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Iron Maiden in Dortmund, Westfalenhalle am 08.12.2006

Ich habe es ja schon immer gewusst: Nikolaus, Knecht Ruprecht, Christkind, Weihnachtsmann und die ganze Bagage sind Rocker. Wie sonst könnte es sein, dass insbesondere vor Weihnachten die besten Konzerte auf den Plan rücken? Und dieses Jahr haben sie uns etwas ganz besonderes beschert: Das Flaggschiff der Heavy Metal Szene gab sich in unseren Breiten die Ehre. Na ja, der Norden (und auch Neufünfland) musste mal wieder ganz schön weit fahren, denn es lagen mit Dortmund und Stuttgart nur zwei Konzerte in Deutschland auf der weihnachtlichen Reiseroute von IRON MAIDEN. Die waren dann selbstverständlich trotzt stattlicher Preise von fast fünfzig Euro ausverkauft. Ich machte mich mit einer Abordnung der deutschen Promotion Firma cmm.w-rott von Iron Maiden auf in den wilden Ruhrpott. Natürlich durfte ich mal wieder den Kutscher spielen. Aber das macht man ja gern. Vor allen Dingen wenn einer der Kollegen der eigene Chefredakteur ist. Unsere nachmittägliche Reise in die Heimatstadt des BVB 09 zog sich im freitäglichen Feierabendverkehr ganz schön in die Länge. Im zweiten großen Stau meldeten sich Blase und Magen, so dass ein Zwischenstopp beim goldenen Doppelbogen eingeschoben wurde. Dort lief uns natürlich der Rest vom cmm Reiseteam über den Weg. Die Welt ist eben ein Dorf. Und erst recht zwischen Dortmund und Hannover. Die Reise verlief danach mehr oder weniger ohne Komplikationen, doch leider schafften wir es trotzdem nicht rechtzeitig zum Opener. Der verabschiedete sich gerade, als wir den Innenraum betraten. So kann ich euch nur berichten, dass Lauren Harris aus dem Augenwinkel betrachtet beim Abklatschen optisch durchaus etwas her machte. Und ihr habt richtig gelesen: Es handelt sich hier um die Tochter von Iron Maiden Chef Steve Harris. Augenzeugenberichten zufolge kam die Band ganz gut an. Wollen wir es mal glauben.

Nach dem Auffüllen der Becher war ich gespannt auf den eigentlichen Support. Meine grundsätzliche Nu Metal Abneigung dürfte unseren Stammlesern bekannt sein. Über TRIVIUM hatte ich allerdings derartig viel Positives in der Presse gelesen, dass ich den Jungs eine echte Chance geben wollte. Zumal diese Herren nicht müde werden, ihre Verbundenheit mit den alten Helden unserer Szene zu unterstreichen. Die äußerte sich für mich im Wesentlichen darin, dass sie ihre Instrumente verdammt gut beherrschen. Vor allen Dingen das Drumming und die Gitarrensoli können sich wirklich hören lassen. Respekt. Doch der Rest... DAS soll die Brücke zwischen neuen und alten Fans schlagen? Lächerlich. Was mir da entgegen schallte, war ein belangloser Mix aus schlechten Metallica, Anthrax und Pantera. Die Songs klingen alle gleich, Charisma und Ausdruckskraft sucht man bei bestem Willen vergeblich und wie bei allen Nu Metal Bands verdient auch bei Trivium der Sänger seine Berufsbezeichnung nicht. Ich mein, Leute wie Hetfield oder Mustaine können auch nicht singen. Doch ihre Stimmen haben so etwas wie Charakter. Dem kann man bei Trivium weder dem Gebrüll noch dem vereinzelt eingesetzten cleanen Gesang zusprechen. Einfach eine Nullnummer, wobei man bei Maiden Konzerten inzwischen ja einiges gewohnt ist. Und ich will Trivium wenigstens attestieren, dass sie besser sind als Funeral For A Friend.

So begaben wir uns nach ein paar Songs lieber wieder in den Außenbereich der wirklich gelungenen Hallenanlage (lediglich die Bühne ist für meinen Geschmack etwas zu niedrig), um unsere Becher nochmals zu füllen (bei mir war das dann wohl der Kaffee Becher) und den Merchandise Stand anzuchecken. Das war nicht ganz so einfach, denn es gab so einige Fans, die mit dem Lärm von Trivium wohl nichts anfangen konnten, und so waren die Gänge reichlich voll. Der Gang zum Merchandise Stand erwies sich erwartungsgemäß als mehr oder weniger sinnlos: 40 EUR für ein T-Shirt oder über 80 EUR für eine Kapuzenjacke wollte von uns keiner zahlen. Ich frage mich wirklich, welche Deppen diese Kohle für einen Fetzen bedruckten Baumwollstoff ausgeben. Fanliebe hin oder her: So eine Ausbeutung sollte man nicht unterstützen. Ok, eigentlich geht die Abzocke schon beim Konzertpreis los. Doch während ich hier einen ideellen Gegenwert noch erkennen kann, fehlt mir bei den T-Shirts wirklich die geeignete Relation. Schade eigentlich, denn das neue Maiden Merchandise ist echt schick. Vielleicht kann man später im Handel oder bei ebay was abgreifen. So ganz konnte ich meine Börse dann doch nicht stecken lassen und kaufte wenigstens einen (ebenfalls überteuerten) Patch für meine Maiden-only Kutte. Was soll’s? Wäre das Konzert in Hannover gewesen, hätte ich die Kohle dafür während des langweiligen Trivium Gigs sicher schon doppelt und dreifach versoffen.

Kurz vor dem Maiden Gig trafen wir uns dann mit Børge, der in seiner Tätigkeit als cmm Promoter zuvor Backstage im Einsatz war, wo IRON MAIDEN endlich ihre Goldene für „Dance of Death“ in Deutschland einsacken durften. Freudestrahlend berichtete er vom Treffen mit der Band, den altenglischen Herrschaften der Familie Dickinson und einem sehr freundlichen und gut aufgelegten Nicko McBrain. Schnell schlüpften wir in den Innenraum, suchten uns einen soundtechnisch guten Platz und warteten auf die beste Heavy Metal Band aller Zeiten. Bereits im Vorfeld war klar, was uns erwartete: Bruce und Steve hatten mehrfach in Interviews und auf diversen Homepages angekündigt, dass sie zunächst das komplette Album „A matter of life and death“ spielen und danach noch ein paar Evergreens folgen lassen würden. Somit stand die Setlist von vornherein fest und ich war mördermäßig gespannt, ob das komplexe Gesamtwerk der Briten live wirklich funktionieren würde. Und wie sich die Fans mit diesem Vorhaben arrangieren. .Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Plan der Eisernen Jungfrau ging voll auf. Logisch lag der Stimmungshöhepunkt hinter den AMOLAD Songs, als Bruce „Fear of the dark“ intonierte. Dennoch funktionierten die neuen Songs allesamt prächtig, boten genügend Raum zum Abfeiern und lieferten daneben mit ihren obergenialen Instrumentalpassagen beste Heavy Metal Unterhaltung. Die Komplexität der Songstrukturen und die Zusammensetzung der Melodieführungen entwickelte live eine unglaubliche Intensität, die das zunächst vielleicht etwas skeptische Publikum völlig in ihren Band zog. Und so ergab sich ein ganz besonderer Iron Maiden Gig, den jeder der Teilnehmenden noch lange in Erinnerung behalten wird. Vor einer gewaltigen Kulisse mit einem Schützenwall und regelmäßig wechselnden Backdrops, die jedoch immer wieder vom neuen Album Cover dominiert wurden, zogen Iron Maiden eine beeindruckende Show ab. Steve und Bruce waren agil wie immer, Adrian und Dave spielten sich in einen wahren Rausch, und selbst der sonst etwas zurückhaltende Janick geriet dermaßen in Fahrt, dass er sich nach einer Hochsprungübung und dem Ritterschlag durch Adrian beinahe mit dem eigenen Kabel erdrosselte. Bruce trieb seinen Ehrgeiz beinahe auf die Spitze: Falls es ihm einmal nicht gelang, die ganz hohen Töne in den Refrains sauber auszusingen, sang er kurzerhand die folgende Strophe eine Oktave höher. Zwischendurch feuerte er mit drehbaren Scheinwerfen auf das gebannt lauschende Publikum, bedankte sich für die goldene Schallplatte und gestand uns, dass das neue Album bereits jetzt kurz vor derselben Auszeichnung steht. Als Höhepunkte in der Setlist erwiesen sich komischer Weise gar nicht die leicht verdaulichen Songs wie „The pilgrim“ oder „Out of the shadows“, sondern das famose „The longest day“ und das überragende „For the greater good of God“. Gänsehaut war schließlich bei der Abschlusshymne „The legacy“ angesagt. Ein super aufgelegter Bruce Dickinson machte uns dann noch ein zusätzliches Weihnachtsgeschenk: Er kündete von Überlegungen für einen deutschen Open Air Besuch der Eisernen Jungfrau in 2007 und machte angesichts der euphorischen Reaktionen des Publikums über die ganze Konzertlänge hinweg das Versprechen, dass es auf jeden Fall dazu kommen wird. Freut auch also auf ein Freilichtschauspiel von Iron Maiden im nächsten Jahr!!!

Den Zugabenteil leitete „Fear of the dark“ ein, das wie üblich von der gesamten Halle mitgesunden wurde. Der Höhepunkt eines Iron Maiden Konzertes seit so vielen Jahren. Der Song „Iron Maiden“ konnte dagegen nur abstinken. Für mich sind Maiden ohne Bruce bedeutungslos, und so nahm ich mir eine kleine Auszeit. Ein Panzerkopf fuhr während des Songs aus der Bühnendekoration nach oben. Die Luke öffnete sich und der gute Eddie spähte mit einem Fernglas ins Publikum. Bei „The evil that men do“ durfte das Maiden Maskottchen dann endlich in voller Pracht auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Irgendwo in diesem Zugabenteil tauchte auch noch „Two minutes to midnight“ auf. Doch die eigentliche Reihenfolge der Songs ging mir im Freudentaumel etwas verloren. Sorry. Auf jeden Fall beschloss „Hallowed be thy name“ einen wirklich geilen Abend, dem ich noch lange gedenken werde. Maiden ist Metal und Metal ist Maiden. Daran gibt es einfach nichts zu rütteln. UP THE IRONS!!!

P.S.: In der Halle waren Fotohandys und Digicams verboten. Ich gehörte zu den wenigen Deppen, die sich dran gehalten haben. Deswegen gibt es leider keine Bilder von dem Abend.

geschrieben am 14.12.2006   von Christian
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