nächsten Schritt zu setzen. Mometan kann ich überhaupt nicht sagen, wie unser nächstes Album klingen wird, da noch kein Ton dafür geschrieben wurde. Nach jedem Album hat man als Komponist auch das Gefühl, total leer zu sein, alles gegeben zu haben. Und da ist es am besten mal eine Pause einzulegen. Edenbridge ist auch keine Band, die sich wiederholt.


Spekulieren kann man auch über die kommenden Konzerte. Wie werdet Ihr „The Bonding“ live präsentieren können?

Lanvall: Unsere Booking Agentur bastelt gerade an einer Tour für kommenden Februar, es ist allerdings alles andere als leicht bei der momentanen Marktlage. Es wäre auf jeden Fall toll bald wieder auf der Bühne zu stehen und das neue Album auch live zu präsentieren.


Ganz spannend finde ich, dass ihr verhältnismäßig oft im asiatischen Raum Auftritte gespielt hat. Erzählt doch mal ein wenig über China, Vietnam, Südkorea und ob ihr dort in absehbarer Zeit wieder zu Gast sein wollt…

Lanvall: Mal sehen, momentan ist nichts geplant. Diese Erfahrungen zählen zu den besten, die wir bisher mit der Band erleben durften. Das erste Mal Südkorea war definitiv der Wahnsinn, das zweite Mal auch toll. Die China/Taiwan Tour brachte unglaubliche Erfahrungen, auch wenn wir „nur“ einige große Städte wie Taipei, Peking, Shanghai, Shenzhen und Guangzhou gesehen haben. Und Vietnam war überhaupt das verrückteste. Sabine und ich sind für einen 10 Minuten Akustikauftritt für 48 Stunden rübergeflogen. Montag abend Flieger von Wien nach Bangkok. Dienstag abend Ankunft in Hanoi. Mittwoch abend Auftritt in einem großen Theater, riesige Poster und Fahnen von uns vor dem Theater. Dazwischen etwas die Stadt besichtigen und das alte französische Kolonialflair genießen, Donnerstag abend zurück über Bangkok nach Wien, wo wir Freitag in der früh ankamen und uns fragten, ist das jetzt wirklich passiert? Aber genau diese Erlebnisse sind es.
Sabine: Man muß dazu sagen, dass das eine Akustik Show war und Lanvall am Klavier gespielt hat anstatt mit der Gitarre. Das alleine war schon eine Primäre für uns, weil wir das zuvor noch nie so gemacht hatten und es war Promo für die Band. Das heißt es sind weitere Konzerte für die ganze Band angedacht gewesen, was allerdings für Vietnam eine ziemliche Herausforderung darstellt. Alleine die Texte müssen durch die staatliche Kontrolle. War schon eine ziemlich skurile Geschichte das ganze, aber dennoch eine tolle Erfahrung.


Die letzten Wort gehören Euch. Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

Lanvall: Vielen Dank für das Interview und ein großer Dank an alle unsere Fans.
Sabine: Danke Dir für das Interview und auch spiraline Grüße an unsere Fans.

www.edenbridge.org
geführt am 21.10.2013   von Nameless
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