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 Fish (Schottland) "Return To Childhood" CD

Fish - Return To Childhood CD  
So bewertet Metalglory
Grundbewertung des Werkes:
Durchschnittlich
 
Kaufwertung für Euch:
Für Fans der Gattung


Label: SPV  (178 verwandte Reviews)
Veröffentlichung: 1970   (1294 verwandte Reviews)
Spieldauer: 124:4
Musikstil: Progressive Metal/Rock   (1175 verwandte Reviews)
Musikbeschreibung: Progrock
Homepage: http://www.the-company.com/
 Leserwertung
7 von 10 Punkten
bei 1 Stimme
 

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Weitere Infos zu Fish:
REVIEWS:
Fish Return To Childhood
Fish Return To Childhood
Fish A Feast Of Consequences
Fish Raingods With Zippos (remastered)
Fish Fellini Days (remastered)
INTERVIEWS:
Fish - Return To Childhood
Mehr über Fish in der Metalopedia
Diskussion zum Review
im Forum

Misplaced Childhood war eine der wichtigsten Scheiben meines Lebens, noch jetzt kenne ich jede Note und kann die meisten Zeilen mitsingen. Sie kam 1985 zu einer Zeit heraus, als ich von Bands wie Genesis, Pink Floyd, Camel, Eloy, Queen, Supertramp oder Jethro Tull nur die alten Werke liebte, aber von deren aktuellem Output weitgehend enttäuscht war. Und dann entdeckte ich Marillion, einige Monate, bevor die Misplaced Childhood herauskam – die erste gerade erscheinende Platte meines Lebens, die mir gefiel (okok, vun drinne noh drusse und Brothers in Arms waren gut, aber nicht so mitreißend).

Naja, ein paar Jahre und nur eine Platte später trennte sich Fish von Marillion, worauf beide dann auch zu den mäßigen Musikern mutierten und ich mich dem Metal mit haufenweise lebendigen Bands zugewendet habe – rechtzeitig für die Originale von Keeper und Mindcrime.

Und jetzt, 21 Jahre nach der Childhood, kommt Fish auf die Idee, die alte Platte live wieder einzuspielen – im Mai erscheint die Live-Doppel-CD mit Aufnahmen vom November 2005. Was will uns der große, etwas tragisch anmutende, vom Schicksal durchgezwirbelte Schotte mit echtem Namen Derek William Dick damit sagen? Dass er die alten Songs für besser hält als die eigenen? Kaum, schließlich packt er auf die erste CD ein Live-Aufnahmen ein paar schöner Stücke seiner Solo-Karriere und erst auf die zweite die Marillion-Stücke. Dass er nach längerer Ebbe mal wieder Flut in den Kassen braucht und auch deswegen letztens erst eine Best-Of herausgebracht hat? Das wäre zu plump. Dass er sich nach haufenweise Exzessen noch an die Texte erinnern kann? Nein, so sehr sollten wir ihn nun wirklich nicht unterschätzen. (Ha! Kennt ihr die Lokalmatadore aus Mülheim? Dessen Sänger heißt auch Fisch, und angeblich ist sein größtes Talent, sich auch mit hohen Promillezahlen während der Konzerte noch an alle Texte erinnern zu können... aber ganz falsche Richtung, zurück zum Thema...)

Dass Fish die alte Musik liebt, versteht und interpretiert wie kein anderer, das sollten wir als Grund für die Return To Childhood annehmen. Tatsächlich breitet sich schon bei den ersten Tönen ein wohliges, heimeliges Gefühl aus, als füge sich zusammen, was zusammen gehört. Die alten Melodien und dabei die einzig dazu passende Stimme wiederzuhören, da pockt die Gänsehaut. Leichte Änderungen deuten sich bei Pseudo Silk Kimono an: Der Synthie quietscht etwas anders, eine weibliche Background-Stimme unterstützt Fish. Die Gitarre kommt gut, bei Kayleigh etwas modifiziert, beim Anfang von Bitter Suite erinnert sie eher an The Wall.

Schnell macht sich allerdings Enttäuschung breit, weil die Musik sehr spärlich renoviert ist. Mit dem alten Original halten sie nicht mit: Der Drummer ist nicht übel, nahe an Ian Mosley dran; der Bassist ist auf der recht schwammigen Aufnahme meist undeutlich, erreicht aber Trewavas oft unterschätzte Fähigkeiten nicht ganz; der Keyboarder spielt klasse auf Kellys Niveau; die Gitarristen sind super, aber einerseits treffen sie Rotherys Akzente nicht ganz präzise, andererseits sind sie meist zu nahe dran, um als eigenständig zu gelten. Insgesamt klingen sie wie eine Cover-Band, wie eine hervorragende zwar, aber wie eine, die das Original möglichst dicht nachspielen will, ohne es jedoch zu erreichen.

Fish hebt die Musik natürlich weit über ein Cover hinaus, weil er das Original ist. Er entwickelt Childhood aber kaum weiter, sondern schludert eher wie ebent einer, der den Kram schon 20 Jahre mit mal mehr, mal weniger Begeisterung singt – noch deutlicher bei Marquet Square Heroes, das er ja nun seit fast 25 Jahren schmettert. Seine Stimme hat deutlich gelitten, wodurch Songs wie Heart Of Lothian streckenweise schwer erträglich sind. Einen neuen, groovigen, bluesigen Touch bringt in diesen Momenten die Background-Sängerin Deborah Ffrench, die er öfter hätte singen lassen sollen. Waterhole klingt rockiger mit Fishs aktueller Stimme, besser, aber den meisten anderen Songs gibt sie nur eine heisere Note.

Blind Curve geht 13 Minuten, 4 Minuten länger als das Original. Hier interpretiert Fish gefühlvoller, glaubwürdiger, hier passt die Rauheit seiner Stimme – und die von Ffrench. Ihren schönen Blues vermisst man jetzt sogar beim Original, hat man diese Live-Version einmal gehört. Der Mittelteil gerät etwas lahm, beim Beginn von Teil IV Perimeter Walk, dem Quasi-Titelsong, ändert er den Text etwas, aber nur, um ständig "Childhood" mit dem Publikum zu singen. Wäre hier nicht die Schlüsselstelle, um auch die Fans an seinen Reflektionen, an seinen Entwicklungen, an 20 Jahre weiterem Abstand zur Kindheit und vielleicht zu seinen alten Kumpels teilhaben zu lassen? Er wiederholt aber nur "Childhood", variationsarm, das hatte er früher anders gemacht. Die Überleitung zum nächsten Teil Threshold gelingt Ffrench extrem gut, der dann mit der alten Wut gewohnt genial vorantreibt. Childhoods End? bleibt routiniert, teils zusammen mit Ffrench gesungen – spätestens hier kommt der Wunsch auf, sie häufiger zu hören. Bei White Feather fehlt etwas der rebellische Unterton vom Original, zunehmend klingt Fishs Stimme müde. Nach einem fulminanten Ende, teils beeindruckend von der Background-Sängerin getragen, folgen drei andere Marillion-Songs, das mir zu langweilige Incommunicado, das unvermeidbare (und hier prima wirbelnd rübergebrachte) Market Square Heroes und eine hörenswerte Version von Fugazi.

Nun gut, Fish hat sich offensichtlich entschieden, mit seiner 2005-Interpretation des größten Erfolgs seines Lebens (so das Label-Info) sehr nah am Original dranzubleiben – teils hat sich Marillion schon auf der 88er-Live-Scheibe weiter aufs Interpretationseis getraut. Doch Fish scheint zu fürchten, dort einzubrechen, oder er will seinen Fans jetzt nach 20 Jahren auch nichts Neues mehr zumuten. So bleibt Return To Childhood eine seltsame Mischung: Die Musik klingt einerseits nach (hervorragender) Cover-Band, ist andererseits vom einzigen wahren originalen Sänger gesungen, dessen Stimme wiederum so deutlich nachgelassen hat, dass die offensichtlichste Änderung gegenüber dem Original eine Background-Sängerin ist, die ihn die schwierigen Stellen überstehen lässt. Unausgegoren.

Unnötig? Das muss jeder selbst entscheiden. Wer interessante Variationen von Misplaced Childhood hören will, wird auf der Bonus-CD der Digital-Remastered-Version des Originals fündig. Wer eine Live-Version haben will, findet auf der Thieving Magpie von 1988 alles Gewünschte mit einem Fish in guter stimmlicher Form. Wer hören will, wie wenig sich so eine Scheibe in 20 Jahren verändern kann, sollte hingegen zugreifen. Aber Vorsicht: Versucht das Leugnen von Veränderungen und das Schwelgen in Erinnerungen auf die Musik zu beschränken.

Achja, die erste Scheibe des Doppelalbums: Fish wirkt bei seinen eigenen Songs deutlich freier und entspannter, aber natürlich klingt die Stimme auch hier leider eher heiser und müde als gereift. Aber das müssen wir akzeptieren. Für Fish-Fans ist dieses gute Rockkonzert mit Sicherheit ein Genuss. Nicht-so-Fans finden die Songs hier etwas rockiger, aber genauso wenig proggy wie auf den Solo-Scheiben.

Die meisten Songs stammen vom Konzert in Tilburg am 13.11.05, Fugazi wurde am 18.11. im E-Werk in Köln aufgenommen. Im Sommer soll eine DVD erscheinen, diesmal wohl von einem Konzert in Amsterdam – die könnte vielleicht interessanter sein als dieses Doppelalbum.

Songs CD1
1. Big Wedge 6.28
2. Moving Targets 7.17
3. Brother 52 5.01
4. Goldfish and Clowns 6.50
5. Raingods Dancing 4.47
6. Wake Up Call (Make it Happen) 3.19
7. Innocent Party 5.08
8. Long Cold Day 6.27
9. Credo 8.05

Songs CD2
1. Pseudo Silk Kimono 2.39
2. Kayleigh 4.04
3. Lavender 2.58
4. Bitter Suite -
(i) Brief Encounter
(ii) Lost Weekend
(iii) Blue Angel 8.29
5. Heart of Lothian -
(i)Wide Boy
(ii) Curtain Call 5.27
6. Waterhole (Expresso Bongo) 1.59
7. Lords of the Backstage 1.52
8. Blind Curve -
(i) Vocal Under a Bloodlight
(ii) Passing Strangers
(iii) Mylo
(iv) Perimeter Walk
(v) Threshold 13.04
9. Childhoods End? 4.34
10. White Feather 4.46
11. Incommunicado 5.11
12. Market Square Heroes 6.56
13. Fugazi 9.42

Musiker
Fish - Gesang
Deborah Ffrench - Backing Vocals
Frank Usher - Leadgitarre
Andy Trill - Gitarre
Steve Vantsis - Bass
Tony Turrell - Keyboards
John Tonks - Drums

Tourdates D
(mit Dave Innes statt John Tonks an den Drums)
26.4.06 Hannover Capitol
27.4.06 Mainz Phönixhalle
29.4.06 Erfurt Stadtgarten
30.4.06 Stuttgart LKA
4.5.06 Augsburg Spectrum


 
5.5 Punkte von kacior (am 16.04.2006)
 
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[ Seit dem 16.04.06 wurde der Artikel 9639 mal gelesen ]
 
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