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Dritte Wahl, Freiboiter, No Defiance in Künzell-Dirlos, Alte Piesel am 22.04.2005

Zum Grillen ist es einfach noch zu kalt draußen und der in Ehren ergraute Kommissar Kress wird seinen 246. Fall sicherlich auch ohne mich als Augenzeugen lösen können, also auf zur Alten Piesel, denn dort geht heute Abend mit DRITTE WAHL, FREIBOITER und NO DEFIANCE ein interessantes Package über die Bühne. Die Alte Piesel, vor den Toren Fuldas mitten im Grünen gelegen, ist eine gemütliche Gaststätte mit Biergarten und angrenzendem Konzertsaal, in dem sich im Laufe der Jahre schon Bands der unterschiedlichsten Couleur die Gitarre in die Hand gegeben haben. Bei meinem Eintreffen um 20.30 Uhr sind leider erst knapp 60 Personen zugegen, die Anzahl wird sich aber noch auf ca. 150 Zuschauer erhöhen. Ein erster kleiner Rundgang, um nach Bekannten Ausschau zu halten, zeigt, daß das Motto des heutigen Abends "If The Kids Are United" auch die Crossover-Zusammensetzung des Publikums gut beschreibt, denn hier stehen Punks mit bunt gefärbten Haaren und Irokesen-Schnitt einträchtig neben Metalfans und warten auf den Startschuß.



Um 21.00 Uhr geht es dann los: den Anfang machen NO DEFIANCE aus Hessen, die ihren Stil selbst als "melodischen Alternative Rock mit härteren Anleihen im Emo-Bereich" bezeichnen. Blickfang bei dem noch recht jungen Quartett ist Bassistin Anja, die zu einigen Songs recht gute Backing-Vocals beisteuert. Das Stageacting ist noch ziemlich zurückhaltend, aber die Zuschauer tauen bei schnellen Tracks wie "She Won't Recognize Me" oder "Dreckstück" nach und nach auf. Zusätzlich gibt es noch eine Coverversion von DEPECHE MODE's "It's No Good" zu hören, die man schön durch den Wolf gedreht hat. Nach vierzig Minuten soll dann Schluß sein, aber das mittlerweile munter gewordene Publikum holt die Band noch für die Zugabe "Get Off My Back" zurück auf die Bühne. Für eine Newcomer-Band ist der Auftritt ok, NO DEFIANCE zeigen sich hinterher spendabel und verschenken im Anschluß noch einige CDs an die Fans. Coole Aktion!



Die Umbaupause habe ich dazu genutzt, um mich ein bißchen mit Gunnar, dem Sänger und Gitarristen von DRITTE WAHL, am Merchandise-Stand zu unterhalten. Unser Gespräch über die vergangene Tournee mit THE EXPLOITED und zukünftige Aktivitäten wird dann recht schnell unterbrochen, denn jetzt starten die FREIBOITERS ihren Gig. Wie an der Schreibweise des Namens unschwer zu erkennen ist, haben sich die erklärten Dinkelacker- und VfB Stuttgart-Anhänger (jaja, die Champions-League ist noch machbar...) dem Oi-Streetpunk verschrieben. Dabei setzen sie auf druckvolle, mitgröhlkompatible Songs mit klasse Melodien. Auf der Bühne ist sofort viel Bewegung zu verzeichnen, aggressiv vorgetragene Tracks wie "New York City" und "Anti-Hero" provozieren die ersten wilde Pogo-Tänze vor der Bühne. Die Fünf aus Stuttgart können bei glasklarem Sound mit ihrem energiegeladenen Streetpunk die Anwesenden überzeugen, daher werden sie auch völlig zu Recht erst nach zwei Zugaben entlassen.

Zu den Klängen von Ravel's "Bolero" wird dann zum letzten Mal für heute das Drum-Podest umgebaut und um 23.20 Uhr ist es endlich soweit: DRITTE WAHL entern die Bühne und legen mit "Halt' mich fest" gleich richtig los. Schon hier zeigt sich, daß die Kombination von Punkrock- und Metal-Elementen mit überwiegend deutschen Texten live noch besser 'rüberkommt als auf CD. Die Stimmung sowohl bei der Band als auch bei den Zuschauern ist von Beginn an regelrecht euphorisch, dabei ist die Vorgeschichte, weshalb DRITTE WAHL heute überhaupt hier sind, ziemlich traurig. Das Konzert hätte schon im Januar stattfinden sollen, mußte aber abgesagt werden, weil der langjährige Bassist Marco "Busch'n" Busch kurz zuvor verstorben ist. Bis der neue Bassist zur Verfügung steht, werden Gunnar und Krel von Uwe unterstützt, der ansonsten bei DAILY TERROR aktiv ist. Die sympathischen Jungs aus Rostock sprühen vor Spielfreude und bieten den ausgelassen feiernden Fans eine bunte Mischung aus älteren und neuen Songs, von denen "Und jetzt", "Plakativ" und "Militär" besonders gut ankommen.



Es wird nur einmal still, und zwar als Gunnar den Titel "Auf der Flucht" ankündigt. Dieser Track (Refrain: "Auch wenn ich jetzt traurig bin, denke ich daran, was werden wir erst feiern, wenn ich nachkomme irgendwann") ist ein sehr persönlicher musikalischer Nachruf auf Busch'n, mit dem Gunnar und Krel vor achtzehn Jahren DRITTE WAHL gegründet haben. Man merkt den Dreien jederzeit ihre Routine nach hunderten von Konzerten an, da sitzt trotz heftigen Stageactings jeder Ton. Uwe, den man -trüge er eine Schuluniform und nicht ein Shirt von den RAMONES- auf die Schnelle mit Angus Young verwechseln könnte, läßt es sich nicht nehmen, bei dem DAILY TERROR-Song "Countdown" sich mitsamt seinem Bass ins Gewühle vor der Bühne zu stürzen und mit den Kids zu pogen.

DRITTE WAHL sind momentan mit den Aufnahmen zu ihrer neuen CD beschäftigt, die im Herbst auf dem bandeigenen Label Rausch Records erscheinen soll. Da alle Bandmitglieder die Woche über anderen Tätigkeiten nachgehen, können die Burschen momentan nur an Wochenenden auftreten. Diese Auftritte haben den Charakter eines Familienausfluges: ein Kumpel betreibt den Merchandise-Stand, zwei andere Bekannte nehmen das Konzert auf Video auf und dürfen auch bei einigen Songs auf die Bühne und mitsingen. Nach knapp achtzig Minuten neigt sich der reguläre Set mit "Hash" so langsam dem Ende zu, aber die Menge hat noch lange nicht genug und fordert lautstark Nachschlag. Den gibt es dann folgerichtig mit drei weiteren Songs, u.a. der Hymne "Ostsee". Danach geht die Beleuchtung an, aber die Fans wollen noch mehr. So bleibt Gunnar & Co. nichts anderes übrig, als noch einmal zurückzukommen. Kurioserweise endet der Gig so wie er begonnen hat, nämlich mit "Halt' mich fest", da der Aushilfs-Bassist Uwe keine weiteren DRITTE WAHL Songs eingeübt hat. Um kurz nach 1.00 Uhr ist dann endgültig Feierabend.



Fazit:
Es war ein rundum gelungener Konzert-Abend, schade nur, daß nicht mehr Leute da waren (am nächsten Abend in Eberbrunn waren es 400 Zuschauer). Positiv fand ich auch, daß alle Bands bei gleichen Bedingungen, also gleichem Sound und gleicher Beleuchtung, spielen konnten. Da habe ich bei anderen Tourneen, je nachdem wie groß das Ego des Headliners war, schon ganz andere Dinge erlebt.

geschrieben am 30.04.2005   von Armin
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