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Dornenreich "Zeit, Sich Wieder Zu Verwandeln"
- - - Dieses Interview hat Laughing Moon geführt. - - - "Freiheit", ein großes Wort, und doch kein bisschen übertrieben, wie das so betitelte achte Dornenreich-Album klarmacht, zeigt es die Band doch musikalisch als auch lyrisch auf dem Höhepunkt ihres kreativen Schaffens. Nachdenklich und tiefsinnig berichtet nun Sänger Eviga über die lyrischen Inhalte von "Freiheit" und erklärt, warum es nach solch einem vielschichtigen Album einer ganz neuen Annäherung an die Musik Dornenreichs bedarf.
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Hallo Eviga! Nur noch wenige Tage sind es bis zur Veröffentlichung des achten Dornenreich-Albums "Freiheit". Empfandest auch du eine Form von Freiheit, nachdem der Entstehungsprozess abgeschlossen war und du das Ergebnis in den Händen hieltest?

Nun, in Händen konnte ich das Ergebnis noch gar nicht wirklich halten. Tatsächlich sehen wir das finale Album - mit Booklet etc. - beim ersten Tour-Konzert in Stuttgart zum ersten Mal. Zur letztgültigen Fassung des Albums an sich - will meinen zur gemasterten Version - konnte ich allerdings während der letzten drei Monate schon Abstand gewinnen und kann nun sagen, dass ich mit FREIHEIT in jeder Hinsicht sehr, sehr glücklich bin. Es ist von unserer Seite und insbesondere auch von Seiten der Produktion genau so geworden, wie wir uns das in unseren kühnsten Träumen erhofften. Letzten Endes gehört ja immer auch Glück dazu, damit alles stimmig zusammenfinden kann. Und das hatten wir - nicht zuletzt bei den Stücken, die Inve und ich live einspielten.


Weißt du von vornherein, in welche Richtung sich ein neues Album bewegen wird oder soll, und wie das Verhältnis von akustischer Musik und Metal ausfällt? Oder ergibt sich das erst im Entstehungsprozess selbst?

Obwohl im Grunde schon seit vielen Jahren - und auch bereits bei unserem letzten Album FLAMMENTRIEBE - die Grundgerüste aller Stücke auf einer Akustikgitarre entstehen, ist das ein langer Prozess. Die akustische Basis ist aber in jedem Fall aufschlussreich, sind akustische Instrumente doch eine Art Seismograph dafür, wie packend ein Stück tatsächlich ist und ob seine Essenz überzeugt. Die tatsächliche Instrumentierung und Struktur eines Albums ergibt sich dann aber nach und nach. Dabei ist es für uns auch sehr wichtig, den kreativen Prozess bis zum letzten Studiotag offen zu lassen und so auch noch Änderungen, die sich im Studio ergeben, tatsächlich vorzunehmen und die älteren Pläne bewusst los zu lassen. Es geht also immer auch um eine Balance zwischen der ursprünglichen Vision, guter Vorbereitung und der nötigen Offenheit gegenüber der Studio-Situation, die immer auch eine Momentaufnahme und von vielen Faktoren abhängig ist.


Du hast angekündigt, dass "Freiheit" das letzte Album für einen längeren Zeitraum bleiben soll. Wie kam es zu dieser Entscheidung, und vor allem - wird es dabei bleiben? Ausschließen kann man bei Dornenreich ja bekanntlich so gut wie gar nichts. Bereits im letzten Interview mit Metalglory sagtest du, dass "Flammentriebe" möglicherweise das vorerst letzte Album bleiben könnte.

Wer mein - lange gereiftes und ausführliches - Statement dazu ganz gelesen hat, wird wissen, dass die Tatsache, dass FREIHEIT für längere Zeit, das letzte Studio-Album Dornenreichs bleiben wird, keinesfalls das Ende Dornenreichs bedeutet. Vielmehr ist es ein authentischer und wichtiger Schritt auf den Kern der Band zu. FREIHEIT ist ein Album, das so viel transportiert und zu geben hat - musikalisch wie textlich. Es ist ein Album, dem nicht einfach das nächste Album folgt. Dafür weist es in seiner Gesamtaura und Gesamtaussage auch viel zu sehr auf verschiedenste Lebensbereiche, die uns drei in Dornenreich auch stark als Menschen abseits künstlerischen Ausdrucks ansprechen und fordern. FREIHEIT ist in meiner persönlichen Wahrnehmung unser vielschichtigstes Album und ich fühle mich nun in gewisser Weise ähnlich wie damals im Jahr 2001 nach der Veröffentlichung von HER VON WELKEN NÄCHTEN. Für uns kommt nun also erneut eine Zeit, in der wir uns unserem künstlerischem Ausdruck und uns selbst völlig neu nähern wollen - auch im Rahmen sehr spezieller Konzerte an inspirierenden Orten. Es ist Zeit, sich wieder zu verwandeln, was ganz im Sinne der zentralen Album-Botschaft ist und dem Wesen des Lebens entspricht.


Kommen wir auf das Konzept des Albums zu sprechen. Eviga, wie steht es um die Freiheit des Menschen im Heute? Ist sie überhaupt noch möglich, wenn man doch meinen könnte, man stehe fast täglich neuen Zwängen, Einschränkungen und Pflichten gegenüber?

Gerade in der heutigen so reglementierten Gesellschaft beginnt Freiheit für mich dort, wo ich eine echtes Gefühl und Bewusstsein für das entwickle, was mich im Inneren tatsächlich ausmacht, was ich selbst ursprünglich mitbringe und dafür, was ich zu geben bereit bin. Dabei geht es auch darum, sich die Einflüsse, Prägungen und Mechanismen des eigenen Selbst bewusst zu machen und es geht letztlich also auch um eine Sensibilität für die Wechselwirkungen zwischen innerer und äußerer Welt.


Sehnt man sich da schon hin und wieder die Unbeschwertheit der Kindheit zurück, die du im ersten Song "Im ersten aller Spiele" behandelst?

Simpel gesagt: klar. Nur geht es mir nicht um eine Regression, die ja am Ende meist ein Fluch ist. Das Kind, das sich selbst noch nicht als von der äußeren Welt getrenntes Subjekt wahrnimmt, ist ja auch nicht frei im Sinne eines bewussten Freiseins, zu dem der so genannte Erwachsene an einem gewissen Punkt durchdringen mag, worin ich eine grundlegende Herausforderung zu erkennen meine, die das Leben einem Menschen stellt (vorausgesetzt natürlich, seine Grundbedürfnisse sind gestillt: Nahrung und Behausung). Sich aber immer wieder an das unmittelbare, ungetrennte Staunen des Kindes zu erinnern, das - nimmt man es durch die Augen des Erwachsenen wahr - zu ahnen scheint, dass alles, was es nun hier wahrnimmt, vielleicht eben noch nicht existierte und sich jetzt erstaunlicherweise als kontinuierliches Wunder vollzieht, ist für mein tägliches Lebensverständnis sehr bedeutsam.


Die folgenden Stücke "Von Kraft und Wunsch und jungen Federn" sowie "Des Meeres Atmen" scheinen von der ungezügelten Leidenschaft der Jugend zu berichten, deren stürmische Entscheidungen sich auch bisweilen als Fehltritte entpuppen. Würdest du mir darin zustimmen?

Es geht mir dabei insbesondere darum, dass die Kraft und die stürmische Leidenschaft eines heranwachsenden Menschen zwar wichtig sind und ihre eigene Schönheit haben, dass es aber gerade auch vertrauende Hingabe ist, die - wie im Text ausgedrückt - die Federn (also etwa Talente) des jungen Menschen in den tatsächlichen Flug verwandeln...


Wie autobiographisch sind die Texte der genannten Songs und generell die Inhalte von "Freiheit" beeinflusst?

Meine Texte erzählen die Geschichte des menschlichen Individuums, und in erster Linie ist das gewiss meine eigene Geschichte, doch sie ist auch exemplarisch, was der große Widerhall, den Dornenreich auch wegen meiner Texte erfährt, bezeugt. Zudem wage ich zu behaupten, dass ich einen recht scharfen psychologischen Blick und zugleich ein einen weiten Empfindungshorizont habe, was der Universalität Dornenreichs freilich zu Gute kommt.


Deine Texte zeichnen sich durch eine sehr philosophische Sprache aus. Welche Rolle nehmen das Ich und das Selbst in den Songs ein? Gibt es vielleicht auch Philosophen, die dich besonders beeinflusst haben? Ich hätte da ja spontan auf Sartre getippt.

Es ist richtig und mir sehr wichtig, das Selbst vom Ego zu unterscheiden. Das Selbst stellt für mich einen positiven Selbstbezug dar. Das Selbst nimmt sich an und ist dazu imstande, sich selbst als Teil des Lebensganzen zu begreifen und sich in Vertrauen hinzugeben. Das Ego repräsentiert für mich hingegen einen angstvollen Selbst- und Außenbezug. Es ist sich und der Welt fremd, ein gigantischer Hungerturm voller diffuser Bedürfnisse - und dieses Ego wird von unserer westlichen Gesellschaft gestärkt, ja mit hervorgebracht. Ja, ich habe mich mit verschiedensten Philosophien beschäftigt und am Ende habe ich alles wieder losgelassen und mir lediglich das ursprüngliche Staunen bewahrt, das am Anfang jeder Philosophie steht, ehe sie zum - mitunter sehr starren - Denkmodell wird. Nachhaltig inspirieren mich daher primär Denker, die weit über einzelne Denkschulen hinausgehen, ja verschiedene Ansätze in Beziehung mit einander bringen - wie O’Donohue, Osho und insbesondere Krishnamurti. Aber auch Jaspers und Schelling haben mich in früheren Jahren angeregt.


"Aus Mut gewirkt" beinhaltet Flamenco-Elemente und beweist erneut eure Vielschichtigkeit. Wie fügt sich der Rhythmus dieses Songs in das inhaltliche Konzept?

Dieses Stück ist nicht umsonst im Zentrum des Albums platziert. Hier vertraut das Selbst des Texts zum ersten Mal, es gibt sich hin und entwickelt Mut. All dem verleiht das Stück durch äußerst verspielte und intensiv rhythmisierte Musik Ausdruck, wozu auch die zahlreichen solistischen Elemente sehr gut passen.


Dornenreichs Ausdruck sei "dem Leben verpflichtet", so zitiert dich euer Label Prophecy. Wie passt diese Aussage zum vorletzten Song "Traumestraum", der ja - zumindest metaphorisch - mit dem menschlichen Ableben spielt?

Zyklen sind das Leben - im Großen wie im Kleinen. Und auch das, was wir Sterben nennen, ist ein Teil des Lebens und all seiner Verwandlungen. TRAUMESTRAUM ist ein zutiefst lebensbejahender Ausruf des lyrischen Ichs, das hier an der Schwelle zwischen diesem Leben und einer nächsten Seinsform steht, und das weltliche Leben an dieser Schwelle als intensivsten und schillerndsten aller Träume - als TRAUMESTRAUM - erfährt. Dieses Stück ist also eine poetische Sensibilisierung für das Hier und Jetzt.


Wenn nun also ein Mensch am Endes seines Weges auf das Erreichte zurückblickt, wie sollte er gelebt haben, um diese innere Freiheit verspüren zu können?

Es ist unmöglich, diese Frage pauschal zu beantworten, und es kommt mir auch nicht zu, das generalisierend zu versuchen - und es ist an dieser Stelle gewiss auch zu persönlich und, meine ganz eigenen Gedanken und Gefühle zu teilen, denn hier kommt es ganz allein auf jeden selbst an. Das Wichtigste ist in eben dieser Frage erreicht: Es geht genau darum, sich diese Frage selbst ehrlich und wohlwollend zu stellen.


Eviga, bevor wir dich wieder in deine Freiheit entlassen und dir viele geniale Konzerte auf der kommenden Tour wünschen, bitten wir dich, unseren Lesern noch einige letzte Worte mit auf den Weg zu geben.

Seid mit uns und lasst die Tour zu FREIHEIT, die am 30.04. in Stuttgart beginnt, gemeinsam mit uns, HERETOIR und WASSERMANNS FIEBERTRAUM zu einer unvergesslichen Erfahrung werden. Das Programm unserer Gäste wie auch unser Doppel-Set werden gewiss den Rahmen dafür schaffen können...!


Eviga, wir danken dir herzlich, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast und wünschen Dornenreich eine erfolgreiche Tour zum neuen Album!


Dieses Interview hat Laughing Moon geführt.

Copyright Titelbild: Dornenreich/Prophecy Productions
geführt am 28.04.2014   von Arturek
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...sehr viel
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