METALGLORY Archiv

zur neuen METALGLORY Webseite
 
Liveberichte () alphabetisch:         0..9 A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Hirock Festival Mit Whitesnake, Journey, Toto, Europe, Survivor Uvm. in St. Goarshausen, Freilichtbühne Loreley am 01. -02.06.2013

Die altehrwürdige Freilichtbühne auf dem Loreleyfelsen bei Sankt Goarshausen (erbaut 1939) war dieses Jahr Austragungsstätte des HiRock-Festivals und wie sich herausstellte, die perfekte Location für die qualitativ nahezu unfassbare Ansammlung von hochkarätigen Melodic- und Hard Rock-Bands, die in diesem Rahmen fast ausnahmslos zu überzeugen wussten. Dabei war das Wetter im Vorfeld des Festivals alles andere als erfolgversprechend. Rechtzeitig zu Beginn des ersten Festivaltages hörte es aber auf zu regnen und am zweiten Tag holte man sich ob der erbarmungslos vom Himmel knallenden Sonne sogar einen Sonnenbrand.















Samstag:

Als erste Band am Samstag betraten die Briten von FM die Bühne. Angeführt von Sänger und Gitarrist Steve Overland – der mit seinem Silberscheitel trotz Leder-Outfit und mint-farbener Stratocaster locker als Lord durchgehen würde – wussten die AOR-Granden vom ersten Ton an zu überzeugen. Bei der Songauswahl konzentrierte man sich auf die großartigen Frühwerke „Indiscreet“ und „Tough It Out“, ließ aber mit Songs wie „Crosstown Train“ vom aktuellen Album „Rockville“ und dem über 6-minütigen Schmachtmonster „Closer To Heaven“ („Aphrodisiac“) auch andere Phasen der Bandhistorie in den Set einfließen. Ein wirklich grandioser Auftritt, bei dem vor allem Steves samtig-rauchige Stimme mitten ins Plüschherz traf und die Gänsehaut gleich hektarweise verbreitete.







RICK SPRINGFIELD hingegen konnte mit seinem Gesang nicht wirklich punkten. Im Gegenteil, wenn seine Musiker zu Backing-Vocals ansetzten, war von seinem dünnen Stimmchen kaum noch etwas zu hören. Aber dieses Manko wusste das australische Multitalent (Rick war auch schon als Schauspieler erfolgreich), durch unglaubliches Posing mehr als wettzumachen. Einer seiner Lieblings-Moves war es, seine Gitarre statt mit einem Plektrum mit einem Strauß Rosen zu bearbeiten, was jedes Mal dazu führte, dass die Rosenblätter in spektakulärer Weise über die Bühne flogen. Wenn grad mal keine Rosen zur Hand waren, hatte er großen Spaß daran, seinen ziemlich adipösen Roadie mit halsbrecherischen Gitarren-Würfen auf Trab zu halten. Gegen Ende des Gigs ließ es sich das einstige Teenie-Idol - das Viele sicher nur als Bravo-Starschnitt kennen – nicht nehmen den persönlichen Kontakt zu seinen Fans zu suchen. Rick begab sich für mehrere Minuten in die Zuschauerränge, so dass jeder die Chance hatte, ihn zu umarmen, abzuklatschen oder sonstige körperliche Zuwendung zu Teil werden zu lassen. Beendet wurde die sehr unterhaltsame - wenn auch etwas skurrile - Show mit Ricks Mega-Hit „Jessie´s Girl“.



Anschließend standen SURVIVOR auf dem Programm. Ein Auftritt, auf den sich viele Fans lange gefreut hatten. Das erste Highlight der Show war dann auch, dass sie überhaupt stattfand. Nach den viele Besetzungswechseln und Konzert- bzw. Tourabsagen der letzen Jahre konnte man davon nicht unbedingt ausgehen. Die Band hatte sogar beide (relevanten) Sänger am Start, was aber auch schon das erste Problem war. Zwei Lead-Sänger und ein Gitarrist der sich aufgrund seiner Ego-Probleme ständig in den Mittelpunkt drängte, passten einfach nicht auf eine Bühne. Obwohl in dieser Konstellation schon einige Konzerte gespielt wurden, schienen die Musiker erst im Laufe des Gigs ihre Rollen zu finden. Der schüchterne Ur-Sänger Dave Bickler begann irgendwann, einfach von der Bühne zu verschwinden, wenn er grad nichts zu singen hatte (anstatt rumzustehen, wie bestellt und nicht abgeholt). Gitarrist Frankie Sullivan konnte sich irgendwann tatsächlich etwas zurück nehmen und dem großartigen Jimi Jamison genug Freiräume lassen, um sich als Frontmann zu entfalten. Als nach einem anfänglich ziemlich durchwachsenen Set („Rebel Girl“, „Can´t Give It Up“, „Take You On A Saturday“ wtf…), dann die schweren Geschütze aufgefahren wurden (“I Cant´t Hold Back”, „Burning Heart“ und „Eye Of The Tiger“) stellte sich dann doch ein versöhnliches „oh war das schöööön“-Gefühl ein. Ein fader Beigeschmack bleibt aber allemal.



TOTO gelten nicht umsonst als eine der besten Live-Bands des Planeten. Auch auf dem HiRock stimmte wirklich alles: Eine fette Light-Show, ein bombastischer Sound und sehr professionelle Musiker (u.a. zwei Keyboarder und ein Background-Chor). Ein gut gelaunter Steve Lukather führte Band und Publikum souverän durch die Show. Die ganz großen Hits („Rosanna“, „Africa“, „Hold The Line“) wurden geschickt über den Set verteilt, so dass auch für Zuschauer, die sich nicht zu den großen TOTO-Insidern zählen, der Spannungsbogen langfristig erhalten blieb. Der einzige Schwachpunkt während der TOTO-Show war die Erkenntnis, dass am Cocktail-Stand Caipirinha aus der Dose ausgeschenkt wurde. Daran sollte die Band dringend arbeiten . Nichtsdestotrotz muss man neidlos anerkennen, das TOTO in Sachen Live-Show und Professionalität doch in einer eigenen Liga spielen. Respekt.

Sonntag:

Der zweite Tag auf der Loreley wurde von den schwedischen Youngstern H.E.A.T. eröffnet. Der bärenstarke Gig war geprägt von einer unglaublichen Energieleistung des Sängers Erik Grönwall. Wie ein von der Tarantel gestochener tasmanischer Teufel jagte er über die Bühne. Mit Schattenboxen, eigenwilligen Tanzeinlagen (eine wirre Mischung aus Jive und Ententanz), David Lee Roth-würdigen Sprüngen vom Drumriser und einem Flick-Flack zum Abschluss hielt sich der bekennende Fan deutscher Brau-, Autobau- und Schnitzelbratkunst permanent auf Trab und die Crowd am staunen. Das eher gediegene und zurückhaltende Posing seiner Mitstreiter war dazu die perfekte Ergänzung. Bei der Songauswahl konzentrierte man sich auf das letzte Album „Adress The Nation“, was auch vollkommen in Ordnung ging. Nur hätte ich dann gerne auch noch die schwüle Sax-Nummer „In And Out Of Trouble“ gehört. „1.000 Miles“ - mit dem die Band erfolglos am Vorentscheid zum Eurovision Song Contest teilnahm – braucht hingegen kein Mensch. Trotzdem ein genialer Auftritt der besten Nachwuchs-Band im AOR-/Poser-Bereich.(CM)

Bei den BLACK STAR RIDERS, die erst wenige Tage vorher Ihr Album „All hell breaks loose“ veröffentlicht hatten, überraschte schon etwas, dass sie sich hauptsächlich auf Stücke dieser beileibe nicht schlechten Platte beschränkten. Der als Opener fungierende Titelsong, „Hey Judas“ und „Bound for Glory“ wussten dabei am meisten zu begeistern. Den Jungs war zu jeder Zeit anzumerken, wieviel Spaß es Ihnen machte, die neuen Stücke zu präsentieren, allen voran dem kürzlich in London bei den Metal Hammer Golden Gods Awards als „Riff Lord“ ausgezeichneten Scott Gorham. Auch Ricky Warwick konnte abermals mit seinem flegelhaften, rauhen Charme begeistern. Leider blieben diverse Thin-Lizzy-Klassiker auf der Strecke, auch wenn man mit den unvermeidlichen „Cowboy Song“ und „The boys are back in town“ einen versöhnlichen Abschluß fand. Gut!



EUROPE waren als nächstes an der Reihe und stiegen ganz selbstbewusst mit gleich drei Songs ihres letzten recht bluesigen Albums „Bag of Bones“ in den Set ein und heizten der feierlaunigen Menge inzwischen bei bestem Festivalwetter zusätzlich ein. Joey Tempest mit seinem schneeweißen Mikroständer machte schnell klar, dass er keine große Pose aus der Platin-Ära der 80er-Jahre verlernt hat und fiel zudem durch sympathische Ansagen auf.Ein gewisser Herr John Norum begeisterte mit etlichen gefühl- und geschmackvollen Soli und bewies damit wieder einmal, dass er in diesem Genre zu den besten seiner Zunft gehört. Neben den unverzichtbaren Hits („Open your heart“ wurde hingegen schmerzlichst vermisst!) aus den 80ern überraschten die Schweden mit zuletzt nicht mehr so häufig gehörten älteren Stücken wie „Cherokee“, „Sign of the Times“ oder auch „Seven Doors Hotel“ vom Debut-Album. Mit „Last Look at eden“ und natürlich „The Final Countdown“ entließ man das entspannt feiernde Publikum dann in die Abendstunden.



Bei WHITESNAKE durfte man nach etlichen schlechten Live-Kritiken, die vor allem die Gesangsleistung von David Coverdale (61) betrafen, gespannt sein,wie sich der selbstverstandene Lovehunter auf der Loreley schlagen würde. Sichtlich gealtert und mit weißen, ich sag mal „Gesundheitssneakers“ kam Mr. Coverdale jedoch überraschend gut gelaunt auf die Bühne und zeigte sich den kompletten Gig über sehr publikumsnah, indem er mehrfach vor der Absperrung Hände schüttelte, kleine Pläuschchen hielt und die Fans ins Mikro singen ließ. Der eigene Gesang indes war nicht zu beanstanden, auch wenn die beiden Gitarristen bisweilen unterstützend mitwirkten. Reb Beach und Doug Aldritch stießen in dasselbe Horn und grinsten sich an, duellierten sich, jagten sich über die Bühne und machten Platz für den Frontmann, wenn es angebracht war. Insgesamt erstand der Eindruck, dass sich mit dem Trio Coverdale/Aldritch/Beach inzwischen ein toll funktionierendes Trio gefunden hat, das in dieser Formation vielleicht noch das ein oder andere Album zusammen einspielen wird. Eine derartige Harmonie zwischen Coverdale und seinen Gitarristen war ja in der Vergangenheit nicht immer gegeben. Der neue Zusammenhalt spiegelte sich auch ein wenig in der Songauswahl wieder, da der ein oder andere Hit dem Material des letzten Albums „Forevermore“ (2011) weichen musste. Gerade der Titelsong und auch die 2008er Granate „Can you hear the wind blow“ sind aber auch allemal geeignet, um sich als Standard in der Setlist durchzusetzen. Zusammenfassend boten WHITESNAKE einen erfrischend gut gelaunten Gig, der aufzeigte, dass die alte Schlange doch noch kraftvoll zubeißen kann...(SCH)



Zum krönenden Abschluss luden JOURNEY zum (Eng)Tanz. Die hatten zwar kein Bühnenbild dabei (nicht mal ein Backdrop), aber dafür ein Füllhorn allzu klassischen Kuschel-Rocks. Auch wenn Neal Schon und Jonathan Cain etwas grimmig dreinblickten, schaffte es Goldkehlchen Arnel Pineda das Publikum mit seiner guten Laune und seiner positiven Ausstrahlung anzustecken. Auf den Rängen der Arena wurde zu Classic Rock der Marke „Any Way You Want It“ oder „Wheel In The Sky“ geschwoft, zu Balladen wie „Open Arms“ und „Faithfully“ geschmachtet (oder sich die Zungen bis zum Anschlag in den Hals gesteckt, wie bei einem jungen Pärchen neben mir) und zum typischen 80´er-Synthie-Sound eines „Separate Ways (World´s Apart)“ das Luft-Keyboard bearbeitet und natürlich jede Silbe lauthals mitgesungen. Nach zwei Tagen voller großer Melodien, legendärer Hits und überragender Bands, wurde die journeysche Henkersmahlzeit nochmal Bissen für Bissen genossen und zelebriert. Ein würdiger Abschluss für ein grandioses Festival in einer großartigen Location. Wir hoffen, wir dürfen nächstes Jahr wiederkommen.(CM)

Fazit:

Grandios schöne Location, bei ähnlichem Sahne-Line-Up kommen wir unbedingt wieder. Das Wetter hat zumindest für uns als Nicht-Camper wunderbar mitgespielt (bei der Parallelveranstaltung im Chiemgau musste der zweite Tag wegen Hochwasser abgesagt werden!) Angebote für das leibliche Wohl waren im Großen und Ganzen in Ordnung, wenn auch mitunter nicht sehr günstig.


Auf dem Hirock schwelgten und schwoften Schneider (SCH) und Christopher „Gurke“ Meyer (CGM).

Dank an Marc "Blizzard" Hansen für die Fotos und Björn von Oettingen (CMM Marketing).











geschrieben am 23.06.2013   von Schneider
(NEU!!!!)Über den Artikel diskutieren:
Druckversion des Artikels:
Artikel an Kumpel versenden:

musikalischer Background des Verfassers
80`s Metal, Old School Thrash, Brutal & Technical Death, Metalcore, Hardcore, Mathcore, Hardrock, Melodic Rock/AOR, Prog-Metal
X   Aktuelle Top6
1. Pretty Maids "Future World"
2. Annihilator "Set the world on fire"
3. Skid Row "Skid Row"
4. Ugly Kid Joe "America`s Least Wanted"
5. Hellogoodbye "Zombies! Aliens! Vampires! Dinosaurs! "
6. Dover "The Flame"
X   Alltime-Klassix Top6
1. Dio "Holy Diver"
2. Iron Maiden "7th Son of a 7th Son"
3. AC/DC "Flick of the Switch"
4. Black Sabbath "Heaven and Hell"
5. Entombed "Clandestine"
6. Metallica "Master of Puppets"

[ Seit dem 23.06.13 wurde der Artikel 3144 mal gelesen ]
Die neuesten Reviews:
Neue Webseite endlich online
Turbobier Das neue Festament
Foreign Diplomats Princess Flash
Deaf Havana All These Countless Nights
Chrome Molly Hoodoo Voodoo
Sunterra Reborn -EP
Dethrashion Assault Bombardment
Tschaika 21/16 Tante Crystal uff Crack am Reck
The Shiver The Darkest Hour
Yiek The Drive
Die neuesten Interviews:
J.B.O. - 03.01.2017
Running Wild - 05.10.2016
Lacrimas Profundere - 01.10.2016
Vicious Rumors - 08.07.2016
My Jerusalem - 28.06.2016
Die neuesten Artikel:
PURE STEEL RECORDS und KARTHAGO RECORDS haben fusioniert! - 03.01.2011
PURE STEEL RECORDS und KARTHAGO RECORDS haben fusioniert! - 03.01.2011
Metalforum Osthessen e.V. sucht Bands für Konzerte - 26.10.2010
Verlosung - 26.10.2010
KONZERTERLEBNISSE - 12.08.2010
Peter Steele - ein Rückblick auf sein musikalisches Vermächtnis - 21.04.2010
Die neuesten Live-Berichte:
Caliban, Suicide Silence, Any Given Day, To the Rats and Wolves - 22.12.2016
LIEDFETT, kAPEllE PEtra, elfmorgen - 2016 - 20.12.2016
Ruhrpott Metal Meeting 2016 - 15.12.2016
Die neuesten Live-Vorberichte:
Vorbericht: Svbway to Sally - Ekustik-Projekt NEON 2017 - 11.01.2017
Vorbericht: Night Of The Progfestival 2017 - 09.01.2017
Vorbericht: FAUN – MIDGART - Tour 2017 - 09.01.2017
Die neuesten Galerien:
Open Air Festival M´era Luna vom 10. bis 11.08.2013 in Hildesheim - 14.08.2013
With Full Force 2013 - 28.07.2013
Darkmoon-Festival 2013 - 24.07.2013
Die neuesten Links:
Second Roses Online Shop Frankfurt
Morgzine - An Independent Brutal Death/grind Fanzi
Deadwebzine - Extreme Metal Guide And Metal Web Pr
All Metal Lyrics
All Metal Videos

© 2018 Metalglory.de - Alle Rechte vorbehalten   |   Datenschutz   |   Kontakt   |   Impressum