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Asp - Per Aspera Ad Aspera. Die 15-jahre-jubiläumstour in Alter Schlachthof Dresden am 23. & 24.10.2014

Diesen Livebericht hat Laughing Moon verfasst. Die Bilder der Shows gibt es auf unserer Facebook-Page.

Nur auf wenige Dinge ist auf dieser Welt Verlass, zu diesen gehört aber zweifelsohne die alljährliche ASP-Herbsttournee. Ebenso ist Verlass darauf, dass die Tour früher oder später im Alten Schlachthof in Dresden haltmacht, seit vielen Jahren ein unumstößlicher Anlaufpunkt für umfeierte Konzerte der wohl größten deutschen Gothic-Rock-Band. Der Anlass diesmal ist indes ein besonderer: Seit 15 Jahren gibt es ASP, die Zeit scheint wie im Fluge vergangen zu sein, und dementsprechend besonders gestaltet sich auch die dazugehörige Tour: ASP treten an jedem Ort an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf, wobei ein Abend das gewohnt-geliebte Rock-Programm umfasst, während Tag zwei unter dem Motto "Rar und Pur" steht.

Donnerstag: Rar und Pur

Der Andrang vor dem Schlachthof ist bereits lange Zeit vor Einlass nicht zu unterschätzen, dementsprechend schnell hat sich auch die teilbestuhlte Halle gefüllt. ASP treten heuer an, alle ihrer Songs ohne elektronische Spielereien vom Synthesizer aufzuführen und jeden einzelnen Ton selbst einzuspielen. Und wer die Bandbreite von ASP-Stücken vor Augen hat und besonders an die frühen Alben der Band zurückdenkt, der weiß: Allzu einfach ist das beileibe nicht immer. Entsprechend gespannt ist man natürlich, als Asp und seine Truppe pünktlich um 20 Uhr die Bühne betreten und den Abend mit "De Profundis" einläuten.

In semiakustischem Gewand führen ASP durch einen bestens ausgewogenen Querschnitt aller ihrer Schaffensphasen. Der alte Klassiker "Dancing" findet seinen Weg ins Programm, umrahmt von den beiden aktuellen Stücken "Aufbruchsstimmung" und "Wanderer". Während Ersteres in gewohnt rockiger Manier präsentiert wird, erstrahlen viele Nummern durch das Zusammenspiel von elektrischer und akustischer Gitarre in ganz neuen Facetten. Und nicht immer sind die präsentierten Versionen sofort zu erkennen! Zahlreiche Stücke wurden massiv umarrangiert, aus "Coming Home" etwa wurde so einiges an Geschwindigkeit entfernt, während der unausweichliche "Schwarze Schmetterling" seine Schwingen diesmal rein akustisch ausbreiten darf. Besonders freut mich, dass recht früh auch "Hunger" einmal den Weg in die Setlist gefunden hat, gefolgt vom sehr gut umgesetzten "Me". Auch andere selten gehörte Stücke kommen zum Zuge, wie "Sara" und das enorm umjubelte "Varieté Obscur", welches hier in besonders erotisch-anrüchiger Weise seinen Charme spielen lässt.

Darüber hinaus lässt es sich Asp auch nicht nehmen, einige Coverversionen zu präsentieren. So kommt Glenn Danzig's "Devil's Plaything" als nur von Sören gespielte räudige Blues-Nummer daher, und auch Sarah McLachlan's "Possession" darf zum ersten Mal überhaupt auf einem ASP-Konzert erschallen. Einige kennen das Cover vielleicht bereits von der 2006er-Scheibe "Werben". Bisher hat es allerdings nie so wirklich in die Setlist gepasst, wie uns Asp verrät, umso passender jedoch entpuppt es sich für den heutigen Abend.

Das Publikum ist von Anfang an enthusiastisch mit von der Partie und kann sich beizeiten nicht mehr auf den Sitzplätzen halten. Etwas ärgerlich sind lediglich die üblichen - zumeist jungen und weiblichen - Personen, welche unentwegt filmen und fotografieren, selbstverständlich mit Blitz. Dabei sollte es doch nun mittlerweile wirklich, wirklich einmal überall angekommen sein, dass Asp dies ganz und gar nicht schätzt, und in der Vergangenheit auch oft genug mit markigen Kommentaren darauf reagierte. Warum man die gesamte Atmosphäre eines Konzertes an sich vorbeiziehen lässt, um ein bild- und soundtechnisch grauenvolles Video aufzunehmen, welches sich anschließend sowieso keiner freiwillig anschaut, habe ich noch nie verstanden. Nun denn, Asp steckt es tapfer weg, hat das Publikum im Griff und erweist sich wie immer als charmanter und eloquenter Gastgeber.

Nachdem "Ich will brennen" den Sauerstoffgehalt im Saal wie gewohnt rapide sinken ließ, können die zahllosen "Eeeeeeeiioooo"-Rufe die Band nach kurzer Zeit wieder zurück auf die Bretter rufen. Gekonnt verwandeln sie das punkige "Finger weg! Finger!" in eine lässige Rockabilly-Nummer und reichern sie außerdem um eine weitere Strophe an. Dass diese sehr ehrlichen Zeilen auf der Album-Version nicht zu finden sind, mag man den Jungs nachsehen - die Dresdner jedenfalls erfreuen sich deutlich an "Arsch und Titten" und haben, wie sich später zeigen wird, auch am nächsten Abend noch nicht genug davon. Da muss sogar Tossi herzhaft lachen.

Wie auch immer, den ersten Abend beenden ASP mit dem Tourmotto "Per aspera ad aspera" und "Unverwandt" und schicken ihre rundum glückliche Fanschar nach zweieinhalb Stunden vorläufig zurück in die kalte Nacht.

Setlist Tag 1 (ohne Gewähr):

De Profundis
Aufbruchsstimmung
Dancing
Wanderer
Hunger
Me
Coming home
Sara
Varieté obscur
Devil's plaything (Danzig-Cover)
Die Löcher in der Menge
Carpe noctem
Demon love
How far would you go? (The 6th of September)
Nie mehr
Schwarzer Schmetterling
Ich will brennen
-
Possession (Sarah McLachlan-Cover)
Finger weg! Finger!
-
Per aspera ad aspera
Unverwandt

Freitag: Best of Rock

Nachdem am ersten Abend die dezent-gediegenen Töne überwiegten, soll heute die volle Breitseite an hartem Rock aufgefahren werden. Darüber hinaus kündigten ASP an, die beiden Shows mit so wenigen Songüberschneidungen wie möglich zu bestreiten. Nach all den Hits des gestrigen Tages fragt man sich da schon kurz, was eigentlich heute noch gespielt werden soll - doch die Liste der livetauglichen ASP-Everblacks ist nach 15 Jahren mehr als beachtlich, denkt man einmal darüber nach.

Ineinander übergehend folgen auf das Intro "Kyrie Eleison" Schlag auf Schlag "Wer sonst?" und "Sanctus Benedictus". Den Anschluss macht mit "Raserei" gleich die erste Überraschung des Tages, dieser Song wurde in letzter Zeit nicht mehr allzu häufig live gespielt. Mit den Ansagen hält sich Asp heute etwas mehr zurück, es wird schnell klar dass die Band den Fokus voll und ganz auf schweißtreibendes Mitfiebern gelegt hat. Das Publikum scheint diesmal indes noch ein Weilchen zu benötigen, um locker zu werden und für die Band wirklich alles zu geben, spätestens mit "Schwarz" ist die Hemmschwelle aber überschritten - auch dieser Song hat zuletzt nur selten den Weg in das Liveprogramm gefunden, dabei präsentiert er sich in seiner Bühnenversion doch gerade äußerst mitreißend.

Auch heute arbeitet sich Asp unermüdlich durch den reichhaltigen Fundus der Band-Diskographie, stößt mit "Sing Child" und "Kokon" in die Anfangszeiten vor, führt uns nach "Weltunter", treibt uns mit den "Vorwärts! Abwärts!"-Chören von "Schwarzes Blut" bis an die Grenzen unserer Stimmvolumina, und schlägt gekonnt die Brücke zum aktuellen Fremder-Zyklus etwa mit "Eisige Wirklichkeit" und "Die Kreatur mit der stählernen Maske". Auch das gestern vernachlässigte "Und wir tanzten" darf heuer nicht fehlen - zweifellos immer ein ganz besonderer Moment jeder Show, diesmal umso mehr, da Asp sich bis auf wenige Hilfen komplett zurückhält und den ergreifenden Text komplett vom Publikum vortragen lässt. Und was soll man sagen: Die Dresdner Fans erweisen sich als äußerst textsicher!

Im Zugabenteil kommen erneut "Per aspera ad aspera" zum Zuge, tatsächlich bleiben diese beiden Nummern aber die einzigen Überschneidungen der beiden Shows. Da kann man nicht anders als zu sagen: Respekt, ASP! Rund vierzig Nummern einzustudieren, ist nun beileibe keine Kleinigkeit, vor allem wenn man sich all die zahllosen Bands anschaut, die Tour für Tour die ewig gleichen fünfzehn Songs mitbringen und das einem als große Leistung verkaufen. Zumal es für mich vollkommen unerwartet auch das zehnminütige "Die Ruhe vor dem Sturm" unter die letzten Songs geschafft hat, ein Song, den offensichtlich nicht alle im Publikum zu kennen scheinen. Nichtsdestotrotz, tosender Beifall ist der Band am Ende sicher; sichtlich erschöpft, aber voller Euphorie dröhnen die "Eeeeiiiooo"-Chöre noch lange nach.

Was bleibt da abschließend noch großartig zu sagen? So oft wie ich ASP bereits im Alten Schlachthof erlebt habe, jedes Mal schien die Band ihren absoluten Zenit erreicht zu haben, der sich dann anschließend doch nur als Stufe auf dem Weg zum nächsten Höhepunkt der Karriere entpuppt hat. Und wer jetzt glaubt, nach 15 Jahren haben ASP den Zenit definitiv erreicht, dem kann ich mit hinreichender Sicherheit sagen: Mit dieser Energie, welche ASP unentwegt versprühen, werden sie wohl bedeutend mehr als nur weitere 15 Jahre benötigen, um alles zu sagen, was sie noch zu sagen haben. Gut so!

Setlist Tag 2 (ohne Gewähr):

Kyrie Eleison (Intro)
Wer sonst?
Sanctus benedictus
Raserei
Schwarz
Sing child
Weltunter
Eisige Wirklichkeit
Die Kreatur mit der stählernen Maske
Kokon
Lykanthropie
Weichen[t]stellung (GeistErfahrer reprise)
Ich bin ein wahrer Satan
Schwarzes Blut
Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)
Wechselbalg
Sündige Heilige
Werben
-
Rücken an Rücken
Per aspera ad aspera
-
Die Ruhe vor dem Sturm
Krabat
Ich will brennen

Diesen Livebericht hat Laughing Moon verfasst.
Copyright Titelbild: Laughing Moon/metalglory.de

geschrieben am 26.10.2014   von Schneider
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