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Oceansize (mit Autumnblaze, Awen) in Hannover, Faust am 19.10.2005


Oceansize auf Tour, und dann noch direkt in Hannover, ich war begeistert. Für Pain of Salvation war ich bis nach Oberhausen gefahren, aber auch nur, weil's meine alte Heimat iss da unten. Und jetzt die Jungs, deren Debut Effloresce mich so sehr berührt hat wie in letzter Zeit kaum eine andere Platte, in der Faust? Genial. In der Zeit, die ich in Linden mit der Parkplatzsuche verschwendete, hätte ich zwar auch mein Fahrrad reparieren können, aber egal, voller Erwartung kam ich zu meinem ersten Gig in die Faust und zu meinem ersten Live-Erlebnis mit Oceansize. Besonders viel Besucher rannten noch nicht herum, auch bei den beiden Vorgruppen nicht, erst beim Oceansize wirkte die Halle einigermaßen gefüllt.

Die erste Vorband Awen kannte ich nicht: "Alternative-Klänge mit progressivem Einschlag", sagen sie auf ihrer Homepage, und das kommt hin, wenn vielleicht auch etwas Refrain-lastig. Bei der Stimme von Sänger Nils ist's schwer, nicht direkt Bush und Creed zum Vergleich heranzuziehen. Sie haben ordentlich gespielt, hat mir gefallen. Nur war der Sound etwas matschig, sodass ich von seinen Ansagen nicht viel verstanden habe. "Der Hröah am Hhbrz, Florbgha am Grgumzeug", keine Ahnung, sollte wohl die Vorstellung der Band sein. Das noch spärlich eintrudelnde Publikum war allerdings wenig mitgerissen. Schade, der quirlige Sänger hätte mehr verdient.

Zweite Vorband Autumnblaze, mir bisher auch unbekannt: Laut Reviews spielen sie Trip Rock. Sie wirkten leider schlecht gelaunt, enttäuscht, verkatert oder was weiß ich. Sound ebenfalls humpf, Motivation weniger als Awen. Hey, und wenn ihr bei dem miesen Sound fragt, ob jemand den Song kennt, aber niemand den Titel verstanden hat, dann weiß einfach niemand, worum's geht... Aber trotz Schmollbäcksken-Attitüde einigermaßen gelungener Gig, Rock ohne Trip. Muss mir mal was kaufen von ihnen. Als letzten Song kam dann "wir improvisssss auf der Bassmmmpf eines Songs vom hhrmnfn Albbbmmm" und dann schrammelten sie hörenswert, aber weiter eingeschnappt los. Kam aber auch viel zu wenig Stimmung auf, das haben sie erst recht nicht so verdient.

Als Zugezogener war das mein erstes Konzert inner Faust, keine Ahnung, ob die Akustik da immer so vermatscht labbert. Oder ist's als Band so stimmungstötend, vor eine Säule zu singen statt ins Publikum?

Nach einer Umbaupause erschienen dann Oceansize. Der Sound wurde eher noch schlechter, hatte ich den Eindruck, und es lag nicht am Bier (obwohl die deutlich nach Plastik riechenden Becher meine Laune nicht gerade gestreichelt haben). Die Stimme von Mike Vennard war schlecht zu verstehen und viel zu leise (abgemischt?). Nur die geschrieenen Parts konnte man verstehen, aber da fehlte Vennard die Präzision der Studioaufnahmen; bei mir kam hauptsächlich unkontrolliertes Gekreische an.

Die ersten beiden Songs dreschten rein, hauten um, stürmten los -- funktionierten bei mir aber nicht. Ich weiß nicht, ob es wieder am schlechten Sound lag, aber zu meinem Ohr kam nur Kloppermatsche geflogen. Wo war die Subtilität der Platten, die Differenziertheit? Lediglich Schlagzeuger Mark Heron ackerte hyperaktiv und präzise, ihn hörte man natürlich auch ohne Verstärker gut. Etwas besser wurde es später, doch die Magie der ersten Scheibe zog nur bei wenigen Songs durch die Halle, beispielsweise bei One Day All This Could Be Yours, den wie auch einige andere Einspielungen vom Band unterstützt haben. Manchmal verzog sich auch Bassist Jon Ellis kurz ans Keyboard. Von der neuen Platte Everyone Into Position haben sie viel gebracht, doch nur wenige Songs wie New Pin konnten verzaubern. Die Single Heaven Alive fand ich grässlich gespielt. Geht das harmonische Spiel der Gitarristen Gambler und Steve Durose live nicht auf? Nein, sie wollen wohl so klingen: "the only way to really appreciate Oceansize's sound and reputation is to see their incendiary live show", schreiben sie auf ihrer Homepage. Feuer gab's in der Tat, die Gitarren schossen sind gegenseitig Brandsätze um die Ohren, und oft sprang ein Funke auf's Publikum über, vielen gefiel das so schon, die Stimmung war zumindest deutlich besser als bei den Vorgruppen. Allerdings ist Feuer das Gegenteil von Detailliebe und subtiler Kraft, zwei Eigenschaften, die ich bei ihren Studioaufnahmen so sehr schätze.

Vennard hüfte, verdrehte sich, quälte sich, aber wirkte nur dann richtig gelöst, wenn er zum Schlagzeuger spielte, mit dem Rücken zum Publikum. War er zu seinen Gästen hingewandt unsicher? Vorsichtig? Oder sah er einfach nur die frustrierende Faust-Säule? Zugaben haben sie keine gespielt. Vennard nuschelte drei Songs vor Schluss eine Begründung, die ich natürlich wieder mal nicht verstanden habe. Sie beendeten den letzten Song, indem sie einer nach dem anderen ihre Gitarren rückkoppelnd auf den Boden legten und von der Bühne gingen, als letzter verschwanden der bei diesem Song an den Keyboards stehende Bassist und der Schlagzeuger. Naja, kann man machen...

Ich hatte Oceansize als magische, faszinierende EmoProg-Band schätzen gelernt, doch schon bei ihrer zweiten Platte schienen sie einen gewissen Ideenmangel mit etwas glattpolierter Produktion überspielen zu wollen. Live habe ich sie jetzt als oft undifferenzierte, nur manchmal innovative Gitarrenband gehört, als solle jetzt die Härte die fehlende Kreativität kaschieren. Hoffentlich entwickeln sich die Jungs nicht weiter in diese Richtung, die jedenfalls mir nicht besonders zusagt -- und hoffentlich verzaubern sie mich bei ihrer nächsten Tour mit besserer Akustik. Oder ich muss doch mal zum Ohrenarzt.

PS: Die Fotos stammen von der Oceansize-Homepage. Meine Canon G2 wollte entweder mindestens eine Sekunde belichten oder lieferte nur Matsche. Immerhin lag das mal an der Kamera und nicht am Sound.




geschrieben am 21.10.2005   von Jockel
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