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Nevermore in Hamburg, Markthalle am 6.10.2005

Es ist schon seltsam. Nevermore sind eine der technisch und musikalisch besten Bands aus den USA. Ihre Veröffentlichungen werden in allen Magazinen zurecht mit Höchstwertungen abgefeiert. Aber zu ihren Konzerten kommen viel zu wenig Leute. Reine Kritikerlieblinge also? Nicht ganz. Im Laufe des Abends füllte sich die Hamburger Markthalle doch noch so einigermaßen. Der von mir nach dem hammerstarken Album „This godless endeavor“ erwartete Besucheransturm blieb jedoch aus. Man konnte eigentlich die ganze Zeit über bequem zwischen Bühne, Biertresen und Vorraum hin und her pendeln. Das hat ja auch was für sich. Trotzdem frage ich mich, warum dieser Laden bei Sonata Arctica gerammelt voll ist und bei Nevermore nicht. Die Fischköppe haben scheinbar einen komischen Musikgeschmack.

MERCENARY übernahmen die Rolle des Openers. Die Dänen konnten den guten Eindruck bestätigen, den ich in Wacken aus der Ferne von ihnen bekommen hatte. Als diese Formation beim W:O:A die Bühne enterte, wartete ich bei den Sanitäranlagen des Pressebereichs auf einen freiwerdenden Schacht. Die freundliche afrikanische WC Pflegerin versuchte mich gerade zu überzeugen, die deutlich weniger frequentierten Damen Toiletten zu nutzen, statt in der Schlange zu stehen. Mein Kommentar „A real Metalhead does not enter the women’s pissoir!” sorgte für einige Belustigung bei den WC Ladies. Ebenso meine Versuche, ihnen den korrekten Gebrauch der Pommesgabel zu suggerieren. Über all dem Schabernack hinweg war jedoch nicht zu überhören, dass Mercenary auf der Party Stage mächtig Krawall machten. So auch in der Markthalle. Der Band kam die druckvolle Power zugute, die der Mischer aus der PA rausholte. Dabei war der Sound für Markthallenverhältnisse erstaunlich gut, so dass das Hörerlebnis durch die Lautstärke nicht getrübt wurde. Der variable Gesang der Formation, bestehend aus Death, Black und Power Metal Vocals, von denen letztere den Löwenanteil einnehmen, sorgte für sehr viel Kurzweil. Gut abgestimmtes Stageacting, das man ansonsten von Opening Acts eher selten zu sehen bekommt, tat das übrige, so dass sich Mercenary sicher einige neue Freunde erspielt haben. Höhepunkt: der Rausschmeißer „Eleven dreams“.

Stammleser werden wissen, dass ich mit extremeren Metal Stilarten auf dem Kriegsfuß stehe. Daher holte ich mir für den folgenden Absatz Hilfe von der Hannoverschen Death Metal Legende Abyss Lord. Die kursiv gekennzeichneten Textzeilen stammen von deren Saitenflitzer Gurke.

Im Vorfeld des Konzertes hatte ich mich schon gefragt, was eine Death / Thrash Band wie DEW SENTED auf dem Billing dieser Tour zu suchen hat. Da ich mich allgemein mit Grunzgesang schwer tue, sah ich dem Auftreten der Deutschen mit gemischten Gefühlen entgegen. Umso erfreuter war ich, als die Band mächtig und gewaltig präzise ihre Songs ins Publikum abfeuerte.
Als Auftakt wurde mit „Unconditional“ und „Bitter Conflict“ das Opener-Double vom Inwards-Album (in umgekehrter Reihenfolge) dargeboten, was umgehend mit einem sehr raumfordernden Moshpit gewürdigt wurde. Auch während des restlichen, aus Klassikern und Stücken des aktuellen Werkes „Issue VI“ bestehenden Sets gelang es dem sympathischen Fünfer aus Walsrode stets für viel Bewegung unter den Metalheads zu sorgen.
Wirklich beeindruckt war ich, als ich erfuhr, dass der agierende Drummer nur aushilfsweise dabei war und der Band durch spontanes Einspringen quasi die Tour gerettet hatte. Fast unglaublich, wie man mit einem Interimsmusiker eine derart qualitativ hochwertige Show abliefern kann. Hier scheinen wahre Musiker am Werk zu sein. Man muss dazu auch sagen, dass der Schlagwerker alles andere als eine Hilfskraft war. Sein Drumming war fett, variabel und timinggenau. Die Double Bass war der absolute Wahnsinn.
(Es sei natürlich erwähnt, das der eigentliche Dew-Scented Drummer Uwe Werning ebenfalls alles andere als ein Anfänger ist und mit seinem Spiel den Sound der Band wesentlich mitgeprägt hat.)
Dass auch der Rest der Truppe in Puncto Präzision und Tightness locker mit der Weltspitze (also Slayer) mithalten kann, zeigte sich insbesondere bei dem vertrackten „Rituals of time“ vom aktuellen Album. Ich hatte mich schon länger gefragt, ob man diesen Songs mit seinen verfrickelten Wechsel-Gitarren überhaupt live spielen kann. Man kann....

So gelang es der Band, auch einen Anti Deather wie mich auf ihre Seite zu ziehen. Überzeugende Vorstellung, meine Herren.

Doch dann war es endlich Zeit für den Headliner. Ich war enorm gespannt, ob NEVERMORE in der Lage sein würden, ihr anspruchsvolles aktuelles Material auf der Bühne umzusetzen. Um es kurz zu machen: Es gelang ihnen. Nevermore waren körperlich und spieltechnisch top fit und wurden vom Publikum dankbar aufgenommen. Es brach ein Inferno aus neuen und alten Hits los, bei denen der Opener „Born“ und natürlich der „Heart Collector“ als Highlights herausragten. Mächtig abgefeiert wurden aber auch „Nacrosythesis“ und der Titeltrack vom vorletzten Album „Enemies of reality“. Nach so ca. zwanzig Minuten begann ich mich zu fragen, wie man sich als Gitarrist einer Support Band vor Jeff Loomis auf die Bühne wagen kann. „An die Wand spielen“ ist hier vorprogrammiert. Was dieser Mann an der Gitarre zeigt, gehört zu den ganz großen Darbietungen der Metal Szene. Mir blieb jedes Mal der Atem stehen, wenn er zu einer seiner furiosen Lead Attacken ansetzte. Nevermore brachten ihren technisierten Mix aus brachialem Thrash und emotionalem Power Metal auf fantastische Art und Weise auf die Bühne, wirkten zu jeder Phase souverän und hatten ihr Publikum absolut im Griff. Beim Vergleich mit den Festival Shows des vergangenen Sommers wurde klar, dass diese Musik in einem Club einfach besser funktioniert. Wer also meinte, Nevermore in Balingen oder so gesehen zu haben, musste sich eines besseren belehren lassen. Es war beinahe nicht die gleiche Band, die da die Hallendecken zum Beben brachte. Bleibt mir zum Schluss nur noch die Frage zu stellen, ob ich der einzige Nevermore Fan bin, der auf „The sound of silence“ verzichten könnte. Ein echter Klassiker wie zum Beispiel der „Sanity Assassin“ wäre mir lieber gewesen.

Insgesamt möchte ich diese Tour also als extrem gelungene Veranstaltung mit drei geilen Bands bewerten. Der Abend hatte mir sehr viel Spaß gemacht und wirkte noch eine Weile nach. Was aber auch ein wenig an dem wirklich miesen Hamburger Bier gelegen haben könnte. Vielleicht rührt da auch der komische Musikgeschmack der hanseatischen Ureinwohner her.


geschrieben am 12.10.2005   von Christian
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